Warum Ilka Eßmüller nicht ohne Schokolade ins Bett geht

 

Die Nacht zum Tag machen: Das ist für Ilka Eßmüller, Hauptmoderatorin des "RTL Nachtjournals", Routine. Im "kressköpfe"-Interview erzählt sie, wie sie gegen Fake News, Lügenpresse-Vorwürfe und Zynismus ankämpft - und verrät, wie sie sich tröstet.

kress.de: Wie halten Sie sich eigentlich fit, um genau zu der Uhrzeit auf dem Punkt zu sein, wenn viele Zuschauer längst mit dem Gähnen kämpfen müssen?

Ilka Eßmüller: Mitternacht ist die Deadline, da bin ich topfit und top vorbereitet. Ich habe immer ausreichend Früchte im Büro und trinke gerne Kaffee. Zur Sendung hin werde ich tatsächlich immer wacher. Ansonsten hilft viel frische Luft!

kress.de: Als das Konzept hintergründiger Nachtnachrichten in Deutschland – nach US-Vorbild – eingeführt wurde, war die Skepsis zunächst groß. Warum eigentlich?

Ilka Eßmüller: Vielleicht lag das ja noch an den Testbildern, die ganz früher in der Nacht im Fernsehen liefen (lacht). In den USA haben die Menschen schon viel früher morgens oder auch spät abends den Fernseher angeschaltet und sich informiert. Diesen Infohunger um Mitternacht haben die TV-Verantwortlichen den Deutschen damals wohl nicht zugetraut. RTL hatte dann als erster Sender den Mut. Das neue Konzept kam schnell sehr gut an, und ich bin froh, dass wir bis heute bei vielen als Vorreiter wahrgenommen werden.

kress.de: Wie schwer fällt es Ihnen und einem Team, zur wirklich vorgerückten Uhrzeit den Themen des Tages noch einmal einen neuen, vertiefenden Dreh zu geben?

Ilka Eßmüller: Dieser Extra-Dreh ist ja unsere tägliche Aufgabe und Herausforderung, und das Wie ist quasi Teil unserer DNA. Wir überlegen uns so früh wie möglich, welchen Schwerpunkt wir bei einer Geschichte setzen können, welche Extra-Informationen wir liefern, wie wir ein Thema vertiefen können, so dass die Zuschauer die Knackpunkte besser verstehen oder auch mal ganz praktische Tipps bekommen. Ereignisse entwickeln sich ja auch weiter, deshalb aktualisieren wir gegebenenfalls noch in der laufenden Sendung.

"Wir haben sehr gute Autoren, die die Ereignisse 'sezieren'."

kress.de: Ist denn nicht eigentlich nach den "Tagesthemen" oder dem "heute-journal" schon alles gesagt?

Ilka Eßmüller: Auf keinen Fall! Jeder hat ja seinen eigenen Blick auf die Ereignisse und wir haben unsere eigene "Handschrift". Wir haben sehr gute Autoren, die die Ereignisse „sezieren“, die hervorragend texten und die es oft schaffen, auch komplizierte Sachverhalte pointiert und – wo möglich – mit einem Augenzwinkern auf den Punkt zu bringen. Außerdem legen wir großen Wert auf selbst-recherchierte und selbst-gedrehte Reportagen. Wir setzten damit eigene Themen – übrigens auch in unseren wiederkehrenden Rubriken. Das kommt sehr gut bei den Zuschauern an.

kress.de: Wie hektisch muss man sich die Vorbereitung Ihrer Sendungen hinter den Kulissen vorstellen? Ab einer gewissen Uhrzeit wird es doch wohl schwer sein, überhaupt noch Ansprechpartner in die Leitung oder bestenfalls sogar vor die Kamera zu kriegen?

Ilka Eßmüller: Wir werden ja 25, sind damit längst aus der Pubertät raus und haben ein sehr professionelles, routiniertes und eingespieltes Team. Unsere Tagesplanung bereitet die Themen, die uns wichtig sind, schon bestens vor. Und wenn wir nachmittags oder abends noch weitere Ideen haben oder sich Themen und Ereignisse entwickeln, sind wir so gut vernetzt, dass wir fast immer noch gute Interviewpartner finden.

kress.de: Wie groß ist ab und an die Befürchtung, Ihre Zuschauer möglicherweise mit allzu schweren Gedanken um den verdienten Nachtschlaf zu bringen?

Ilka Eßmüller: Wir haben gemerkt, dass die Zuschauer in ernsten Zeiten auch ernste Sendungen von uns erwarten. Aber wir achten auch darauf, dass wir den Tag für unsere Zuschauer und uns möglichst positiv zu beenden!

"Die schnelle Meldung bekommt man inzwischen überall."

kress.de: Vor allem die digitalen News-Ticker stehen nicht still. Wer sich informieren möchte, kann das rund um die Uhr im Netz machen. Wie kann das Fernsehen da überhaupt mithalten?

