"Wir fragen unsere kressköpfe": Wie Society-Reporterin Gesine Jordan mit gezielter Frechheit auf Promi-Jagd geht

 

Sie kennt die Schönen, die Wichtigen und die Wichtigtuer - und hat keine Scheu, am liebsten direkt mit ihrer iPhone-Kamera für ihr Social-Media-Format "VIPs in the city" ins Visier zu nehmen. Gesine Jordan, seit 2001 Gesellschaftsreporterin unter anderem für die Bayern-Ausgabe der "Welt" und länger in Privat-TV- und BR-Diensten, verrät im "kressköpfe"-Interview, welche Chancen der digitale Medienwandel für sie bringt.

kress.de: Frau Jordan, der rote Teppich wirkt wie Ihr zweites Zuhause. Wie verschafft man sich im Gedrängel der Reporter und Fotografen eigentlich am besten die Aufmerksamkeit der Stars? 

Gesine Jordan: Indem man frech, aber respektvoll auf Sie zugeht und ungehemmt anspricht.

"Die Technik heutzutage macht es möglich, auch mit kleinem Budget beste Qualität zu liefern."

kress.de: Sie sind ja schon länger auf Promis geeicht. Was hat Sie dazu veranlasst, sich mit als VIP-Vloggerin ins Getümmel zu stürzen? 

Gesine Jordan: Ich komme ursprünglich vom Fernsehen. Wieder in Bildern zu erzählen, war mir ein großer Wunsch. Die Erzählform in Bildern ist einfach eine andere: schneller, authentischer, ehrlicher und vor allem facettenreicher. Die Technik heutzutage macht es möglich, auch mit kleinem Budget beste Qualität zu liefern.

kress.de: In wie weit spielt Ihnen tatsächlich der Technik-Wandel mit vergleichsweise einfach zu handhabendem Aufnahme-Equipment in die Hände?

Gesine Jordan: Heute ist es ein Leichtes, seine Geschichten und Storys videotechnisch zu realisieren und schnell in die Welt zu verbreiten. Ein Smartphone, dazu ein Account in den Sozialen Medien. Fertig! Aber eines sei gesagt: Selbst die vergleichsweise einfache Technik von heute kann nur gute Resultate erzielen, wenn man weiß, was man tut. Ein guter Ton und die richtige Blende sind auch bei Social-Media-Plattformen wichtig! Mir hilft bei "VIPS in the city" mein Partner, ein Profi-Editor und Ex-Kameramann. Inzwischen haben wir uns gesteigert und drehen mit zwei DSLR-Kameras und einem Profi-Funk-Mikro. 

kress.de: Sie sind ja trotzdem weiterhin auch mit "großem Gepäck" als Teil eines klassischen TV-Teams im Einsatz. Hand aufs Herz: Was macht mehr Spaß, und wie erzielen Sie die besseren Ergebnisse?

Gesine Jordan: Je kleiner das Team ist, desto lieber ist es mir persönlich. Die Kommunikation geht schneller, und man ist flexibler. Gerade in der Enge an einem Roten Teppich ist das von Vorteil! Am meisten Spaß macht es mir, mit einem professionellen Kameramann, der Lust auf das Genre hat, und einem gutem Equipment, bestehend aus einer DSLR-Kamera (man ist wendiger) und einem Funk-Mikro (kein Kabel-Wirrwarr). Man kann heutzutage das Equipment deutlich reduzieren - bis zu einer gewissen Grenze. Hast Du ein billiges Mikro, musst Du den Ton später mühsam im Schnitt korrigieren. Dreht man mit einem Greenhorn an der Kamera (weil günstiger), fehlen einem hinterher für die Geschichte die guten Bilder, oder der Weißabgleich stimmt nicht. 

kress.de: Vielen Promis sagt man ja nach, dass sie nur dann lächeln und zu sprechen beginnen, wenn sie das rote Kameralicht sehen. Wie schwer fällt Ihnen, Ihre Gesprächspartner für die Alternative mit Digitalkamera oder Smartphone zu gewinnen? 

