Wir fragen unsere Köpfe: Warum Katarzyna Mol-Wolf zum leidenschaftlichen Medien-Unternehmertum rät

 

Vorzeigegast auf zahlreichem Medienkonferenzen und eine passionierte Netzwerkerin: Inspiring Network-Gründerin Katarzyna Mol-Wolf erzählt im "kressköpfe"-Interview, wie sie auch nach neun Jahren die Unternehmer-"Emotion" hoch hält.

kress.de: Frau Mol-Wolf, Ihr Schritt von der angestellten Gruner + Jahr-Managerin zur eigenen Zeitschriften-Unternehmerin liegt nun schon neun Jahre zurück. Wie oft müssen Sie sich kneifen, wenn Sie an Ihren anfänglichen Mut und das Erreichte zurückdenken?

Katarzyna Mol-Wolf: Ich muss mich eher kneifen, wie schnell die neun Jahre seit dem Schritt vergangen sind. Wo ist nur die Zeit hin? Wir haben seitdem so viel gemacht, so viel auf die Beine gestellt und - wenn wir dem Feedback unserer Leserinnen glauben dürfen - auch so viel bewegt, dass ich kaum glauben kann, dass es wirklich schon neun Jahre sind. Mir kommt es vor, als hätten wir gestern begonnen.

"Sichere Zeiten gibt es nirgends. Weder im Konzern, noch im mittelständischen Unternehmen."

kress.de: Haben Sie Ihren Schritt ins Unternehmertum jemals bereut: Oder trauern Sie den vermeintlich sicheren Zeiten im Großverlag gelegentlich noch nach?

Katarzyna Mol-Wolf: Zwei mal ein klares NEIN! Ich bin nach wie vor sehr dankbar, dass mich damals die Finanz-Krise dazu gebracht hat mir selbst die Frage zu stellen, wer ich sein will. Denn so wurde mir schnell klar, dass ich auf jeden Fall selbst unternehmerisch tätig sein möchte: d.h. mit dem vollem Risiko der Selbständigkeit, aber dafür in unternehmerischer Freiheit, das zu tun, wovon ich überzeugt bin.
Sichere Zeiten gibt es nirgends. Weder im Konzern, noch im mittelständischen Unternehmen. Die Zeiten sind herausfordernd, das macht die Aufgabe gerade aber umso spannender. Denn jeder kann alles schaffen - Digitalisierung und Internet sei Dank.

kress.de: Sie haben Ihr eigenes Haus recht programmatisch "Inspiring Network" genannt. Wo und wie lassen Sie sich jeweils aufs Neue inspirieren?

Katarzyna Mol-Wolf: Durch die Menschen, denen ich über meinen Job begegnen darf. Über Medien, Social Media, in meinen Netzwerken, auf Konferenzen. Vor allem aber in persönlichen Gesprächen mit Menschen, die ihren Weg gehen und ihre Visionen umsetzen. Oder sich für etwas einsetzen.

"Wir mussten ein Haus bauen, während um uns herum zahlreiche Hochhäuser eingestürzt sind."

kress.de: Zu Ihren früheren Gruner + Jahr-Aufgaben dürfte als Unternehmerin viel hinzugekommen sein. Was waren beim Aufbau Ihres Verlags die größten Herausforderungen?

Katarzyna Mol-Wolf: Wir mussten ein Haus bauen, während um uns herum zahlreiche Hochhäuser eingestürzt sind. So in etwa kam es mir vor, in einer Branche, deren Ertragssäulen - über Jahrzehnte bewährt - plötzlich erodierten. Die Herausforderung ist, das eigene Unternehmen bereit zu machen, um auf schnelle Marktveränderungen stets flexibel reagieren zu können. Eine Herausforderung ist es auch, bei all den Aufgaben, die bei der Aufbauarbeit zu erledigen sind, stets die richtigen Prioritäten zu setzen.

kress.de: Sie halten Ihre Mitarbeiter dazu an, selbst unternehmerisch zu denken – auch in den Redaktionen. Welche Art von Kollegen passen am besten zu Ihnen?

Katarzyna Mol-Wolf: Neugierige und engagierte Menschen, die gerne selbstwirksam arbeiten und unternehmerisch denken. Die flexible Strukturen bevorzugen, nicht hierarchisch getrieben sind und etwas mit ihrem Tun bewegen wollen.

kress.de: Nach dem Rückzug von Anke Rippert aus der Geschäftsführung sind Sie nun strategisch und unternehmerisch wieder stärker auf sich allein gestellt. Wie teilen Sie die Energien für Ihre Aufgaben ein?

