Burda stellt die deutsche Huffington Post ein

 

Das Nachrichtenportal Huffington Post geht in Deutschland zum 31. März offline. Das gab Geschäftsführerin Tanja zu Waldeck am Freitagvormittag bekannt. Lesen Sie hier mehr zu den Hintergründen.

Ende einer Ära in München - mit einem Paukenschlag kurz der alljährlichen Burda-Digitalkonferenz DLD, auf der Gründerin und HuffPo-Namensgeberin Arianna Huffington einst den Start des deutschen Ablegers breitenwirksam vorstellte. 

Wie nun offiziell wurde, wird die deutsche Ausgabe schon Ende März wieder eingestellt. Gestartet war die deutsche Huffington Post im Oktober 2013 im Rahmen eines kommerziellen Lizenzvertrags mit dem US-Mutterhaus Oath, das mittlerweile zu Verizon gehört. In Deutschland betrieb Burda als Lizenzpartner den Newsroom und kümmerte sich um die Monetarisierung des Angebots mit einer monatlichen Reichweite von über 8 Mio Unique User. Diese Rekord-Reichweite stelle die HuffPo erst im Dezember auf. 

Betroffen sind von der Einstellung des bei BurdaForward angesiedelten Unternehmens, das einst ehrgeizig gestartet war und das lange vom heutigen stellvertretenden "Handelsblatt"-Chefredakteur Sebastian Matthes redaktionell geführt wurde, 13 Mitarbeiter. Laut Burda werden mit ihnen jetzt "individuell Lösungen zum weiteren Verbleib bei BurdaForward" gesucht. Eine Linzenzvergabe der Huffington Post an einen anderes Medienunternehmen in Deutschland ist nicht geplant. 

"Die deutsche Huff Post hat gezeigt, dass man innerhalb kürzester Zeit ein neues Nachrichtenangebot in die Top 10 führen kann", sagt Tanja zu Waldeck, Mitglied des Executive Boards von BurdaForward und Geschäftsführerin der deutschen HuffPo, zur Einstellung. "Wir sind sehr stolz auf die Entwicklung in den vergangenen fünf Jahren. Wir danken dem gesamten Team für das große Engagement und die Leidenschaft."

In München deutet vieles darauf hin, dass Burda das Gemeinschaftsunternehmen offenbar gerne weitergeführt hätte. Immerhin hatte man dort einen geplanten Umzug der Redaktion nach Berlin konkret vorbereitet. Zuletzt hatte die HoffPo zudem Erlöse und Traffic erzielt, die so hoch lagen wie nie zuvor. Außerdem sah man in München allem Anschein nach die Notwendigkeit, erneut in den deutschen Ableger zu investieren. Es wirkt nun so, als ob die US-Partner diesen Kurs offenbar nicht mittragen wollten.

Das Mutterhaus in den USA sieht die deutsche HoffPo dem Vernehmen nach nicht als Kerngeschäft. Sie soll selbst angeblich in wirtschaftlichen Schwierigkeiten stecken. In den USA soll die Huffington Post weiter betrieben werden. Das Deutschland-Engagement betrachte man dort allerdings offenbar als Randgeschäft. 

Wie kress.de erfahren hat, sollen die Amerikaner offenbar daher vorzeitig den Linzenzvertrag rund um die deutsche Huffington Post gekündigt und von einem außerordentlichen Kündigungsrecht Gebrauch gemacht haben.

Zuletzt war noch von den konkreten Umzugsplänen der bei BurdaForward in München-Giesing angesiedelten Redaktion in die Hauptstadt zu hören. Auch die Suche nach einem neuen Chefredakteur, nachdem Sebastian Matthes im März 2018 als Rückkehrer wieder beim "Handelsblatt" anfing, hat sich nun erledigt.

Hintergrund: Die deutsche Huffington Post ging am 10. Oktober 2013 erstmalig online. Herausgeber ist der TV-Journalist Cherno Jobatey.

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Ihre Kommentare
Kopf

Hans-Werner Müller

11.01.2019
!

Meine Meinung dazu: Die Huff-Post hat sich redaktionell selbst erledigt. Provozierende Story zu Meinungen zu Politik und Politikern brachten zwar Kommentare, aber welche?
Die waren zum Teil so weit rechts (unten), tiefer ging es nicht.
Zudem hat sich Huffpost als Anti-Merkel-Plattform positioniert. Und das dürfte nicht jedem bei Burda gefallen haben.
Zudem: Die hohe User-Zahl kommt sicher auch durch die Zwangsschaltung bei AOL zustande.


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