Wie "Chip"-Boss Philipp Brunner auf Print-Reichweitenjagd geht

 

BurdaForward, Burdas Heimat für Focus Online und Co, gibt mit Print Gas: Ab diesem Montag liegt den Tageszeitungen aus dem Dumont Verlag ("Kölner Stadt Anzeiger", "Kölnische Rundschau"), des DDV ("Sächsische Zeitung", "Morgenpost Sachsen") sowie der "Abendzeitung München" und der "Nordwest Zeitung" in einer Auflage von 750.000 Exemplaren das neue Magazin "digito" bei. Philipp Brunner, Geschäftsführer von "Chip", erklärt im kress.de-Interview seine Ziele.

kress.de: Herr Brunner, stecken bei Ihrem ambitionierten "digito"-Projekt nicht gleich zwei Widersprüche mit im Konzept: Ein Magazin über die Digitalisierung in gedruckter Form – und dann auch noch Tageszeitungen beigelegt? 

Philipp Brunner: Es gibt immer noch sehr erfolgreiche Tageszeitungen und Magazine, obwohl alle Informationen auch digital verfügbar sind. Ich sehe da keinen Widerspruch. Insbesondere die Generation der Tageszeitungsleser ist in Bezug auf neue Technologien und die Chancen, die ihnen die Digitalisierung bietet, noch sehr unsicher und unterinformiert. Sei es das neue Smartphone oder der Fernseher, das W-LAN zu Hause oder ganz neue technische Entwicklungen. Wir haben die Kompetenz dafür, das Thema "Digitaler Wandel" in Deutschland positiv zu besetzen. Mit "digito" schließen wir eine Marktlücke.

kress.de: Eine der Grundannahmen von "digito" ist, dass für viele Bundesbürger die digitale Welt trotz allem immer noch "Neuland" ist. Wie groß schätzen Sie den Erklärungsbedarf und damit das Interesse an "digito"-Volksaufklärung tatsächlich ein?

Philipp Brunner: 25 Prozent der Gesamt-Bevölkerung bezeichnen sich als "Digital Abseitsstehende", weitere 41 Prozent nur als "Digital Mithaltende". Das sind die Ergebnisse des D21 Digital Index im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie. Ich bin mir sicher, dass wir mit "digito" einen Beitrag dafür leisten werden, die Welt der technischen Neuerungen und digitalen Veränderungen gesellschaftlich positiver zu darzustellen und für Millionen Menschen greifbarer zu machen. Wie kann ich neue digitale Produkte für mich nutzen? Welche Chancen bietet die Digitalisierung für mich? Wie immer richten wir bei BurdaForward auch hier das Produkt am Interesse des Nutzers aus.

kress.de: Hinter den Artikeln in "digito" steht die Expertise der "CHIP"-Redaktionen. Wie sehr müssen sich die Kollegen umorientieren, um dem gefürchteten "Fachchinesisch" aus dem Weg zu gehen.

Philipp Brunner: "digito" wird von den Kollegen der "CHIP"-Redaktion erstellt. Hier sitzt die Kompetenz, und die nutzen wir auch für die Beilage. Es wäre ja fatal, wenn wir hierzu nicht auf die Expertise der Kolleginnen und Kollegen zurückgreifen würden. Und die Themen werden nutzergerecht umgesetzt, so, dass jeder Leser es versteht. Das ist die Stärke der Redaktion.

kress.de: Natürlich setzt "CHIP" schon länger auf unterschiedliche Ausspielwege und auch speziell konfektionierte Inhalte. Trotzdem: "digito" ist allein schon was die Themenbreite, Aufwand und Verbreitungslogistik angeht ein Brocken. Wie lässt sich so ein Großprojekt aus dem redaktionellen Alltag heraus stemmen?

Philipp Brunner: Redaktionell stellt uns die Aufgabe, wie eben erläutert, nicht vor eine neue Herausforderung, und auch die Anzeigenvermarktung ist unser Kerngeschäft. Neu ist, dass wir unser Netzwerk an Partnerverlagen zur Verbreitung des Produkts nutzen. BurdaForward arbeitet bereits seit einiger Zeit mit mittlerweile mehr als 100 Verlagen vertrauensvoll zusammen. Das hat den Einstieg in die Kooperationsgespräche natürlich stark beschleunigt. Außerdem war die Resonanz anderer Zeitungsverlage sehr positiv, so dass die Partnersuche erfreulich schnell vorangeht.

kress.de: Bei der Verbreitung setzten Sie zum Start auf ausgewählte deutsche Tageszeitungsgruppen. Wie rasch und mit wem könnte dieser Kreis erweitert werden?

