Journalisten auf Twitter und Facebook: Warum Mathias Döpfner totale Enthaltsamkeit empfiehlt

14.01.2019
 

Mathias Döpfner äußert als Präsident des Bundesverbands Deutscher Zeitungsverleger Zweifel am Auftritt von Journalisten auf Twitter und Facebook. Er empfiehlt in einem Interview größte Zurückhaltung, wenn nicht gar totale Enthaltsamkeit.

"Haltung ist oft wichtiger als Handwerk, Weltanschauung wichtiger als Anschauung", sagt Mathias Döpfner im Gespräch mit dpa. Dem Vorstandsvorsitzenden von Axel Springer erscheint der Auftritt von Journalisten in sozialen Medien "zunehmend problematisch". Die Vorstellung, dass Medienvertreter rein privat twittern oder auf Facebook posten, sei absurd, kein Mensch könne das unterscheiden. "Ein Chefredakteur oder Redakteur ist dort keine private Person." Journalisten hätten ja eine gute Plattform, um sich auszudrücken: "Ihr Medium." Warum sollten sie ihre Erkenntnisse, Gedanken und Inhalte verschenken, um Twitter zu Exklusivnachrichten oder Kurzkommentaren verhelfen, fragt Döpfner.

Auch die jüngste Twitter-Aktion #Nazisraus in Richtung AfD sei "höchst problematisch". Der Hashtag sei ein Zeichen für die zunehmende Unfähigkeit, durch Argumente eine Partei zu entzaubern, die außer Zorn und Ressentiment nicht viel zu bieten habe. "Journalisten sollten dafür besonders sensibilisiert sein." Solche Statements förderten ein intolerantes Meinungsklima und eine intellektuelle Unfähigkeit, mit anderen Meinungen und unterschiedlichen Auffassungen weltoffen und zivilisiert umzugehen. Er habe kein Verständnis, wenn sich Journalisten damit selber stilisierten. 

Döpfner geht in dem Interview mit dpa auch mit der Printmedien-Branche hart ins Gericht: "Ich will nicht verallgemeinern, das gilt niemals für alle. Aber leider haben sich entsprechende Geisteshaltungen in ganz verschiedenen Verlagen und Redaktionen eingenistet und dazu geführt, dass es zu einer tiefen Entfremdung zwischen Leserinnen und Lesern und den journalistischen Angeboten gekommen ist." Das bedeute nicht, den Lesern nach dem Mund zu reden, aber genauer zu wissen, was wen wie interessiere.

In einem Brief an die Verleger zum neuen Jahr ermutigte Döpfner am Montag die BDZV-Mitglieder, sich 2019 auf ihre Kernaufgaben zu besinnen und sich die Glaubwürdigkeit wieder zu verdienen. "Denn nur so können wir die Populisten und Feinde der Pressefreiheit in ihre Schranken weisen. Auch nach dem Fälschungsskandal um den früheren "Spiegel"-Reporter Claas Relotius werde man sich nicht als "Lügenpresse" verunglimpfen lassen.

"Das Problem, dass einstweilen aus dem 'Sturmgeschütz der Demokratie' ein 'Luftgewehr der Fantasie' geworden ist, das muss der 'Spiegel' lösen", so Döpfner gegenüber dpa. Dafür habe das Blatt gute Chancen mit seinem neuen, unbelasteten Chefredakteur. Eine ähnliche Einstellung wie beim "Spiegel" herrsche in vielen Redaktionen und Jurys für Reporterpreise. "Haltung ist oft wichtiger als Handwerk, Weltanschauung wichtiger als Anschauung." 

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