Miriram Meckel: Teilzeit in der Geschäftsführung

 

Miriam Meckel ist bei der Handelsblatt Media Group aufgestiegen. Parallel arbeitet sie wieder als Professorin in St. Gallen. Dies geht aus gemeinsamen Recherchen von "kress pro" und dem "Wirtschaftsjournalist" hervor. 

Ende Oktober verkündete die Handelsblatt Media Group einen Umbau ihrer Chefetage. Finanzchef Ingo Rieper verlässt das Haus, im ersten Quartal 2019 folgt ihm Medienmanager Oliver Voigt nach, der derzeit die Mediengruppe Österreich führt und zuvor bei Gruner  + Jahr verschiedene Führungspositionen innehatte (u.  a. als Chef des Polengeschäfts). Nach dem Abgang von Gabor Steingart im Frühjahr wollte man in Düsseldorf die Geschäftsführung offenbar mit einem erfahrenen Mann verstärken.

Zusätzlich gab das Unternehmen bekannt, dass "Wirtschaftswoche"-Herausgeberin Miriam Meckel sowie die Chefredakteure Beat Balzli ("Wirtschaftswoche") und Sven Afhüppe ("Handelsblatt") zum Jahresbeginn assoziierte Mitglieder der Geschäftsführung werden (kress.de berichtete). Zum gleichen Zeitpunkt gibt Miriam Meckel ihre Rolle als Herausgeberin ab, um sich künftig als Gründungsverlegerin um den "langfristigen Aufbau von Ada, der neuen Plattform für das digitale Leben und die Wirtschaft, zu kümmern", hieß es.

Damit endet eines der gewagtesten Experimente im deutschen Wirtschaftsjournalismus. Mitte 2014 hatten Gabor Steingart und Verleger Dieter von Holtzbrinck die Professorin völlig überraschend zur Chefredakteurin der "Wirtschaftswoche" ("Wiwo") gemacht. Steingarts Manöver hatte damals zwei Stoßrichtungen. Er entschied einen Machtkampf mit "Wiwo"-Chef Roland Tichy für sich und erhoffte sich zugleich neue Impulse für die Traditionsmarke.

Bereits damals sorgte im Haus für Befremden, dass Meckel für ihre Aufgabe selbst nicht ins Risiko ging, sondern sich für das berufliche Abenteuer an der Universität St. Gallen für drei Jahre bis Ende 2017 beurlauben ließ. Schon ein Jahr früher, Ende 2016, verkündete sie jedoch den Abschied als Chefredakteurin und wurde zur Herausgeberin des Blattes hochgelobt, um sich um die "strategische Entwicklung der Marke" zu kümmern.

Als Seiteneinsteigerin setzte Meckel tatsächlich neue Impulse. Wirtschaftlich war ihr Kurs jedoch nicht von Erfolg gekrönt. In ihrer zweijährigen Amtszeit als Chefredakteurin büßte das Heft (zwischen dem vierten Quartal 2014 und dem vierten Quartal 2016) trotz steigender Digitalverkäufe mehr als 10 Prozent der hart verkauften Auflage (aus Abo und Einzelverkauf) ein. Auch wenn die "Wiwo" sich in einem schwierigen Markt bewegt, waren die Verluste rund doppelt so hoch wie bei "Manager Magazin" und "Capital", die am ehesten mit dem Titel aus Düsseldorf vergleichbar sind. Im vergangenen Jahr galt die "Wiwo" als das Sorgenkind der Handelsblatt Media Group. Auch in diesem Jahr soll das Blatt von Herausgeberin Miriam Meckel tief in den roten Zahlen stecken.

Doppelfunktion von Meckel

Künftig ist Meckel nicht mehr für die "Wiwo" verantwortlich, sondern Gründungsverlegerin von Ada und Mitglied der Geschäftsführung. Was in der Pressemitteilung des Unternehmens ausgespart wird: Meckel ist bereits im Frühjahr 2018 an die Universität St. Gallen zurückgekehrt. Nach Auskunft der Hochschule hat sie dort ein 50-Prozent-Pensum als Direktorin des Instituts für Kommunikations- und Medienmanagement. Verleger Dieter von Holtzbrinck teilt zur Berufung der Professorin in die Geschäftsleitung mit: "Ich danke Miriam Meckel, dass sie eine Bildungsinitiative ins Leben gerufen hat, die sich dem Verstehenlernen der digitalen Welt tiefgründig widmen wird." Das klingt nicht, als müsse Miriam Meckel mit Ada künftig Geld verdienen. Für Beat Balzli und Sven Afhüppe gilt das sicher nicht. 

kress.de-Tipp! Der Beitrag von Chefredakteur Markus Wiegand ist in der "kress pro"-Ausgabe 9/2018. Diesen weiteren Themen erwarten Sie auf den insgesamt 108 Seiten. Das Heft kann in unserem Shop als E-Paper oder gedruckt gekauft werden - und ist auch im iKiosk erhältlich. Per E-Mail kann es unter vertrieb(at)oberauer.com bestellt werden. "kress pro" - das Magazin für Führungskräfte bei Medien - erscheint wie kress.de im Medienfachverlag Oberauer. "kress pro"-Chefredakteur ist Markus Wiegand, Herausgeber Johann Oberauer. Zum "kress pro"-Abo.

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