Ilka Eßmüller: Die schnelle Meldung bekommt man inzwischen überall, aber Hintergründe, Einordnung, Haltung ... dafür sind wir zuständig, das müssen und wollen wir bieten. Wir haben sehr erfahrene Reporter und Redakteure, die Informationen abwägen und Orientierung im Informations-Dschungel bieten.

kress.de: In nervösen Zeiten kommt seriöser Nachrichtenberichterstattung vermutlich noch größere Bedeutung zu. Wie sehr belastet Sie eigentlich persönlich die aufgeregte Grundstimmung im Land – etwa bei brisanten Politikfragen, Parteienzoff und Migrationsdebatte?

Ilka Eßmüller: Die belastet mich gar nicht, sondern ist eher eine Herausforderung. Gut zu recherchieren, glaubwürdig zu sein, Argumente aufzuzeigen und dann Schlüsse daraus zu ziehen – all das ist noch wichtiger geworden in unseren aufgeregten Zeiten.

kress.de: In Zeiten von Fake News und unsäglichen Lügenpresse-Vorwürfen wächst der Druck auf die Medien. Wie gehen Sie damit um?

Ilka Eßmüller: Wir müssen dagegen halten, indem wir uns nicht beirren lassen und unser Handwerk so seriös wie eh und je betreiben: gewissenhaft recherchieren, Informationen und Hintergründe sammeln, filtern, prüfen, abwägen und Folgen aufzeigen. Wir müssen Gesagtes und Nichtgesagtes, Geschehenes und Ungeschehenes einordnen und dabei auch mal eine klare Haltung zeigen. Und wir dürfen keinem Trend hinterherlaufen - das ist jetzt noch wichtiger als je zuvor.

"Nur mit positiven Meldungen füllt man leider keine Nachrichten-Sendung."

kress.de: Zyniker behaupten ja manchmal: Bad News are Good News. Wie kommt man als TV-Macher aus dieser Falle heraus?

Ilka Eßmüller: Nur mit positiven Meldungen füllt man leider tatsächlich keine Nachrichten-Sendung. Aber die Mischung macht's: Die Welt ist nicht nur schlecht, nicht nur gut. Das sollte man auch in einem Nachrichtenjournal spüren.

kress.de: Irgendwann muss ja auch mal Feierabend sein. Wie sieht Ihr Ritual nach erfolgreich abgeschlossener Sendung aus?

Ilka Eßmüller: Ich sage allen im Studio und in der Regie "Gute Nacht", räume meinen Schreibtisch in der Redaktion auf, schminke mich ab und fahre schnell nach Hause. Leider lege ich dann oft noch einen Schokoladen-Stopp in der Küche ein und gehe dann schlafen. Weil ich so früh aufstehen muss, kann ich den Tag leider nicht wie manche Kollegen gemütlicher ausklingen lassen.

kress.de: Sie führen schon länger ein "kressköpfe"-Profil. Wie wichtig ist das Netzwerken für Sie?

Ilka Eßmüller: Ich finde es sehr wichtig, sich zu vernetzen. Wir Journalisten haben ja oft mit ganz unterschiedlichen Themen zu tun. Da ist es wertvoll, völlig unterschiedliche Menschen und Ansprechpartner zu kennen. Und in Bezug auf das Netzwerken in der Branche – es ist immer gut zu wissen, was gerade so passiert, welche Entwicklungen sich abzeichnen.

kress.de: Welche Neuigkeiten und beruflichen Inspirationen ziehen Sie aus Ihrer Lektüre von kress.de und "kress pro"?

Ilka Eßmüller: kress.de gibt mir einen sehr guten täglichen Überblick, was in der Branche los ist. Wer welchen neuen Posten hat, wie andere uns Journalisten sehen, welche Themen die ganze Branche angehen. Kress pro vertieft das mit sehr interessanten Artikeln über Macher und Themen und mit Interviews. Das gefällt mir. Und auch, dass alle möglichen Genres - Print, Fernsehen, Internet, Radio, Werbung usw. - beachtet werden. Da hat man einen guten Überblick.

kress.de-TippSie arbeiten in der Medien- und Kommunikationsbranche? Dann registrieren Sie sich kostenlos auf kress.de und legen in der Personen-Datenbank "Köpfe" ein Profil an. Ihren Köpfe-Eintrag können Sie mit einem Passwort bequem selbst pflegen und aktualisieren. Mit Ihrem Profil können Sie sich auf kress.de - beispielsweise mit Kommentaren - präsentieren und sind zudem - wenn gewollt - auch im Netz leicht auffindbar. Wir als Redaktion verknüpfen die Kopf-Profile mit Personalmeldungen und präsentieren am Wochenende die populärsten Köpfe der Woche.  

Alle Neuzugänge bei den "Köpfen" finden Sie hier.

Exklusive Storys und aktuelle Personalien aus der Medien- und Kommunikationsbranche gibt es von Montag bis Freitag in unserem Newsletter "kressexpress". Kostenlos abonnieren. 

Ihre Kommentare
Kopf
Inhalt konnte nicht geladen werden.