Spiegel-Betrugsaffäre: Brigitte Fehrle, Stefan Weigel und Clemens Hoeges bilden Aufklärungsgremium

20.12.2018
 

Als Reaktion auf den Fall Relotius berufen Chefredaktion und Geschäftsführung des "Spiegel" eine Kommission aus drei erfahrenen Journalisten. Sie sollen die Routinen im Haus und das Versagen der Sicherungssysteme überprüfen.

Brigitte Fehrle, Stefan Weigel und Clemens Hoeges werden die Vorgänge im Fall Relotius untersuchen und öffentlich dokumentieren.

Die Kommission werde sich zu Jahresbeginn konstituieren und vom Tagesgeschäft unabhängig den Fragen rund um den Fall Relotius nachgehen können, heißt es beim Spiegel.

Hintergrund: Der Autor Claas Relotius hatte Geschichten gefälscht und Protagonisten erfunden, dabei auch Kollegen getäuscht und die Sicherungssysteme des Hauses überlistet (kress.de berichtete). Wie genau ihm dies gelungen ist und was daraus an Veränderungen in Organisation und anderen Bereichen zu folgern ist - dies wird das Mandat der Kommission sein.

Beim Spiegel heißt es: "Schon nach den ersten Recherchen der vergangenen Tage steht fest, dass viele Verdachtsmomente gegen Claas Relotius nur schwer überprüfbar sein werden und die Aufarbeitung mit den Publikationen in dieser Woche erst begonnen hat. Es gibt viele konkrete Fragen für die künftige Arbeit und die Verantwortlichkeiten - der Spiegel ist den Worten Rudolf Augsteins verpflichtet: Sagen, was ist. Das ist auch der Anspruch bei der Aufklärung im Fall Relotius. In allen Veröffentlichungen Verlässlichkeit und Genauigkeit anzustreben, in der Analyse wie in der Reportage, in der Nachricht wie im Kommentar, ist verbunden mit der grundlegenden Glaubwürdigkeit das höchste Gut des Hauses. Der Fall legt offen, dass diesen Ansprüchen nicht genüge getan wurde und wo womöglich die Schwächen und Grenzen der Sicherungssysteme sind."

Die Kommission soll mindestens ein halbes Jahr lang tätig sein. Die Erkenntnisse und Empfehlungen der Kommission sollen öffentlich dokumentiert werden.

Verlag und Chefredaktion des "Spiegel" wollen den Prozess "nach allen Kräften unterstützen" und mit der Kommission entscheiden, wie mit den Erkenntnissen und Empfehlungen umzugehen ist. Dafür soll die Kommission Zugang zu allen relevanten Materialien und Informationen bekommen, "die nach journalistischen und rechtlichen Maßstäben zur Verfügung zu stellen sind".

Die von Relotius verfassten Artikel sollen auch bis zu einer weitgehenden Klärung der Vorwürfe unverändert, aber mit einem Hinweis versehen, im Archiv beleiben. Das Archiv ist online zugänglich, auch um Nachforschungen zu ermöglichen. 

kress.de-Tipp! Lesen Sie zum Fall Relotius auch die Kolumne von Paul-Josef Raue: Kein Fehler im System, aber ein Fiasko der Qualitätssicherung.

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Ihre Kommentare
Kopf

Lothar G. Kopp

05.01.2019
!

Haltung und Meinung sind zwei paar Schuhe.
Es war Haltung zeigen, die direkt zu Claas Relotius führte.
Nicht Haltung ist gefragt, sondern faktentreue Berichterstattung.
Für alles andere ist der Kommentar da.


Journalisten sind nicht die besseren menschen. Aber wenn sie sich zu Missionaren degradieren, dann sollten ernsthafte Debatten über Sinn und Zweck des Journalismus auf der Tagesordnung stehen.

Manchmal reinigen solche Gewitter die Luft.


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