Civil-Gründerin Christine Mohan: "Mit Blockchain beschäftigen sich momentan alle Häuser"

 

Civil prophezeit eine "neue Ökonomie" für den Journalismus. Wie das New Yorker Start-up Blockchain-Technologie einsetzt, um Publishern neue Geschäfte zu ermöglichen, steht im Gründer-Case von "kress pro". 

Dies ist keine Geschichte über neue Erlösmodelle, die das Geschäft mit journalistischen Inhalten ein wenig rosiger erscheinen lassen. Hier geht es um nichts weniger, als den Fortbestand des Journalismus "auf Generationen hinaus" zu sichern.

So zumindest lautet das schwerwiegende Versprechen von Civil. Das junge Start-up aus Brooklyn tüftelt an einer "neuen Ökonomie des Journalismus". Es möchte mit Hilfe der Blockchain-Technologie gleich mehrere Probleme von Publishern auf einmal lösen, sagt Civil-Mitgründerin Christine Mohan: die Emanzipation von Werbeeinnahmen, die effiziente Lizenzierung von Inhalten an Dritte und die Wiederherstellung von Vertrauen bei den Lesern, um nur drei zu nennen.

Vorher gibt es allerdings viel zu erklären. Zunächst müssen Redaktionen Teil des Civil-Netzwerks werden und sich zur "Civil Constitution" bekennen, einer Art Regelwerk, das den richtigen Umgang mit Quellen anmahnt oder Desinformation und Fake News ächtet. 15 Newsrooms, wie Civil sie nennt, sind bereits an Bord. "Wir konzentrieren uns auf die chronisch unterfinanzierten Bereiche im Journalismus", sagt Christine Mohan: Lokale, investigative, internationale und Politikberichterstattung. Für diese Ressorts ist die Blockchain schon allein deshalb interessant, weil unliebsame Geschichten, sobald sie einmal in der Blockchain sind, nicht mehr verändert oder manipuliert werden können.

Auf bis zu 1.000 Newsrooms soll die Community innerhalb des nächsten Jahres wachsen, heißt es bei Civil. Eventuell auch mit deutschen Mitgliedern? "Wir haben uns mit Axel Springer ausgetauscht und mit dem Spiegel", sagt Christine Mohan, die bei Civil für die globalen Partnerschaften zuständig ist. Hiesige Kooperationen kann sie noch nicht vermelden, nur so viel: "Derzeit beschäftigen sich alle Häuser mit Blockchain." Sie wird das Geschäft ab dem kommenden Jahr von Berlin aus vorantreiben.

kress.de-Tipp! Wie sich das New Yorker Start-up Civil für Nachhaltigkeit und Vertrauen im Journalismus einsetzt und einen "Goldstandard" für journalistische Qualität etablieren möchte, die nur dem Leser und nicht mehr der Werbeindustrie verplfichtet ist, steht in der "kress pro"-Ausgabe 8/2018. "kress pro"-Autor Marcus Schuster berichtet in dem Case auch davon, wie die Nachrichtenagentur AP mit der Civil-Technik bereits ihre Inhalte überwacht und wie Civil kleineren Publishern "bislang unerschlossene Märkte" eröffnen will.  Das "kress pro"-Heft 8/2018 mit diesen weiteren Themen kann in unserem Shop als E-Paper oder gedruckt gekauft werden - und ist auch im iKiosk erhältlich. Per E-Mail kann es unter vertrieb(at)oberauer.com bestellt werden. "kress pro" - das Magazin für Führungskräfte bei Medien - erscheint wie kress.de im Medienfachverlag Oberauer. "kress pro"-Chefredakteur ist Markus Wiegand, Herausgeber Johann Oberauer. Zum "kress pro"-Abo.

Am 20./21. November präsentiert sich Civil-Mitgründerin Christine Mohan auf dem "VDZ Tech Summit" in Hamburg und sagt, wie ihr Unternehmen Blockchain-Technologie einsetzen möchte, um für Medienunternehmen, etwa bei der Vermarktung, Lizenzierung, als Dienstleister aufzutreten. Der Verband Deutscher Zeitschriftenverleger bringt bei der Veranstaltung zum sechsten Mal Verlagsmanager und IT-Spezialisten zusammen, um ein gemeinsames Verständnis von technologischen Innovationen und Geschäftsmodellen zu fördern. In mehr als einem Dutzend Panels stellen Referenten u. a. von Madsack, Heise Medien, aber auch von den Ullstein Buchverlagen und dem Nahrungsmittelkonzern Oetker ihre Best-Practice-Beispiele vor. Neben CMS, künstlicher Intelligenz und datengetriebenem Publishing geht es vor allem um die CTO-Arbeit in Unternehmen und um Blockchain-Technologien.

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