Wir fragen unsere kressköpfe: Warum Gottfried Zmeck ein Herz für die Amazon Channels hat

 

Die TV-Zukunft mitgestalten und trotzdem bescheiden bleiben: Im "kressköpfe"-Interview erläutert Mainstream-Media-Chef Gottfried Zmeck, warum er mit "Fernsehen mit Herz" sein Engagement im Streaming-TV verstärkt.

kress.de: Herr Zmeck, in der Branche werden Sie gerne immer wieder als eine Art Urgestein des deutschen Pay-TVs bezeichnet. Was hätten Sie rückblickend noch während der schwierigen Aufbaujahre geantwortet, wenn man Ihnen einmal eine Zukunft auch als Digital-Unternehmer vorausgesagt hätte?

Gottfried Zmeck: Wir haben es in der Tat mit einer rasanten Entwicklung zu tun, die damals kaum absehbar war. Die Aufbaujahre, die Sie ansprechen, waren der Start des digitalen Fernsehens 1996 mit der ersten digitalen Plattform DF1. Dabei ging es um die Digitalisierung der Übertragungswege und die Nutzung der damit verbundenen Möglichkeiten. Dieser Prozess ist bald abgeschlossen, wenn auch die Kabelnetzbetreiber demnächst den Umstieg von analog auf digital lückenlos umgesetzt  haben. Der heutige Fernsehmarkt mit seiner ungeheuren Vielfalt wäre ohne den damaligen Schritt nicht denkbar. Jetzt sorgen die OTT- und Streamingplattformen für einen neuen Schub mittels der Digitalisierung. Auch hier geht es wieder um Transport- und Vermarktungswege für Inhalte. In meinem Fall betrifft das konkret die drei Sender der Mainstream Media AG. Daher sehe ich mich - damals wie heute - als Fernsehunternehmer, die Bezeichnung Digitalunternehmer würde ich nicht in Anspruch nehmen.

"Wir betrachteten Amazon als potenten und kompetenten Partner." 

kress.de: Sie haben mit Ihrem Haus schon früh auf die damals neuen Amazon Channels vertraut. Was gab Ihnen die Sicherheit, aufs richtige Pferd zu setzen?

Gottfried Zmeck: Ja, wir waren unter den ersten, weil ich in dem Ansatz eine interessante Chance sah. Vom non-linearen Markt kommend wollte Amazon das Geschäft in Richtung lineare Kanäle ausdehnen. Bei den bisherigen Plattformen war die Entwicklung umgekehrt. Wir betrachteten Amazon als potenten und kompetenten Partner. Diese Erwartung hat sich bestätigt. Sicherheit gibt es natürlich keine. Aber wir reden hier, Stand heute, von einem Geschäft, das als Ergänzung zu der Vermarktung über Plattformen wie Sky, Vodafone oder Unitiy zu sehen ist. Daher schätze ich die Chancen höher als die Risiken ein.

kress.de: Sie bauen die Amazon-Zusammenarbeit mit dem Start des "Fernsehen mit Herz"-Pakets nun weiter aus. Wie erfolgreich war denn aus Ihrer Sicht die bisherige Kooperation?

Gottfried Zmeck: Wir sind zufrieden. Amazon ist kein Fernsehunternehmen, sondern sieht seine Kernkompetenz im Vertrieb. Daher waren manche anfangs skeptisch, aber wir haben in der bisherigen Zusammenarbeit gute Erfahrungen gemacht. Mit unseren Sendern Heimatkanal, Romance TV und GoldStar TV mit einer verbindenden Grundtonalität sind wir in der einzigartigen Lage, diese in einem Zielgruppenbouquet unter der Marke "Fernsehen mit Herz" zu bündeln. Das ist eine sehr interessante Ergänzung zum bisherigen Einzelvertrieb oder zur Vermarktung in großen Paketen.

"Vergleichsweise geringe Kundenzahlen können wirtschaftlich interessant sein."

kress.de: Die Geschäftspraktiken klassischer Pay-TV-Anbieter vom Schlage Sky und die Modalitäten bei den neuen Marktteilnehmern wie Netflix und Amazon unterscheiden sich aus Kundensicht, etwa bei den unkomplizierten Vertragsmodalitäten, stark. Was macht die Zusammenarbeit für einen TV-Unternehmer reizvoll?

