"Wir fragen unsere kressköpfe": Wie kabel eins-Chef Marc Rasmus mit dem Bart- und Boots-Image spielt

 

Mehr als nur die "Besten Filme aller Zeiten": Marc Rasmus, Geschäftsfüher des kleinen ProSiebenSat.1-Senders kabel eins, führt ein Abenteuerleben zwischen Berggorillas in Uganda und Frank Rosin, der gegen Fett-Plauzen kämpft. Im "kressköpfe"-Interview erklärt er, warum er gerne mal starke Sprüche raushaut - und auf was er in der kommenden TV-Saison setzt.

kress.de: Herr Rasmus, aktuell lassen Sie werblich die etwas pubertär protzige kabel eins-Botschaft „Wir haben die Größten“ im Land verbreiten. Klingt das nicht ein bisschen sehr nach Schulhof?

Marc Rasmus: Auf dem Schulhof würde es grammatikalisch anders lauten (lacht). Im Ernst: Wir sind stolz darauf, seit nun 20 Jahren mit "Die besten Filme aller Zeiten" eine starke und erfolgreiche Programm-Marke zu haben, die wir zuverlässig mit hochwertigen Inhalten füllen: Mit den besten Spielfilmen und den besten Schauspielern – den Größten eben.

kress.de: Wie stark wurmt es Sie, dass alle Welt von den besten Serien spricht, aber kabel eins eben immer noch für die gute alte Marke "Die besten Filme aller Zeiten" steht?

Marc Rasmus: Das wurmt mich in keinster Weise. Ganz im Gegenteil. Während sich alle Welt um die vermeintlich besten Serien kloppt, bieten wir mit unseren Spielfilmen und Serien den Zuschauern Verlässlichkeit und eine entspannte Alternative. Die Suche nach der neuen Talk-of-Town-Serie im Netz wird anstrengender und dauert immer länger – da tut eine lineare Fernsehpause mit bewährten Klassikern gut.

kress.de: Die "Besten Filme aller Zeiten" feiern dieser Tage ihr 20-Jahre-Jubiläum? Wie wichtig ist die Programmfarbe weiterhin für kabel eins?

Marc Rasmus: Zusammen mit unseren ‚Action Heroes‘ am Montag, die in diesem Jahr sogar schon den 22. Geburtstag gefeiert haben, und unseren eigenproduzierten Factual-Formaten am Dienstag, Donnerstag und Sonntag bleiben "Die besten Filme aller Zeiten" weiterhin eine wichtige Programmsäule am Mittwoch.

"Menschen wollen nicht ständig selber planen und entscheiden, was sie anschauen, sondern sich lieber mal zurücklehnen."

kress.de: Wer Filmklassiker sehen möchte, dürfte in den einschlägigen Online-Streaming-Bibliotheken meist schnell fündig werden. Warum haben Sie trotzdem im klassischen Zurücklehn-Fernsehen mit dem Programm-Überraschungsfaktor ihre Berechtigung?

Marc Rasmus: In Ihrer Frage steckt bereits die Antwort: Zurücklehn-Fernsehen. Wir sehen deutlich, dass die Zuschauer von einer VOD-Plattform etwas anderes erwarten als einen Filmklassiker. Diesen schalten sie lieber gezielt ein oder entdecken ihn beim Durchzappen. Menschen wollen nicht ständig selber planen und entscheiden, was sie anschauen, sondern sich lieber mal zurücklehnen.

kress.de: Mit starkem Programm bei kabel eins müssen Sie sich ja nicht nur in der Gesamt-Branche, sondern auch im familiär-sportlichen Miteinander etwa mit den Sat.1- und ProSieben-Sendern behaupten. Wie schwer fällt es, bei der Aufmerksamkeit auch im eigenen Haus nicht unter die Räder zu kommen?

Marc Rasmus: Der große Vorteil in unserer TV-Familie ist, dass wir komplementär aufgestellt sind. Jeder Sender bedient eine klar definierte Zielgruppe und hat seine Programmschwerpunkte. Die Stärken bei kabel eins liegen klar in den Bereichen bodenständiges Factual Entertainment, Krimiserien und Spielfilmklassiker.

"Der Produzenten-Pitch war ein voller Erfolg."

kress.de: In der Produzentenlandschaft dürften Sie sich in der letzten Zeit viele Freunde gemacht haben. Wie zu hören war, lief allein für wichtige neue Formate am Vorabend ein großangelegter Pitch bei gleich mehreren Produktionsfirmen. Was kommt dabei nun konkret ins Programm?

Marc Rasmus: Der Produzenten-Pitch war ein voller Erfolg. Die ersten Formatideen daraus hatten wir sogar schon on air – "Koch die Box" haben wir zuletzt vier Wochen lang getestet. Weitere Ideen sind im Umfeld unserer Magazine getestet worden, andere wurden oder werden noch pilotiert und gehen idealerweise 2019 in Staffelproduktion.

kress.de: Auf welchen Sendeplätzen und bei welchen Programmfarben müsste sich kabel eins Ihrer Einschätzung nach noch verstärken?

