"Wir werden die Suppe nicht alleine auslöffeln": Auch "Focus" gibt weiter heftbezogene IVW-Meldungen ab

02.11.2018
 

Am Donnerstag meldeten wir, dass die großen Printtitel "Spiegel", "Stern" und "Zeit" schnell zur heftbezogenen Auflage zurückkehren. An diesem Freitag erfuhr kress.de, dass auch Burdas "Focus" dem Kurswechsel der Print-"Kollegen" folgt. Wie BurdaNews-Geschäftsführer Burkhard Graßmann diesen Schritt begründet und warum er die IVW-Diskussion "hysterisch" nennt.

BurdaNews-Geschäftsführer Burkhard Graßmann: "Focus hat sich auf ausdrücklichen Wunsch zunächst von Gruner & Jahr, dann der anderen beiden Verlage dazu entschlossen, der in Hamburg geborenen Initiative, künftig keine heftbezogenen IVW-Meldungen mehr auszuweisen, beizutreten. Umso überraschter waren wir vom Kurswechsel der Kollegen.

Wir werden daher die Suppe, die uns die Hamburger Kollegen eingebrockt haben, nicht alleine auslöffeln. Aus diesem Grund wird auch Focus über den 1. Januar 2019 hinaus heftbezogene IVW-Meldungen abgeben.

Viel relevanter als das ist aber: Keine Gattung legt ihre tatsächlichen und mit hohem Aufwand gemessenen Leistungswerte so transparent offen wie die Zeitschriften.

Die Zeitschriften veröffentlichen Reichweiten und legen unter Kontrolle der IVW ihre Verkäufe in allen Details vollständig offen. Selbstverständlich soll sich nichts daran ändern: Wir stehen auch in Zukunft zur härtesten Währung unserer Branche. 

Zusätzlich zu diesen Informationen bieten wir eine gattungsübergreifende Markt-Media- und eine Werbewirkungsstudie (b4p/b4t) und schaffen dadurch vollständige Transparenz über die tatsächlichen Effekte von Werbung in unseren Medien, und dies übrigens auch im Vergleich zu anderen Medien. Dies tun wir seit fünf Jahren, während die AGF ihre Quoten auf Basis eines Panels möglicher Zuschauer "hochrechnet" und die GAFAs ihre Daten völlig unter Ausschluss der Öffentlichkeit würfeln. 

Ich bitte darum, diese Fakten bei der - mit Verlaub - hysterischen Diskussion um heftbezogene Auflagen zu berücksichtigen."

Hintergrund: Die Verlage von ""Spiegel", "Stern", "Zeit" und "Focus" hatten zuvor bei der IVW die Teilnahme am Heftmeldeverfahren zum Jahresende gekündigt. 

Die Organisation Werbungtreibende im Markenverband (OWM) und die Organisation der Mediaagenturen (OMG) forderten die betroffenen Verlage Anfang dieser Woche auf, ihre Kündigungen umgehend rückgängig zu machen und dem Werbemarkt auch künftig diese überaus relevanten Planungsdaten zur Verfügung zu stellen (kress.de berichtete).

Joachim Schütz, Geschäftsführer OWM, erklärte: "Ein Rückzug der Verlage aus dieser unabhängigen Auflagenprüfung führt zu Intransparenz und ist für die werbenden Unternehmen nicht hinnehmbar. Die betroffenen Verlage schneiden sich ins eigene Fleisch."

Klaus-Peter Schulz, Geschäftsführer OMG, ging noch einen Schritt weiter: "Der Entschluss, aus dem Meldeverfahren für Heftauflagen auszuscheiden, könnte die Gattung Print nachhaltig beschädigen. Besonders bedauerlich ist, dass sich gerade journalistisch hochwertige Titel damit in einen klaren Wettbewerbsnachteil begeben."

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