"Wir fragen unsere kressköpfe": Warum "Eyes and Ears"-Chefin Corinna Kamphausen Screen-Gestaltern zum Minimalismus rät

 

Auffallen im Kampf um die Aufmerksamkeit: Corinna Kamphausen, Geschäftsführerin von Eyes & Ears Europe, hat ein sicheres Gespür für zeitgemäßes On-Air- und Digital-Design und zeichnet im Vorfeld der Medientage München erneut die Besten der Branche aus. Privat kann sie, wie sie im "kressköpfe"-Interview verrät, vor dem TV-Gerät sogar entspannen, dabei aber trotzdem auf Werbe-Trenner oder originelle Trailer achten.

kress.de: Frau Kamphausen, Sie gehen mit offenen "Eyes and Ears" durchs Leben. Wie entspannt ist für Sie bei so viel Reizüberflutung eigentlich noch ein privater Fernsehabend?

Corinna Kamphausen: Sehr entspannend! Ich liebe es. Ich liebe die "Lagerfeuer"- Atmosphäre. Es gibt nichts Entspannenderes als mit meinem Mann und meiner Tochter zum Beispiel die "Gilmore Girls", "Erin Brokovich" oder "Capriccio" zu sehen.

kress.de: Achten Sie eigentlich mehr auf die Sendungen, die Sie eigentlich sehen wollten, oder auf originelle Trailer, Werbetrenner und das On-Air-Design?

Corinna Kamphausen: Ich bin ein Mensch, der sehr gut in einen Film oder in eine Serie eintauchen kann. Aber nichtsdestotrotz stören mich Werbepausen wahrscheinlich weniger als andere Menschen. Ich mag perfekte Übergänge, kann mich sehr an wirklich gut gemachten Werbetrennern & Station ID's wie z.B. auf Arte erfreuen. Und klar: Originelle Trailer machen mir Lust, das Programm zu sehen und bei einem passenden und gut gemachten On-Air-Design fühle ich mich dann auf dem jeweiligen Sender "zu Hause".

"Der Designer schafft die große bindende Klammer, die in der Flut der unterschiedlichen Angebote Orientierung bietet."

kress.de: Die Fernsehlandschaft steckt mitten im disruptiven Umbruch: Gute oder schlechte Zeiten für ambitionierte Designer?

Corinna Kamphausen: Perfekte Zeiten! On-Air-Design ist gelernt. Durch die hohe Zahl an unterschiedlichen Ausspielwegen eines Programmes ist es umso wichtiger, ein wiedererkennbares, eigenständiges Design zu entwickeln. Erst dadurch fühlt sich der Zuschauer wirklich zu Hause. Der Designer schafft den Zusammenhalt. Er schafft die große bindende Klammer, die in der Flut der unterschiedlichen Angebote Orientierung bietet.

kress.de: Bleibt bei den etablierten TV-Sendern im Abwehrkampf gegen Netflix, Amazon und Co. eigentlich überhaupt noch genug Muse – und Geld – für anspruchsvolles On-Air-Design?

Corinna Kamphausen: Es gibt Häuser, die legen sehr großen Wert auf anspruchsvolles Design. Ich denke dabei zum Beispiel an SRF, ARTE oder auch die Mediengruppe RTL mit z.B. Vox. Auch Max Conze hat bei seinem Antritt als CEO bei ProSiebenSat.1 den Kreativen im Unternehmen mehr Spielraum in Aussicht gestellt. Die Wichtigkeit des Designs wurde hier erkannt. Und es wird investiert.

"Minimalismus und Vereinfachung bleiben."

kress.de: Was sind aus Ihrer Sicht die derzeit wichtigsten Gestaltungstrends?

Corinna Kamphausen: Minimalismus und Vereinfachung bleiben, besonders was Logo/Markengestaltung betrifft. Im digitalen Zeitalter müssen sie sich in der Masse abheben und für alle Applikationen eignen (z.B. App). Daher haben viele große Marken in den letzten Jahren ihre Logos aufs Wesentliche reduziert (z.B. MasterCard, Starbucks, etc.), oder haben "Responsive Logos" entwickelt, um den Anforderungen von heute gerecht zu werden. (Coke, Disney, Heineken, Chanel). Der Flat-Look wird nun erweitert um weitere Gestaltungselemente, um es wieder etwas spannender zu machen, seien es Farbverläufe, Tiefe, kräftige Typografie und Farben, aber auch gerne individuell illustriert um eine eigene Persönlichkeit zu bekommen. Fotos/Footage müssen authentisch sein, aus dem echten Leben. 3D wird viel und gerne genommen, gerne auch in Kombination mit 2D. VR/AR wird zunehmen sowie bewegte kleine Animationen (GIFs).

kress.de: Um welche vorbildliche Fallbeispiele, die Sie bei den "Eyes and Ears"-Veranstaltungen ja auch prämieren, kommen aufstrebende Designer Ihrer Meinung nach derzeit nur schwer herum?