Katarzyna Mol-Wolf: Prioritäten setzen. Zwischendurch auch Zeit zwischen Terminen einplanen, um auch strategisch denken zu können und sich nicht im operativen Geschäft zu verlieren. Leichter gesagt, als getan. Aber die Übung macht ́s ;-)

kress.de: Aus der Kernzelle „Emotion“ heraus ist Ihr Haus zuletzt stark gewachsen – auch ins Corporate-Publishing und ins Beratungs- und Veranstaltungsgeschäft. Wo sehen Sie die größten Wachstumschancen und warum ist das so?

Katarzyna Mol-Wolf: Es gibt noch so viel, was wir auf der Agenda haben: ​Ausbau unserer marktführenden Position als Frauenverlag zu DEM führenden Frauen-Netzwerk Emotion Women's Network, unser Agenturgeschäft im Bereich Content Marketing & Social Media Marketing, CP weiter ausbauen, "Hohe Luft"-Magazin nach dem diesjährigen Break-even zum soliden Ergebnisbringer weiterentwickeln.

kress.de: Wo wird – wenn es nach Ihnen geht und Ihnen das Glück treu bleibt – Ihr Haus am Ende der nächsten neun Jahre stehen?

Katarzyna Mol-Wolf: "Emotion" wird als Emotion Women's Network die führende Marke sein, die Frauen über alle Medienkanäle begleitet und inspiriert. "Hohe Luft" wird sich auch im Digitalen etabliert haben. 50 Prozent unseres Ergebnisses werden wir aus dem Network-Bereich erwirtschaften (Digital/Livemarketing/CP).

kress.de: Sie vereinen in einer Person die Kreativität, die man von einer Chefredakteurin vereint, mit der Geschäftsführerin, die durch den Zahlendschungel pirschen muss. Welche Aufgaben machen Ihnen mehr Freude?

"Ich habe auch ein Faible für Zahlen entwickelt bzw. entwickeln müssen."

Katarzyna Mol-Wolf: Die kreative überwiegt. Ich liebe es, Menschen über unsere Inhalte zu inspirieren, mit unseren LeserInnen in Kontakt zu stehen und Menschen zu vernetzen. Kreative Lösungen für unsere Partner entwickeln. Und das eigene Unternehmen stets weiterentwickeln. Ich habe aber auch ein Faible für Zahlen entwickelt bzw. entwickeln müssen.

kress.de: Die Medienwelt dreht sich schnell. Wie sehen bei Ihnen der Feierabend und Phasen, in denen Sie wieder Energie tanken aus?

Katarzyna Mol-Wolf:Wann immer ich freie Zeit schaffen kann, tu ich das, um so viel wie möglich mit meiner Tochter zusammen zu sein. Ich bringe sie morgens in die Schule und abends ins Bett. Das gibt mir viel Kraft, und durch ihre Fragen lerne ich, viele Dinge anders zu denken. Familie ist mir grundsätzlich sehr wichtig. Und natürlich liebe ich es zu schreiben. Nach wie vor. Ich höre viel Musik, mache Sport. Ich tanke in kleinsten Momenten Energie auf - bei einem guten Gespräch, einem schönen Blick, einem bestimmten Musikstück. Wenn ich bei mir bin. Ich bin da nicht sehr anspruchsvoll ;-) Ich lebe das, was ich immer im Leben machen wollte. Das tankt auf.

kress.de: Sie führen ein "kressköpfe"-Profil. Wie wichtig ist das Netzwerken für Sie?

Katarzyna Mol-Wolf: Sehr wichtig. Ich schätze mein Netzwerk sehr und freue mich, dass ich so tolle Menschen zu meinem Netzwerk zählen darf. Ohne mein Netzwerk gäbe es "Emotion" heute nicht.

kress.de: Welche Neuigkeiten und beruflichen Inspirationen ziehen Sie aus Ihrer Lektüre von kress.de und "kress pro"?

Katarzyna Mol-Wolf: Ich werde auf inspirierende Menschen aufmerksam und verfolge berufliche Wege. Außerdem habe ich so das Marktgeschehen gut im Blick. 

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