Abo-Marketing: So clever setzen die Republik-Macher eine Organspenden-Statistik ein

09.01.2019
 

Der 15. Januar 2019 ist für die "Republik" der wichtigste Tag in der Geschichte des Schweizer Digitalmagazins. Denn bis dann müssen auf einen Schlag über 16.000 der Abonnenten ihr Engagement erneuern. Im Marketing greifen die "Republik"-Macher zu einem ungewöhnlichen Vergleich.

Das digitale Magazin Republik ist im vergangenen Jahr bei den Mitgliedern schnell gewachsen. Nur im Sommer brachen die Neuzugänge ein. 23.937 Verleger und Verlegerinnen haben Stand heute ein Abo. 

Bis zum 15. Januar 2019 müssen 16.000 der "Republik"-Mitglieder ihr Abo bestätigen  - alle, die beim Crowdfunding und beim Start der "Republik" an Bord kamen. Bis zum 7. Januar 2019 haben das rund 43% bereits getan. 

Warum der "Erneuerungstag" so wichtig ist: Beim Aufbau der "Republik" ist nicht nur die Zahl der Verleger und Verlegerinnen gewachsen, sondern auch das Budget. Nach laufender Rechnung kostet die "Republik" 6,5 Millionen Franken pro Jahr. Das entspricht den Einnahmen bei rund 27.000 Abonnenten. "Zwar sind wir mit 22'000 nicht weit weg davon - aber das trügt. Wir sind es nur genau eine Woche lang - bis Mitte Januar", betonen die Verantwortlichen.

Um den Worst Case "Crash" zu vermeiden, schraubt man in Zürich an diesen Parametern: Erneuerungsrate: Derzeit geht man davon aus, dass 50% bei den Crowdfundern und 65% bei den Neuverlegern an Bord bleiben. Neue Jahresmitgliedschaften: Monatlich will man im Schnitt 675 frische Abonnenten gewinnen. Dazu sollen die Kosten um rund 10% gesenkt werden - und die "Republik" will neue Investoren an Land ziehen.   

Auf welche ungewöhnliche Art und Weise die "Republik"-Crew ihre ersten 16.000 Abonnenten in diesen Tagen anspricht, dokumentieren wir im folgenden: 

Ein Jahr, Johann Oberauer,

haben wir nun gemeinsam durchlaufen. Sie als Verlegerin und Leser, wir als Ihr Expeditionsteam mit der doppelten Aufgabe:

  1. ein neues Medienmodell zu entwickeln;
  2. Ihnen jeden Morgen den neuesten Stand unseres Irrtums zu liefern.

Es war ein turbulentes Jahr. Wir hoffen, dass das Unternehmen auf dem richtigen Weg ist. Und wir Ihnen immer wieder Klarheit oder Vergnügen geliefert haben. Und von Zeit zu Zeit eine brauchbare Idee oder Irritation.

Aber nun stellt sich die Frage: Möchten Sie Ihr Abo verlängern?

Oder wollen Sie uns vergessen, verlassen, kündigen? Wir würden das sehr bedauern. Denn es wäre traurig, Ihnen das Falsche geliefert und Sie enttäuscht zu haben. Und dazu brauchen wir Sie auch im nächsten Jahr an Bord, damit das Schiff auf Kurs bleibt.

Aber wir stellen Ihnen die Frage trotzdem so schroff, weil sich Ihr Abonnement in exakt 7 Tagen verlängert, falls Sie uns nicht kündigen.

Denn wir wollen Sie nicht übers Ohr hauen.

Sondern Ihnen - wie Sie es als Verlegerin, als Leser gewohnt sind - mit der üblichen Offenheit den Grund für das Abonnementsmodell erklären:

Das Entscheidende am Abonnement ist die Automatik seiner Verlängerung. Denn diese kann den Unterschied zwischen Leben und Tod machen. Nicht nur bei einer jungen Publikation wie der Republik. Sondern auch in weit ernsteren Fällen wie bei der Organspende. Beim Psychologen Daniel Kahneman findet sich etwa folgende Statistik:

Deutschland: 12 % Organspender.

Österreich: über 99 % Organspender.

Der Unterschied ist: In Deutschland muss man aktiv bestätigen, dass man Organspenderin werden will. In Österreich muss man das aktiv ablehnen.

Deshalb ist ein Abonnementsmodell für uns überlebenswichtig. Weil schon wenige Menschen mehr oder weniger an Bord einen grossen Unterschied machen.

Aber dieses System ist nur dann fair, wenn man Ihnen die Möglichkeit gibt, die Verlängerung so einfach wie möglich zu kündigen.

Das tun wir hier erneut: Falls Sie uns verlassen wollen, klicken Sie hier.

Aber Sie können natürlich auch das Gegenteil tun: Falls Sie uns ein Jahr länger Ihr Vertrauen schenken wollen, klicken Sie hier.

Dann sind wir glücklich.

Es wäre schön, Sie auch im nächsten Jahr an Deck zu haben. Und wir werden hart daran arbeiten, Sie mit neuen Ideen, Recherchen und Irrtümern zu überraschen.

Und wir versprechen, dass wir Sie als unsere Verlegerin, unseren Verleger nicht übers Ohr hauen werden. Und Ihnen gegenüber weiter aufrichtig sind, was immer wir tun.

Mit grossem Dank für das letzte Jahr,

Ihre Crew der Republik

PS: Sollten Sie den Termin aus irgendeinem Grund verpassen, keine Sorge: Wir werden uns kulant zeigen.

PPS: Falls Sie Fragen haben, schreiben Sie unserem vorbildlich höflichen Support-Team: kontakt(at)republik.ch.

Hintergrund: Die hier vollständig wiedergegebene E-Mail ging an kress-Verleger Johann Oberauer, der auch Abonnent der "Republik" ist.

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