Was Philipp Welte glücklich macht

 

Angefangen hat er vor rund vier Jahrzehnten als Volontär bei der Südwest Presse, heute steuert Philipp Welte als Vorstand die wichtigsten Burda-Magazinmarken. Das Jury-Mitglied des neuen European Magazine Awards im Interview.

kress.de: Herr Welte, als Mitglied der Jury des neuen European Magazine Awards werden Sie sich schon bald mit vielen vorbildlichen Arbeiten von Kollegen und Mitbewerbern befassen. Was sind denn aus Ihrer Sicht die aktuell wichtigsten Trends, die Magazin-Macher umtreiben?

Philipp Welte: Wir Verlage sind mehr denn je das pulsierende, kreative Zentrum der gesamten Medienindustrie. Nirgendwo wird Journalismus so leidenschaftlich und auf so hohem Niveau betrieben wie in den Verlagen, und damit leisten wir Tag für Tag einen unverzichtbaren Beitrag zur Stabilität unserer pluralistischen Demokratie. Unseren Platz in der Medienwelt des 21. Jahrhunderts behaupten wir über diese journalistische Qualität und über unsere Innovationskraft. Jedes Jahr werden in Deutschland Dutzende neue Magazine auf den Markt gebracht, und gleichzeitig schaffen wir kontinuierlich neue journalistische Angebote für die digitalen Kanäle und die sozialen Netzwerke. Natürlich kommen nicht alle durch, aber diese medienübergreifende Vielfalt ist ein eindrucksvolles Zeugnis unserer ungebrochenen kreativen Kraft und unserer gewachsenen technologischen Kompetenz. Als Kopf eines Zeitschriftenverlages im Zeitalter der Digitalisierung macht mich diese Leidenschaft tatsächlich einfach glücklich.

"Mir bereitet Sorge, wie wir Verlage miteinander umgehen"

kress.de: Sie stehen an der Spitze einer großen Magazingruppe. Welche beruflichen Sorgen bringen Sie gelegentlich um den verdienten Nachtschlaf?

Philipp Welte: Ich schlafe gut, denn das Verlagsgeschäft von Burda ist kerngesund. Natürlich sind wir mit großen Herausforderungen in allen Märkten konfrontiert, aber wir haben sehr früh begonnen, auf die disruptiven Veränderungen mit einem umfangreichen Transformationsprogramm zu reagieren und können uns deshalb kraftvoll in die Zukunft bewegen. Mehr Sorge bereitet mir nach wie vor, wie wir Verlage untereinander miteinander umgehen. Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass wir den Weg in die Zukunft unserer wunderbaren Branche gemeinsam und als Einheit gehen müssen. Die überkommenen Antagonismen der Vergangenheit müssen wir endlich hinter uns lassen – durchaus auch, weil ich uns in einer gemeinschaftlichen Verantwortung für die Freiheit in unserer Gesellschaft sehe. 

"Wir machen Magazine für leidenschaftliche Menschen"

kress.de: Hinter der Diskussion um die herausfordernde Wettbewerbssituation und die wirtschaftlichen Zwänge der Medienhäuser geht manchmal die Freude am Magazin-Entwickeln und -Produzieren etwas verloren. Wenn Sie auch auf Ihren eigenen Werdegang blicken: Wie viel Sinnlichkeit steckt für Sie im Zeitschriftenmachen?

Philipp Welte: Ich kann Ihnen versichern, dass wir ungebrochen Freude daran haben, Magazine zu entwickeln und Menschen damit zu begeistern. Wir machen Magazine für leidenschaftliche Menschen, und es ist unsere Leidenschaft, diese Magazine erfolgreich zu machen. Für uns ist das Zeitschriftengeschäft nicht irgendein beliebiger Teil der Medienwelt, sondern ein sehr emotionaler, weil wir uns sehr tief in den Lebenswelten unserer Konsumenten bewegen mit einem einzigen Ziel: diese Menschen glücklich zu machen. Ich persönlich kann mir keinen schöneren Beruf vorstellen.

kress.de: Von guten Beispielen lernen: Woher beziehen Sie Inspirationen, wenn es um Magazin-Machen und eventuell sogar -Lancieren geht?