Corinna Kamphausen: Unter unseren vielen prämierten Arbeiten war das Werk "Always Moving" auffällig, aufgrund seiner Innovation und Kreativität. Die ausholenden Bewegungen des Dirigenten wurden aufgenommen und daraus dynamische Animationen erzeugt. Ebenso wurden die Bewegungen genutzt, um die Typografie zu "verzerren" in einer sehr ästhetischen Art. Alle Elemente zusammen ergeben ein harmonisches und wunderbares Gesamtbild. Es ist ein sehr gutes Beispiel wie Kreativität heute gefordert ist, um aufzufallen und neue Wege zu finden, die authentisch und relevant sind, jedoch mit einem hohen Design-Anspruch. Programmvorspänne für Fiction-Programme sind inzwischen sehr hochwertig und wieder etwas "ruhiger" - es wird sich wieder mehr Zeit dafür genommen, eine kleine, reizvolle "Story" zu erzählen. Dafür gibt es zahlreiche Beispiele auf Vimeo und Art of the Title. Sonst tue ich mich hier sehr schwer, konkrete "Must sees" zu definieren. Es existiert so viel gute Arbeit da draußen!

kress.de: Immer mehr, oft immer kleinere Bildschirme – vom großen Wohnzimmer-Flatscreen bis hin zur Smart-Watch am Handgelenk: Ein Albtraum für Gestalter?

Corinna Kamphausen: Eher eine große Spielwiese. Die verschiedenen Medien funktionieren auf ganz verschiedene Art und Weise. Beim TV sind wir vor allem Zehn-, 20- oder 30-sekündige Trailer gewohnt. Im Internet muss die Kerninformation in den ersten drei Sekunden gegeben werden, sonst ist der Kunde weg. Die kleinen Bildschirme benötigen weniger und reduziertes Design. Hier darf man nicht kleinteilig arbeiten.

kress.de: Was müssen Kreative Ihrer Meinung nach mitbringen, um im Kampf um das rare Gut "Aufmerksamkeit" bestehen zu können?

Corinna Kamphausen: Ewige Neugierde, handwerkliches Geschick und Inspiration von anderen Kreativen in Europa. Kreation, Innovation und Effektivität sind die Antreiber im Kampf um Aufmerksamkeit. Deswegen setze ich mich als Geschäftsführerin von Eyes & Ears of Europe dafür ein, dass Kreative sich untereinander austauschen und voneinander lernen können. Dies ist unser erstes Ziel bei Eyes & Ears of Europe, aber auch bei meiner Arbeit im "Beirat des digitalen Medienlandes NRW" und im Roundtable Design der IHK Köln – und auf europäischer Ebene beim European Movement International (EMI). 

kress.de: Wenn Sie auf Ihren eigenen Berufsweg, der Sie ja viel mit Werbung, Design, das TV-, aber auch das Messe-Geschäft zusammenbrachte, zurückblicken: Wo haben sie am meisten gelernt und was hilft Ihnen im Tagesgeschäft am besten?

Corinna Kamphausen: Das Zusammenspiel ist das Wichtigste. Ich habe das Medienkonzern-Denken, aber auch das Arbeiten in einer kleinen Agentur sowie die Messe-Veranstaltungsbranche von Grund auf kennengelernt. Ich habe gelernt, zu organisieren und Menschen miteinander in Kontakt zu bringen. Ich weiß, was organisatorisch wichtig ist, um die Branche zufrieden und die Veranstaltungen erfolgreich zu machen. Ich kenne also alle unsere Mitgliederformen nicht nur von der Verbandsseite. Am meisten hilft mir aber dabei die Einsicht, die ich über die Jahre gewonnen habe, dass all die Umwälzungen in unserer Industrie nicht den Stellenwert des Designs reduzieren sondern erhöhen.

kress.de: Die Medienlandschaft ist spannend, hektisch – und oft raucht abends der Kopf: Wo und wie tanken Sie privat Ihre Batterien wieder auf?

Corinna Kamphausen: Am meisten bei meiner Familie. Ich versuche darüber hinaus zweimal pro Woche ins Fitnessstudio zu kommen. Ein Spaziergang oder ein Lauf im Stadtwald ist auch wunderbar, um den Kopf freizubekommen.

"Ich führe dieses Profil schon mein halbes Berufsleben."

kress.de: Sie führen ein "kressköpfe"-Profil. Wie wichtig ist es für Sie die Arbeit in Ihrem Netzwerk?

Corinna Kamphausen: Ich führe dieses Profil schon mein halbes Berufsleben, seitdem die kress-Köpfe eingeführt wurden. Es hat mir immer wieder interessante Kontakte beschert. Ein kleine Anekdote dazu: ich habe über Wochen einen Kontakt zu einem neuen Medienunternehmen gesucht, viele Kontakte angefragt, ohne wirklich weiter zu kommen. Dann habe ich auf kress.de geschaut. Hier war mein gesuchter Kontakt. Nun spricht er auf unserer nächsten Konferenz.

kress.de: Welche Neuigkeiten und beruflichen Inspirationen ziehen Sie aus Ihrer Lektüre von kress.de und "kress pro"?

Corinna Kamphausen: Ich bleibe über die Branche informiert und sehe alle wichtigen News auf einen Blick. So kann ich meinen Horizont auf interessante Weise erweitern und bekomme Inspirationen aus angrenzenden kreativen Bereichen.

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