Schibsted-CEO Rolv Erik Ryssdal: "Mit Springer könnte ich leicht zusammenarbeiten"

24.10.2018
 

Das Unternehmen Schibsted gilt als eines der innovativsten Medienhäuser weltweit, bereits heute sind die Norweger stark im Digitalgeschäft verankert. Im Interview mit "kress pro" spricht CEO Rolv Erik Ryssdal über Alternativen zu Google und Facebook und er schwärmt von Axel Springer.

Clemens Bomsdorf hat für "kress pro" mit Rolv Erik Ryssdal gesprochen. Ryssdal stammt aus einer norwegischen Juristenfamilie und ist seit Juni 2019 Vorstandsvorsitzender von Schibsted.

"kress pro": Es scheint, dass die Medienhäuser in Skandinavien europaweit technisch führend sind. Woran liegt das?

Rolv Erik Ryssdal: Ich glaube, wir sind recht fortschrittlich. Ein ganz bewusster Schritt war, als wir 2014 beschlossen, Produkt- und Technikentwicklung deutlich voranzutreiben. Damals haben wir in drei große Plattformen investiert: für Publishing, Classified und Werbung. Letztere haben wir zusammen mit dem Dienstleister AppNexus entwickelt, unsere Publishing-Plattform hingegen intern. Daran sind viele internationale Medienhäuser sehr interessiert.

"kress pro": Was macht die Plattform so speziell?

Rolv Erik Ryssdal: Journalisten nutzen sie, um ihre Texte zu schreiben und zu publizieren. Sie ähnelt Arc von der "Washington Post" und bietet eine besondere gute User-Experience, ist effizient und schnell zu nutzen. Integriert ist auch, dass Journalisten Nachrichten und Trends angezeigt bekommen, Facebook und andere Social-Media-Kanäle sind ebenso aggregiert wie Websites. Außerdem bekommen die Journalisten unmittelbar nach Veröffentlichung Rückmeldung, wie gut ihre Texte gelesen werden. So machen wir Journalisten das Arbeiten leichter und angenehmer: Das ist auch wichtig, um ein gutes Produkt zu bekommen.

"kress pro": Sie erwähnten 2014 als eine Art Umbruchjahr. Was ist damals geschehen?

Rolv Erik Ryssdal: Wir hatten im Aufsichtsrat eine interessante Strategie-Diskussion, bei der wir realisierten, dass es neben dem traditionellen Journalismus, gutem Verkauf und der klassischen IT sehr darauf ankommt, in dieser wettbewerbsintensiven Zeit auch bei Produkt und Technik gut aufgestellt zu sein. Die Wettbewerber sind heute schließlich andere als noch vor einigen Jahren. Einer davon ist natürlich Google.

"kress pro": Mit AppNexus versuchen Sie beim Buchen programmatischer Anzeigen Google Konkurrenz zu machen. Die norwegische Lösung, auf die andere aufspringen, hat sich aber noch nicht durch gesetzt. Amedia, der zweite große Tageszeitungsverlag in Norwegen, hat sich gegen Schibsteds Lösung entschieden. Wie wichtig ist Ihnen, unabhängiger von Google zu werden?

Rolv Erik Ryssdal: In Norwegen und Schweden sind wir sehr erfolgreich dabei, eine dritte Alternative zu Facebook und Google zu etablieren, indem wir mit AppNexus zusammenarbeiten. Die sind ein völlig unabhängiger Technik-Anbieter, der anders als Google nicht selbst im Anzeigengeschäft ist. Da gibt es keinen Interessenkonflikt. Langfristig ist das besser fürs Geschäft.

"kress pro": Springer versucht mit Verimi einen Facebook- und Google-Konkurrenten bei den Nutzerdaten aufzubauen. Schibsted hat in Norwegen ebenfalls eine eigene Datenplattform. Wäre es gut, wenn es eine paneuropäische Lösung als Gegenspieler zu den globalen Anbietern gäbe?

Rolv Erik Ryssdal: Springer ist ein Unternehmen, das mir gefällt und das ich sehr bewundere. Mit denen könnte ich leicht zusammenarbeiten. Wir schauen uns an, was sie mit ihrem nationalen Log-in machen. Ich denke, diese nationalen Lösungen zu etablieren, ist zunächst einmal das Wichtigste. Schließlich machen wir dort jeweils unsere Geschäfte. Daraus könnten sich dann interessante internationalere Lösungen und Kooperationen ergeben.

"kress pro": Google unterstützt mit seiner News Initiative viele Medien, auch renommierte Titel nehmen das Geld. Schibsted hingegen verweigert sich dem Google-Geld. Warum?

Rolv Erik Ryssdal: Wir können unsere Entwicklungen selbst finanzieren.

kress.de-Tipp: Das Interview ist ein Auszug aus der Titelgeschichte von "kress pro"-Ausgabe 7/2018. Darin erklärt Schibsted-CEO Rolv Erik Ryssdal im Gespräch mit Clemens Bomsdorf auch, warum Print für ihn "überraschend widerstandsfähig" ist und warum er in den vergangenen zehn Jahren rund jede zweite Stelle streichen musste. Das Heft mit diesen weiteren Themen kann in unserem Shop als E-Paper oder gedruckt gekauft werden - und ist auch im iKiosk erhältlich. Per E-Mail kann es unter vertrieb(at)oberauer.com bestellt werden. "kress pro" - das Magazin für Führungskräfte bei Medien - erscheint wie kress.de im Medienfachverlag Oberauer. "kress pro"-Chefredakteur ist Markus Wiegand, Herausgeber Johann Oberauer. Zum "kress pro"-Abo.

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