Gesine Jordan: Inzwischen gar nicht mehr. Vor zwei Jahren hat man uns, mit unserem "VIPS in the city"-iPhone am roten Teppich noch belächelt. Heute ist das anders. Ein Großteil der Promis dreht für Instagram & Co. selbst Videos mit dem Smartphone. Auch öffentlich-rechtliche Anstalten produzieren viele ihrer Zuspieler inzwischen mit iPhone und einem Gimbal (Drei-Achsen-Stabilisator) und Consumer-Drohne. Dies ist mittlerweile eine durchaus etablierte Technik.

kress.de: Gute Vorbereitung sowie ein tolles Namens- und Gesichter-Gedächtnis sind sicher Pflicht: Trotzdem läuft im Umgang mit Promis vieles oft anders, als man das im Vorfeld planen kann. Was ist Ihr Geheimrezept, um mit Hektik und Chaos vor Ort klarzukommen? 

Gesine Jordan: Mein Geheimrezept verrate ich nicht  - jetzt müssen Sie im Text schreiben "lacht verschmitzt und zwinkert mit einem Auge" -, aber ich kann soviel sagen: Ich habe schon alles erlebt. Mehrmals. Deshalb kann mich nichts mehr erschüttern. Außerdem mag ich diesen Zeitdruck und diesen kleinen Wettkampf mit den Kollegen: Wer bekommt den Promi zuerst vor das Mikrofon? Die Kollegen sind übrigens fast immer die gleichen, man kennt sich, ist fast wie eine Familie. Wenn einem das nicht auch Spaß macht, würde man verrückt werden.

"Am Roten Teppich interviewe ich mir bekannte maulfaule oder zickige Personen einfach nicht mehr."

kress.de: Und wie schaffen Sie es, dass sich auch latent maulfaule oder – soll es ja angeblich geben – zickige Promis im schnellen Frage-Antwort-Sperrfeuer öffnen?

Gesine Jordan: Das kommt auf die Situation an: Am Roten Teppich interviewe ich mir bekannte maulfaule oder zickige Personen einfach nicht mehr. Das ist die Mühe nicht wert, und ich gestatte mir diese Freiheit. Anders bei einem gesetzten Interview - wie erst kürzlich: Ein sonst gesprächiger Interview-Partner war mies drauf, müde, gähnte die ganze Zeit. Sein ganzer Körper sagte nur: Wann sind wir fertig, ich will hier weg. Das weckt meinen Ehrgeiz. Die Waffen sind dann Blickkontakt, Charme, gute Laune und dem anderen das Gefühl geben: "Du bist jetzt das Wichtigste im Moment." Mist, jetzt haben Sie es ja doch, mein Geheimrezept.

kress.de: Wenn Sie auf Ihren eigenen Berufsweg zurückblicken: Wo haben sie am meisten gelernt und was hilft Ihnen im Tagesgeschäft am besten?

Gesine Jordan: Hmmm… die zahlreichen Familienfeiern meiner Patchwork-Großfamilie. Im Schnitt sind wir bei Festen im kleinen Kreis 30 Leute. Neben dem Familien-Entertainer auch mal zu Wort zu kommen oder mit der wortkargen Single-Tante im Gespräch zu bleiben - das schult für jeden Interviewpartner.

kress.de: Der Promi-Trubel ist spannend, hektisch – und oft raucht abends der Kopf: Wo und wie tanken Sie privat Ihre Batterien wieder auf? 

Gesine Jordan: Beim Gassigehen mit meinem Hund und seit einem Jahr mit Yoga. Aber nochmal: Mir macht meine Arbeit auch sehr viel Spaß.

kress.de: Sie führen ein "kressköpfe"-Profil. Wie wichtig ist es für die Arbeit in Ihrem Netzwerk? 

Gesine Jordan: Die kressköpfe waren für mich schon immer eine wichtige Recherche- und Informationsquelle.

kress.de: Welche Neuigkeiten und beruflichen Inspirationen ziehen Sie aus Ihrer Lektüre von kress.de und "kress pro"? 

Gesine Jordan: Ich verfolge den rasanten Umbruch, den Wandel in der Medienwelt und ziehe daraus meine Schlüsse. Auch wenn ich seit 17 Jahren glücklich in der Bayern-Redaktion der "Welt"-Gruppe arbeite, man weiß nie, was morgen ist, besonders als freie Autorin. "VIPS in the city" ist auf Erfolgskurs. Auch oder vielleicht gerade, weil wir in der Form der Berichterstattung keinen Mainstream bieten. Unser zweites "Eberhofer-Quiz" hat auf Youtube mehr als 75.000 Klicks. Das heißt, rein was die Zuschauerzahlen betrifft, befinden wir uns da auf Arte- beziehungsweise ZDF-Neo-Niveau. Das ist nicht nur extrem befriedigend, das ist auch Ansporn, diesen Weg weiter zu gehen.

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