Weniger wichtig: Facebook ist der Verlierer des Reuters-Medien-Trend-Reports 2019

 

Kam die Reue-Offensive von COO Sheryl Sandberg wie eben erst auf Burdas DLD viel zu spät? Laut dem einflussreichen Reuters Institute verlieren immer mehr Verlagsmanager die Geduld mit Facebook und wenden sich anderen Partnern zu.

Laut der Studie "Journalism, Media, and Technology Trends and Predictions 2019", der aktuellen Ausgabe des alljährlichen "Digital News Report", die Nic Newman vom Reuters Institute in Oxford als Vorschau auf die wichtigsten Medienentwicklungen des laufenden Jahres zusammengestellt hat, sieht sich Facebook mit einem massiven Akzeptanzproblem unter Verlegern konfrontiert.

Der Medienforscher hat 200 Chefredakteure, Medien-Geschäftsführer und digitale Führungspersönlichkeiten aus 29 Ländern weltweit befragt. Das Ergebnis muss Sheryl Sandberg schocken: Nur noch 43 Prozent der Befragten sagen voraus, dass Facebook als Plattform in diesem Jahr "wichtig" oder "sehr wichtig" sein wird. Apple News und YouTube befinden sich in der Prognose in etwa auf Augenhöhe mit Facebook. Sehr gute Werte fährt Google ein (87 Prozent). 

Der Bedeutungsverlust von Facebook ist einer von sechs Mega-Trends, die Nic Newman in seiner Studie, die von der Google News Initiative unterstützt wurde, herausarbeitete. Diese weiteren Entwicklungen werden die Publisher in diesem Jahr in Atem halten:

- Abo-Modelle und sogenannte "Memberships" werden in der Nachrichtenbranche 2019 bei den Verlegern höchste Priorität erhalten. 52 Prozent der Befragten bezeichnen diese Erlösmodelle als die wichtigsten, auf die man sich 2019 konzentrieren werde. Im Vergleich: Display-Werbung sehen nur 27 Prozent der Umfrageteilnehmer vorn; acht Prozent nennen Native Adverstising, sieben Prozent Spenden als Haupterlösquelle.

- Die Akzeptanz für den Gedanken, das Qualitätsjournalismus finanziell unterstützt werden muss, wächst 2019 in der Branche. Rund ein Drittel der Befragten (29 Prozent) erwarten sich nennenswerte finanzielle Hilfe durch Stiftungen und Non-Profit-Organisationen in diesem Jahr. 18 Prozent rechnen mit Unterstützung durch Technologieplattformen, 11 Prozent erwarten von den Regierungen mehr Hilfe. 29 Prozent der Verleger rechnen allerdings damit, dass sie sich auf keinerlei Unterstützung aus diesen Richtungen werden verlassen können.

- Die Sorge um die Beschäftigten nimmt zu: 61 Prozent der Verleger fürchten sich vor Burnout ihrer Mitarbeiter. Angesichts vergleichsweise schlechter Bezahlung und der hektischen Anforderungen im modernen Newsroom bereitet das Halten bestehender und Rekrutieren neuer Mitarbeiter rund drei Vierteln der Befragten Kopfschmerzen. 56 Prozent der Publisher sorgen sich um die mangelnde Diversität im Newsroom.

- Die Einsicht, dass man stark in Künstliche-Intelligenz-Lösungen investieren sollte, um die Zukunft des Journalismus abzusichern, ist bei den Verlegern stark ausgeprägt: 78 Prozent der Befragten sprechen sich dafür aus. Erhöhte Grade der Personalisierung der Inhalte sehen 73 Prozent als wichtigen Schritt, den man gehen muss.

- Audio boomt: Die große Mehrheit der Publisher (75 Prozent) gibt an, dass Hör-Inhalte, vertrieben etwa über Podcasts, ein wichtiger Bestandteil ihrer redaktionellen und kommerziellen Strategie werden. Dies betrifft auch die über Stimme zu aktivierenden Dienste wie Amazons Alexa. 

Neben den Haupttrends beschäftigt sich der "Digital News Report" auch mit dem Phänomen der abgeschlossenen Netzwerke und Communities, in die sich Hass-Rede von den großen Social-Media-Plattformen hinverlagern wird, weil sie dort schlechter zu kontrollieren und zu bekämpfen sind.

Laut Nic Newman wird im Kampf um vertrauenswürdige Inhalte zudem der Einfluss von Empfehlungen, auf die man etwas halten kann, wichtiger. Außerdem geht er davon aus, dass die sozialen Netzwerke insgesamt mehr Nutzer verlieren werden und Angebote für "Digital Detox"-Auszeiten, aber auch sogenannte "Slow Media"-Publikationen, die bewusst auf tiefen, anspruchsvollen Journalismus setzen, Zuspruch erfahren werden. 

Alles in allem: ungemütliche Zeiten für Facebook-COO Sheryl Sandberg.

kress.de-Tipp: Der gesamte Report, der auch deutsche Stimmen wie Stefan Ottlitz, den Digital-Strategen des "Spiegel", zu Wort kommen lässt, kann hier online eingesehen werden.

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