"Eine Farce": Wie sich "Playboy"-Chefredakteur Florian Boitin von einem Interview mit Ennio Morricone distanziert

15.11.2018
 

In "kress pro" kam Florian Boitin zuletzt selbst in einem fünfseitigen Gespräch ausführlich zu Wort. Jetzt hat der "Playboy"-Chefredakteur Ärger wegen eines Interviews mit Ennio Morricone.

In der aktuellen "Playboy"-Ausgabe ist ein Interview mit dem Großmeister der Filmmusik, Ennio Morricone, veröffentlicht. Das Gespräch fand im Sommer dieses Jahres auf dem Anwesen des Künstlers in Rom statt und wurde von einem freien Journalisten geführt - im Auftrag von Playboy Deutschland. Seit seiner Veröffentlichung letzte Woche schlägt das Interview - das nur in der deutschen Ausgabe erschienen ist - weltweit hohe Wellen. Äußert sich der Komponist darin doch betont geringschätzig über Amerika und die Oscarverleihung an sich, Musikerkollegen im Speziellen und Quentin Tarantino im Besonderen.

"Zu unserem Entsetzen mussten wir nun allerdings feststellen, dass Teile des von uns veröffentlichten Interviews das gesprochene Wort von Herrn Morricone nicht korrekt wiedergeben", schreibt "Playboy"-Chefredakteur Florian Boitin in eigener Sache auf Facebook. So habe sich inzwischen auch der Verfasser des Interviews selbst zu den Vorwürfen geäußert - und "schreckliche Fehler" eingeräumt. In einem Schreiben, das der Redaktion vorliege, bitte der Autor Ennio Morricone dafür um Entschuldigung, sich in der für "Playboy" angefertigten finalen Interview-Fassung nicht an das tatsächlich Gesagte gehalten zu haben, sondern dem Interview anderweitig getroffene Aussagen hinzugefügt zu haben.

"Es handelt sich nach unserem Kenntnisstand also mindestens um unverantwortliche Ungenauigkeiten, schlimmstenfalls um bewusste Täuschungen des Autors. In jedem Fall aber stellen diese vorsätzlichen Verfälschungen einen nicht hinnehmbaren Verstoß gegen die journalistische Ethik dar! Überflüssig zu erwähnen, dass solch ein Vorgehen in keiner Weise mit den strengen journalistischen Ansprüchen des deutschen Playboy vereinbar ist", so Boitin.

Der Autor des Interviews sei ein höchst erfahrener Journalist, der in der Branche einen tadellosen Ruf genieße - und der der "Playboy"-Redaktion in den vielen Jahren der Zusammenarbeit niemals Anlass gegeben hätte, an seiner Integrität oder seinen Fähigkeiten zu zweifeln.

Boitin weiter: "Ich habe allerhöchste Hochachtung vor Ennio Morricone und seinem musikalischen Lebenswerk. Und ich kann deshalb an dieser Stelle nur mein allergrößtes Bedauern ausdrücken, wenn durch die - man muss es so sagen: vorsätzlich unrichtigen Darstellungen - eines von uns beauftragten Autors Herr Morricone in ein falsches Licht gerückt wurde."

Der "Playboy"-Chefredakteur bittet auch alle Leser dafür um Entschuldigung, "dass es uns nicht gelungen ist, sie vor dieser Farce eines Interviews zu bewahren".

Boitin kündigt dreierlei an:

"1. Werden wir weiter an einer raschen und vollständigen Aufklärung des Sachverhaltes arbeiten.
2. Werden wir Strafanzeige wegen Betrugs gegen den Autor stellen.
3. Verspreche ich, dass wir alles dafür tun, dass dieser bedauerliche Vorfall im wahrsten Wortsinn einmalig in der Geschichte des deutschen Playboy bleibt."

kress.de-Tipp! Kein Thema hat im Internet so viel Gratiskonkurrenz wie Sex. Warum wächst der "Playboy" trotzdem? - Die Antwort(en) darauf, gibt Florian Boitin im großen "kress pro"-Interview mit Rupert Sommer, erschienen in der Ausgabe 8/2018. Das "kress pro"-Heft mit diesen weiteren Themen kann in unserem Shop als E-Paper oder gedruckt gekauft werden - und ist auch im iKiosk erhältlich. Per E-Mail kann es unter vertrieb(at)oberauer.com bestellt werden. "kress pro" - das Magazin für Führungskräfte bei Medien - erscheint wie kress.de im Medienfachverlag Oberauer. "kress pro"-Chefredakteur ist Markus Wiegand, Herausgeber Johann Oberauer. Zum "kress pro"-Abo.

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