Marc Rasmus: Für unsere Factual-Abende brauchen wir neben den erfolgreichen Formaten wie "Die Trucker Babes", "Rosins Restaurants" oder "Achtung Abzocke" weitere verlässliche Programmmarken, die im starken Konkurrenzumfeld bestehen können. Und auch die Access Prime ist weiter ausbaufähig.

kress.de: Mit welchen Stärken möchte Ihr Sender in der nun wieder anlaufenden neuen TV-Saison 2018/19 auftrumpfen?

Marc Rasmus: In der neuen Saison stützen wir weiter unsere wichtige Programmsäule Factual. Dabei bleiben wir bodenständig und nah dran mit einem unverblümten, sorgfältigen und gerne auch außergewöhnlichen Blick auf die Themen, wie beispielsweise in "Die Klinik". 2019 geht fett los: "Rosins Fettkampf – Lecker schlank mit Frank" – hier sehen wir den Zwei-Sterne-Koch von einer ganz neuen Seite. Gemeinsam mit einem Team kämpft er gegen die Pfunde und gegen das Team von Spitzenkoch Sebastian Lege. Jede Woche gibt es eine Entscheidung: Wer zu wenig abgenommen hat, fliegt raus. Es kann auch Frank Rosin treffen – er kann also aus seiner eigenen Sendung fliegen. Soviel sei schon mal verraten: Sowohl Frank Rosin als auch Sebastian Lege nehmen ihre Aufgabe sehr ernst und haben schon mächtig abgespeckt.

kress.de: Sie kennen nicht nur den TV-Konzern ProSiebenSat.1, sondern auch die weitere Senderlandschaft bestens – auch aus früheren Karrierestationen. Wenn Sie zurückblicken: Wo haben sie am meisten gelernt und was hilft Ihnen im Tagesgeschäft am besten?

Marc Rasmus: Die Arbeit bei Discovery, und damit bei einem amerikanischen Medienkonzern, hat mein Blickfeld erweitert. Insgesamt hilft es am meisten, für unterschiedliche Sender und Zielgruppen tätig zu sein. Das erfordert immer wieder ein komplett neues Denken und zwingt dazu, all sein Tun konsequent am Zuschauer und seinen Erwartungen ans Fernsehprogramm auszurichten.

"Was Bart und Boots doch für ein Klischee erzeugen."

kress.de: Ihnen haftet ja zumindest auf den ersten Blick äußerlich ein wenig das Klischee der Abenteuerlust an. Wie und wo gehen Sie dieser nach Feierabend oder in der Freizeit nach?

Marc Rasmus: Was Bart und Boots doch für ein Klischee erzeugen (lacht). Ich durchquere in meiner Freizeit weder Wüsten noch Gebirge. Allerdings liebe ich es, auf spannenden Reisen zu fotografieren und da darf es auch mal etwas abenteuerlich werden. Zuletzt war ich bei den Berggorillas in Uganda, was ich als Reiseziel sehr empfehlen kann.

kress.de: Wie schwer fällt es, nach einem schönen Abend den nächsten Morgen nicht gleich wieder mit einem Blick auf die Quotentabelle zu beginnen?

Marc Rasmus: Es würde mir schwerfallen, weil es dazu gehört. Und das Quotenfrühstück ist für kabel eins derzeit meistens sehr lecker.

kress.de: Sie führen ein "kressköpfe"-Profil. Wie wichtig ist es für die Arbeit in Ihrem Netzwerk?

Marc Rasmus: Das "kressköpfe"-Profil ist für mich genauso wichtig wie all die anderen Business-Plattformen. Es bringt die Branche ein wenig näher zusammen und ist ein gutes Nachschlagewerk.

kress.de: Welche Neuigkeiten und beruflichen Inspirationen ziehen Sie aus Ihrer Lektüre von kress.de und "kress pro"?

Marc Rasmus: kress.de gibt mir einen schnellen Überblick über die News in der Branche. In "kress pro" mag ich die Vielfalt der Interviews.

kress.de-TippSie arbeiten in der Medien- und Kommunikationsbranche? Dann registrieren Sie sich kostenlos auf kress.de und legen in der Personen-Datenbank "Köpfe" ein Profil an. Ihren Köpfe-Eintrag können Sie mit einem Passwort bequem selbst pflegen und aktualisieren. Mit Ihrem Profil können Sie sich auf kress.de - beispielsweise mit Kommentaren - präsentieren und sind zudem - wenn gewollt - auch im Netz leicht auffindbar. Wir als Redaktion verknüpfen die Kopf-Profile mit Personalmeldungen und präsentieren am Wochenende die populärsten Köpfe der Woche.  

Alle Neuzugänge bei den "Köpfen" finden Sie hier.

Exklusive Storys und aktuelle Personalien aus der Medien- und Kommunikationsbranche gibt es von Montag bis Freitag in unserem Newsletter "kressexpress". Kostenlos abonnieren.

Ihre Kommentare
Kopf
Weitere Beiträge zu diesem Thema
Inhalt konnte nicht geladen werden.