Benjamin Piel über Lokaljournalismus: "Können 55-Jährige eigentlich wissen, was einen 20-Jährigen bewegt?"

12.11.2018
 

Lokaljournalismus wird 20- bis 30-Jährige nicht mehr erreichen, wenn er so weitermacht wie bisher. Diese Mahnung spricht "Mindener Tageblatt"-Chefredakteur Benjamin Piel im "medium magazin" aus - und beschreibt sechs Dinge, die Redaktionen jetzt verändern müssen.

Benjamin Piels Beitrag ist Teil der Titelgeschichte, für die "medium magazin" 30 Fragen journalistischer Nachwuchstalente der "Top 30 bis 30" von Experten beantworten ließ.

"Mindener Tageblatt"-Chefredakteur Piel plädiert unter anderem dafür, "mit althergebrachten Relevanzdogmen zu brechen". Lokale Journalisten sollten ohne Angst vor Schleichwerbung über Geschäfte, Kneipen und Restaurants schreiben, weil viele Jüngere sich für dieses Umfeld interessierten. Auch sogenannte weiche Themen gehören für Piel vermehrt ins Lokale: "Für viele der 20- bis 30-Jährigen ist aber Work-Life-Balance ein großes Thema. Deshalb haben solche Themen wie auch Familie/Beziehung/Kinder eine hohe Bedeutung, sind aber zu häufig unter den Newsdesk gefallen."

Piel gewann 2014 den Theodor-Wolff-Preis und war 2012 selbst unter den Top 30 bis 30. In diesem Jahr übernahm er den Chefposten beim "Mindener Tageblatt". Im "medium magazin" fordert er seine Zunft auch auf, normale Menschen statt Honoratioren wie Bürgermeister ins Zentrum der Berichterstattung zu stellen. Und schließlich kommt Piel auch auf die Alterskluft in den Redaktionen zu sprechen: "Können 55-Jährige eigentlich wissen, was einen 20-Jährigen bewegt? Sie können, aber der Aufwand, die Alterskluft zu überwinden, ist groß. Immer schneller werden die Abstände zwischen den Generationen immer größer. Gut ist, wenn es in jeder Lokalredaktion junge Mitarbeiter gibt, die nah dran sind an den Altersgruppen und deren Geschichten erzählen können", empfiehlt Piel. 

kress.de-Tipp! Der hier gekürzt wiedergegebene Beitrag von Benjamin Piel, in dem er auch WhatsApp als Austausch-Kanal ins Spiel bringt, ist Teil des großen Generationendialogs zum Titelthema "Was hat Zukunft" in "medium magazin" 06/2018, Seiten 16 bis 23. Weitere Themen darin u.a.: "Journalismus der Dinge", Debatte um die Nationalitätennennung von Tätern in Berichten, Blockchain-Modelle für Medien, Change-Anforderungen an Journalisten, Wolf Schneiders neue Sprachkritik, Special Umwelt & Nachhaltigkeit mit dem Schwerpunkt "Nature Writing" sowie eine 16-seitige Werkstatt "Erfolgreich gründen" und die 24seitige Sonderedition "Journalistin 2018" mit der neuen WDR Chefredakteurin (TV) Ellen Ehni zu den #metoo-Vorwürfen im WDR und zu ihren künftigen Prioritäten. Die "medium magazin"-Ausgabe 6/2018 ist digital (per Sofortdownload) und gedruckt verfügbar, inklusive Heftvorschau. Zum Abo hier entlang. Das "medium magazin" - das Magazin für Journalisten, in dem aktuelle Branchenthemen diskutiert und beleuchtet werden - erscheint wie kress.de im Medienfachverlag Oberauer. Chefredakteurin ist Annette Milz. Sie ist auch Herausgeberin der Journalisten-Werkstätten.

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Ihre Kommentare
Kopf

René Schellbach

16.11.2018
!

Ja, die Lokalzeitung muss jünger werden - online first, mehr Video, mehr Leser-Dialog. Aber Schleichwerbung bewusst zulassen? Die Social Media Agenturen werden sich freuen und noch mehr Gratis-Content in die Redaktionen drücken. Die Verlage können noch mehr bei den Honoraren sparen. Und damit geht dann noch mehr vom Alleinstellungsmerkmal der Zeitung verloren - Seriosität, Vertrauenswürdigkeit, Qualität. Ja, klingt altmodisch. Aber nur so unterscheidet sich die Zeitung von Facebook & Instagram.


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