Gottfried Zmeck: Beide Geschäftsmodelle machen Sinn und haben ihren Platz im Markt. Die Haltung von Amazon ist dabei noch strikter nachfrageorientiert. Mit dieser direkten Vermarktungsstruktur erzielt man pro Einzelabo deutlich höhere Erlöse als z.B. in einer Paketvermarktung. Daher können auch schon vergleichsweise geringe Kundenzahlen wirtschaftlich interessant sein. Aus diesem Model ergibt sich keine Verdrängungswettbewerb, sondern eine Erweiterung des Marktes mit reizvollen Perspektiven.

kress.de: Ein Test-Abo bei Amazon ist schnell abgeschlossen, aber auch schnell wieder gekündigt. Wie gehen Sie mit der Unruhe für Ihre Abo-Verwaltung und Buchhaltung um?

Gottfried Zmeck: Diese potentielle Kurzfristigkeit ist die Kehrseite der oben beschriebenen Geschäftspraxis, daher müssen wir uns bemühen, einen einmal gewonnenen Kunden mit unseren Inhalten zu überzeugen und zu halten. Die Kundenbeziehung liegt im Übrigen nicht bei uns, daher haben wir mit der Abo-Verwaltung nichts zu tun. Im Rahmen einer sinnvollen Arbeitsteilung ist in diesem Bereich Amazon viel kompetenter.

kress.de: Noch vor einiger Zeit sah die Zukunft für Ihr Angebot GoldStar TV düster aus. Inwieweit konnte sich das Musikprogramm bei Ihren digitalen Plattform-Partnern neu etablieren?

Gottfried Zmeck: GoldStar TV bleibt auch nach dem Verlust der Verbreitung über Sky eine starke Marke, die sich für die Vermarktung eignet. Das Musikgenre, das dieser Sender bedient, erfreut sich ungebrochen hoher Beliebtheit. Insbesondere im Paket "Fernsehen mit Herz" erwarten wir von GoldStar TV einen wichtigen Beitrag für die Dauerhaftigkeit der gewonnenen Abos.

"Bei Amazon geht es im Kern um Versandhandel. Mit dieser Branche sind traditionell ältere Publikumsschichten auch aus dem nicht-urbanen Umfeld bestens vertraut."

kress.de: Die allgemeine Unterstellung geht oft davon aus, dass man mit Internet-Fernsehen und Streaming vor allem die begehrten jungen Medienkonsumenten erreicht: Inwiefern mussten Sie Ihre Angebote für Amazon, Waipu und Co. "verjüngen"?

Gottfried Zmeck: Es geht weniger darum, das Angebot zu verjüngen. Es ist ja gerade unsere Stärke, sich nicht auf eine junge Nische zu beschränken, sondern das breite Publikum anzusprechen. Aber die Ansprache der potentiellen Abonnenten wie auch die Kommunikationskanäle müssen angepasst werden. Daher haben wir einen Werbespot (hier zu sehen, Anm. der Redaktion) von dem bekannten Karikaturisten Bulo entwickeln lassen, der mit seiner frischen Anmutung und Tonalität neben TV insbesondere für Social Media geeignet ist. Beim konkreten Thema Amazon ist anzumerken, dass es hier im Kern um Versandhandel geht. Mit dieser Branche sind traditionell ältere Publikumsschichten auch aus dem nicht-urbanen Umfeld bestens vertraut.

kress.de: Lange Jahre attackierte das klassische lineare Pay-TV mit attraktiven Programmangeboten die Öffentlich-Rechtlichen und das werbefinanzierte Privatfernsehen. Mittlerweile geraten nun längst etablierte Anbieter wie Sky selbst wieder stark unter Druck. Ironie der Geschichte?

Gottfried Zmeck: Mittlerweile hat sich im Fernsehmarkt eine Wettbewerbsstruktur etabliert, in der sich die Ausschläge in überschaubaren Grenzen halten. Dass Sky jetzt zu den etablierten Anbietern zählt, ist eigentlich eine positive Entwicklung. Zu diesem Status gehört nun einmal die Gefahr, selbst unter Druck zu geraten. In der bei Sky bekannten Fußballersprache würde man sagen, das ist normal.

kress.de: Gerade Sky sorgt mit großen Schaufenster-Eigenproduktionen wie "Das Boot" und "Babylon Berlin" für Wirbel auch auf dem Produzentenmarkt. Wie schwer fällt es da den etwas kleineren Pay-Anbietern, die Aufmerksamkeit beim aufgeschlossenen Publikum auch weiterhin auf sich zu ziehen?

