"Loslassen": Ranga Yogeshwar übergibt WDR-Sendung "Quarks" an Mai Thi Nguyen-Kim und Ralph Caspers

 

Er ist der Mann, der im ARD-Universum gerne herangezogen wird, wenn es Komplexes zu erläutern gibt - etwa die Folgen der Reaktorkatastrophe in Fukushima. Ranga Yogeshwar, Wissenschaftsjournalist und Physiker, kann die einschlägigen Wissenspublikationen und Daten anschaulich machen. Lange hat er das für die WDR-Sendung "Quarks" getan. Deren Moderation gibt er nun zum Jahresende ab.

Der 59-jährige Ranga Yogeshwar, der "Quarks" seit dem Start im Jahr 1993 maßgeblich geprägt hat, sagt: "Abschiednehmen heißt auch immer Loslassen. Diesen Schritt habe ich in der Vergangenheit auch schon bei anderen erfolgreichen Formaten wie 'Kopfball' oder 'Wissen vor 8' bewusst getan. Das Timing für die Staffelübergabe ist jetzt genau richtig: Mit Mai Thi Nguyen-Kim und Ralph Caspers gibt es zwei exzellente Köpfe, die auf ihre ganz eigene Art 'Quarks' prägen und erweitern werden. Ich übergebe daher die Staffel an meine Kolleginnen und Kollegen vor und hinter der Kamera mit einem guten Gefühl. Mein Abschied von 'Quarks' ist dabei kein Abschied vom WDR. Ich bleibe dem Westdeutschen Rundfunk weiterhin verbunden." Eine längere Stellungnahme von Yogeshwar gibt es hier.

Mai Thi Nguyen-Kim gehört seit 2018 zum "Quarks"-Moderatoren-Team, Ralph Caspers ist seit 2010 dabei. Seit Juli 2018 sind unter der Crossmedialen Gesamtmarke "Quarks" Fernsehen, Hörfunk mit Podcast und demnächst auch einem Spotify-Angebot sowie Facebook, Instagram und YouTube vereint. Mitte November geht die neu gestaltete Website quarks.de online.

Für das Frühjahr 2019 ist eine zweiteilige Reportage von Ranga Yogeshwar zum Thema "Künstliche Intelligenz" unter WDR-Federführung im Ersten geplant. 

WDR-Fernsehdirektor Jörg Schönenborn lobt Yogeshwars Leistungen für "Quarks" : "Ranga Yogeshwar hat mit 'Quarks' ein modernes Wissenschaftsformat etabliert und die Sendung über viele Jahre geprägt: Er ist als exzellenter Journalist und Moderator Lotse in einer komplexen Welt", so Schönenborn. "Gerade in einer Zeit der Digitalisierung, die neue Fragen und Herausforderungen mit sich bringt, bietet er dem Publikum damit wertvolle Orientierung. Dafür bin ich dankbar und freue mich, dass er diese Rolle für den WDR weiter mit Reportagen und Sonderformaten wahrnehmen wird." 

Yogeshwar, geboren in Luxemburg, studierte an der RWTH Aachen experimentelle Physik und schloss als Diplom-Physiker ab. Schon 1987 begann er für den WDR zu arbeiten - zunächst als Wissenschaftsredakteur im Team von Fernsehmoderator Jean Pütz. Später wurde Yogeshwar zeitweilig Leiter der Programmgruppe Wissenschaft Fernsehen. Offiziell beendet hat er er seine Tätigkeit als WDR-Redakteur bereits 2008, seitdem arbeitet er als freiberuflicher Moderator. 

ARD-intern gilt Rangar Yogeshwar, der stets auf seine Popularität auch aus massenwirksamen Wissensshows vertrauen kann, durchaus auch als scharfzüngiger Kritiker des öffentlich-rechtlichen Systems. So beklagte er im Frühsommer dieses Jahres in einem Interview mit dem "medium magazin" die langen Entscheidungswege der Anstalten. "Die bisherigen Strukturen sind überholt und an vielen Stellen zu bürokratisch", so Rangar Yogeshwar. "Manche Programmentscheidungen werden geradezu erstickt in einem Irrsinn von Sitzungen, Genehmigungsprozessen und Zuständigkeitsdebatten zwischen den einzelnen Sendeanstalten. Manchmal dauert es Monate, bis es zu einer Entscheidung kommt. Diesen Workflow muss man dringend abspecken."

kress.de-Tipp: Das komplette Interview mit Ranga Yogeshwar kann man in der "medium magazin"-Ausgabe 3/2018 nachlesen. Darin schildert der Wissenschaftsjournalist gegenüber Chefredakteurin Annette Milz, wie eine Aussage von ihm in einem "Welt"-Interview so zugespitzt wiedergegeben wurde, dass sie vollkommen verzerrt in Fake News und einem Shitstorm bis zu Gewaltaufrufen sowie politischer Diffamierung mündete. Um solche Folgen generell zu vermeiden und mehr Fachkompetenz in die Redaktionen zu holen, schlägt Yogeshwar eine Reihe von Maßnahmen vor. Außerdem macht er Vorschläge, wie beispielsweise Talkshow-Redaktionen ihre Gäste besser vor Angriffen schützen sollten.

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Das "medium magazin" - das Magazin für Journalisten, in dem aktuelle Branchenthemen diskutiert und beleuchtet werden - erscheint wie kress.de im Medienfachverlag Oberauer. Chefredakteurin ist Annette Milz. Sie ist auch Herausgeberin der Journalisten-Werkstätten.

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