Philipp Welte: Ich habe vor bald vier Dekaden den Beruf des Journalisten gelernt, weil ich mich für Menschen interessiere. Unsere Konsumenten, die Leser und Nutzer unserer Marken, sind unsere Inspiration in allem, was wir tun. Und unser Auftrag ist es, mit unseren Produkten dazu beizutragen, dass ihre Welt zu einer besseren wird.

Der Blick nach Großbritannien lohnt sich 

kress.de: Der deutschsprachige Raum ist stolz auf seine breite Presselandschaft: Welches Nachbarland oder welche europäische Region steht für Sie für eine Magazin-Szene, von der man sich auch hierzulande etwas abschauen könnte? 

Philipp Welte: Wie Sie wissen, haben wir als Konzern vor zwei Jahren intensiv nach Großbritannien geschaut und mit Immediate Media einen großartigen Verlag übernommen. Die Kolleginnen und Kollegen verantworten wunderbare Magazine, die sich in ähnlichen Segmenten bewegen wie die Medienmarken unseres nationalen Verlagsgeschäfts. Wir sind fest davon überzeugt, dass wir viel voneinander lernen können und pflegen deshalb einen sehr guten Austausch über Märkte und Produkte.

kress.de: Immer mehr Häuser inszenieren Ihre Titel, darunter meist einflussreiche Zeitschriften, als Marken. Wie weit kann man aus Ihrer Sicht das Geschäft mit solchen Aktivitäten jenseits von Print ausdehnen?

Philipp Welte: Wir denken unsere Marken heute ganzheitlich aus der Sicht unseres Konsumenten, er ist unser unternehmerischer Imperativ, und deshalb gehen wir mit unserer Produkt- und Markenstrategie genau so weit, wie der Konsument es will. Unsere Magazine sind heute Teil einer 360-Grad-Markenwelt, in deren Mittelpunkt die Zeitschrift steht, um die herum aber eine Fülle an Produkten entsteht. Das ist Teil unserer außerordentlichen wirtschaftlichen Stabilität: Die neuen Erlösmodelle spielen bei uns im Verlagsgeschäft mittlerweile eine größere Rolle als der Anzeigenmarkt.

kress.de: Welche Erkenntnisse erhoffen Sie sich privat aus der Jury-Arbeit?

Philipp Welte: Ich freue mich darauf, mich mit den besten Arbeiten unserer Branche beschäftigen zu dürfen. Die Arbeit in der Jury ist für uns alle eine Chance zu zeigen, in was für einer wunderbaren Branche wir arbeiten und wie faszinierend es ist, diese Kreativität jeden Tag erleben zu dürfen.

kress.de-Tipp: Noch bis zum 8. Februar läuft die Einreichungsphase beim European Magazine Award. Ausgezeichnet werden die besten Magazine in Europa, darunter das "European Magazine of the Year" und der "European Newcomer of the Year". In 16 weiteren Kategorien gibt es Awards of Excellence zu gewinnen. Teilnehmen können Medienunternehmen, Servicepartner und Dienstleister. Die Preisverleihung findet während des European Newspaper Congress vom 12. bis zum 14. Mai 2019 in Wien statt. Dort werden auch der European Newspaper Award und der European Digital Publishing Award verliehen.

Die wichtigsten Informationen zum Wettbewerb finden Sie im Info-PDF.

Vertiefende Informationen zu den einzelnen Kategorien, zur Jury und zum Verfahren stehen auf unserer European Publishing Awards-Website. Die besten Cases stellen wir in der Folge in "kress pro" vor, dem Magazin für Führungskräfte bei Medien.

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