kress.de: Diese gut gemachten Programme mit sehr hohem production-value haben zurecht hohe Aufmerksamkeit erzielt. Der enorme Aufwand seitens Sky, nicht nur in wirtschaftlicher Hinsicht, erfordert natürlich auch entsprechende Promotion. Ich kann aber behaupten, dass wir uns im Rahmen unserer Möglichkeiten in der Szene ein ganz gutes Standing erworben haben. Da sind vor allem unsere "Blaue Blume" zu nennen, der Nachwuchspreis für Produzenten im romantischen Genre, oder Eigenproduktionen wie "Kleine Sünden". Was das Publikum angeht, sehe ich das ebenfalls gelassen. Quotenmäßig können die Topprogramme von Heimatkanal und Romance TV hier durchaus mithalten.

kress.de: Einmal privat gefragt: Wie sieht denn bei Ihnen ein Fernsehabend aus und welche Geräte schalten Sie dafür ein?

Gottfried Zmeck: Flatscreen und Decoder, sowohl Kabel wie Satellit sind eingeschaltet. Hin und wieder kommt auch das iPad für mobile Nutzung durch Sky Go dazu. "Normaler" Fernsehkonsum fällt mir allerdings schwer, weil die beruflichen Kriterien der Marktbeobachtung kaum auszuschalten sind. Also: "er bringt was und warum in einem bestimmten slot, gibt es direkte Konkurrenz, wem fällt welche Gegenprogrammierung zu z.B. einem Fußballevent ein, etc. Nur selten, wie aktuell bei der in der Karibik spielenden Serie "Death in Paradise" gelingt es mir, so etwas wie privat fernzusehen.

kress.de: Wo wird – wenn es nach Ihnen geht und Ihnen das Glück treu bleibt – Ihr Haus in den nächsten fünf Jahren stehen?

Gottfried Zmeck: Unsere Kernpositionierung auf lokale Inhalte sehe ich auch langfristig als stabile Bestandteile des Pay TV, sie gehören eigentlich zur DNA des deutschen Fernsehens. Der non-lineare Anteil wird wachsen, ebenso die Vielfalt der Plattformen und Vermarktungsstrukturen. Dem muss man sich anpassen und eine bestimmte Lernfähigkeit bewahren. Damit ist behutsames Wachstum weiterhin möglich, und die Mainstream Media AG wird sich auch in fünf Jahres als wirtschaftlich solides mittelständisches Unternehmen präsentieren.

"Gerade in der Medienwelt ist man laufend der Gefahr eines Mangels an Bescheidenheit ausgesetzt."

kress.de: Unternehmerische Beweglichkeit und Frische setzen voraus, dass man seinen Kopf auch immer wieder freibekommt: Wo tanken Sie privat Ihre Kraftreserven auf und was davon kann man Unternehmerpersönlichkeiten empfehlen?

Gottfried Zmeck: Bewegung an der frischen Luft, in dieser Jahreszeit naheliegenderweise Skifahren. In geistiger Hinsicht entspanne ich bei Klassischer Musik, insbesondere Oper. Gerade in der Medienwelt ist man laufend der Gefahr eines Mangels an Bescheidenheit ausgesetzt. Daher halte ich die bewusste Begegnung mit branchenfremden Menschen und Bereichen für wichtig. Sie erweitern das Blickfeld und bringen das eigene Handeln in eine vernünftige Relation. Und so banal das klingen mag: gutes Essen und guter Schlaf. Dafür möge jeder eigene Rezepte haben.

kress.de: Sie führen ein "kressköpfe"-Profil. Wie wichtig ist das Netzwerken für Sie?

Gottfried Zmeck: Kaum ein Geschäft ist in so hohem Maße "People’s Business" wie die Medienbranche. Daher ist es wichtig, mit Geschäftspartnern, aber auch Wettbewerbern, den Kontakt zu pflegen. Dazu gehört in einer bestimmten Dosierung auch die eigene Präsenz, wie u.a. auf "kressköpfe".

kress.de: Welche Neuigkeiten und beruflichen Inspirationen ziehen Sie aus Ihrer Lektüre von kress.de und "kress pro"?

Gottfried Zmeck: kress.de gehört zur Standardlektüre. Informativ, ohne bias und glaubwürdig. Mit großem Interesse lese ich über aktuelle Personalrochaden oder die Beurteilung neuer Programme. Bei "kress pro" schätze ich die Interviews, aus denen man tatsächlich die eine oder andere Inspiration gewinnen kann.

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