Philipp Brunner: Wir starten jetzt bereits mit einer Auflage von 750.000 und erreichen somit über zwei Millionen Leser. Parallel hierzu sind wir schon in fortgeschrittenen Gesprächen mit weiteren Interessenten und gehen davon aus, dass die Auflage sehr bald siebenstellig sein wird – auch hier wieder stark unterstützt durch das Burda Forward "Partner-Netzwerk".

"Die Zeitungsverlage waren in der Regel sofort von digito begeistert."

kress.de: Wie aufwendig und mühsam gestalteten sich in den vergangenen Monaten eigentlich die Verhandlungen, in denen Sie die Zeitungspartner von den Chancen eines separaten Digital-Magazins gewinnen mussten?

Philipp Brunner: Die Zeitungsverlage waren in der Regel sofort von "digito" begeistert, und die Kooperationsgespräche kamen sehr schnell zum Ziel. Viele Verlage haben keine eigenen Digitalredaktionen mehr, sehen aber durchaus die Relevanz der Themen für Ihre Leser. Der Mehrwert unserer Inhalte wird von den Verlagen definitiv erkannt und positiv aufgenommen.

kress.de: Wie groß waren die Bedenken, dass BurdaForward möglicherweise in Anzeigen-Teichen mitfischen möchte, die eigentlich die Tageszeitungen selbst für reklamieren?

Philipp Brunner: Da wir uns auf überregionale Kampagnen fokussieren, kommen wir uns mit der lokalen Vermarktung nicht in die Quere. Lokale Kampagnen, beispielsweise aus dem Einzelhandel bleiben weiterhin das Spielfeld der Verlagshäuser – wir bieten Werbekunden mit "digito" ein attraktives Umfeld für nationale Kampagnen für eine durchaus zahlungskräftige Zielgruppe.

kress.de: Wie teilen Sie sich die Werbeerlöse mit Ihren Partnern konkret auf?

Philipp Brunner: Über die Details unserer Kooperationsvereinbarungen haben wir mit unseren Partnern Stillschweigen vereinbart.

kress.de: Wie sieht der Geschäftsplan für "digito" aus: Ab welcher Ausgabe wird das Magazin für Sie profitabel sein?

Philipp Brunner: Wir gehen davon aus, dass "digito" in 2019 einen guten Beitrag zu unserem Geschäftsergebnis liefern wird.

kress.de: Wenn im Magazin auf Testberichte und Hintergrund-Expertise verwiesen wird, binden Sie dabei auch aktiv Ihre CHIP-Seiten ein: Wohin werden denn die Links im Heft konkret verweisen, oder wird es auch einen "digito"-Digitalpräsenz geben?

Philipp Brunner: Die Produkt-Tests in "digito" sind sehr einfach verständlich gehalten und in sich abgeschlossen. Aktuell liefern wir den Lesern alle relevanten Informationen in gedruckter Form, weitere Detailinfos sollten nicht notwendig sein. Da wir als Teil von Burda Forward jedoch insbesondere einer der führenden digitalen Publisher sind, ist eine zukünftige digitale Erweiterung natürlich nie ausgeschlossen.

kress.de: Letzte Frage: Sie treten mit viel Digital-Knowhow an. Wer hat eigentlich den Spezialisten von BurdaForward die alte Tageszeitungswelt erklärt?

Philipp Brunner: Zum einen beschäftigen wir bei Burda Forward und der "CHIP" natürlich viele Medienexperten, die teilweise auch in früheren Stationen Erfahrungen bei Zeitungsverlagen gesammelt haben. Darüber hinaus ist das Thema Regionalverlage über unser "Publisher-Netzwerk" in den vergangenen zwei Jahren bei Burda Forward intern ohnehin noch einmal deutlich prominenter platziert.

kress.de-Tipp: Hintergründe zum "Partner-Netzwerk" von BurdaForward mit vielen deutschen Regionalverlagen erfährt man detailliert im Strategie-Case "Partner gesucht". Er ist in "kress pro"-Ausgabe 3/2018 erschienen. Darin zeigt Chefredakteur Markus Wiegand, wie "Focus Online" mit Regionaltiteln kooperiert. Die Ausgabe kann in unserem Shop als E-Paper oder gedruckt gekauft werden - und ist auch im Kiosk erhältlich. Per E-Mail kann sie unter vertrieb(at)oberauer.com bestellt werden. "kress pro" - das Magazin für Führungskräfte bei Medien - erscheint wie kress.de im Medienfachverlag Oberauer. "kress pro"-Chefredakteur ist Markus Wiegand, Herausgeber Johann Oberauer. Zum "kress pro"-Abo.

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