Königsweg: Warum Zeit-Chef Rainer Esser voll auf Digital-Abos vertraut

 

Hanseatische Zurückhaltung pflegt man beim Zeit-Verlag in Hamburg, was die eigenen Geschäftszahlen angeht. Dennoch lüpft Geschäftsführer Rainer Esser gegenüber kress.de ein wenig den Deckel zur Auflagen-Strategie.

Aktuell hat mit dem radikalen Umbau von "Zeit: Hamburg" und der Bündelung der Hamburg-Lokalberichterstattung in neuer Form einen wichtigen Schritt gemacht, deren Hintergründe der Geschäftsführende Redakteur Patrik Schwarz im Interview mit kress.de erläuterte. Schwarz verantwortet bei der "Zeit" alle Auslands- und Länderausgaben, über deren Erfolg zuletzt immer wieder spekuliert worden war. Genaue Zahlen, wie viele Abonnenten die Hamburg-Ausgabe bevorzugen, hält der Verlag unter Verschluss. 

Wenn man sich in der Branche umhört, scheint sich die Regionalisierungsstrategie für die Verlagsgruppe - andere Häuser wie "SZ" oder der "Spiegel" hatten mit Regional-Ablegern vor allem in NRW kein Glück - offenbar auszuzahlen. Alleine die Integration von "Christ & Welt" brachte der "Zeit" demnach deutlich mehr als 10.000 neue Abos ein.

Die Auflage der "Zeit" in Österreich soll sich mehr als verdoppelt haben, und mit der "Zeit: Hamburg" gelingt es dem Verlag nach Branchenschätzungen seit 2014 alleine im Anzeigenbereich mehr als eine Mio Euro im Jahr zu erlösen, obwohl der Anzeigenkuchen in der Hansestadt davor als verteilt galt.

Auch auf die Digitalisierung der "Zeit" zahlt die Regionalisierung ein, denn in der Zeit-App sind alle Ausgaben von Österreich bis Hamburg verfügbar und machen damit die Digital-Abos attraktiver, für Hamburg-Liebhaber bundesweit ebenso wie für Auslands-Österreicher, die in Deutschland über ihre Heimat auf dem Laufenden bleiben wollen.

Auf Nachfrage bestätigt Zeit-Geschäftsführer Rainer Esser, dass er fest auf den Digitalkurs vertraut und sich davon viel verspricht. "Wir richten alle Kraft auf den Ausbau der Digitalabos", so Rainer Esser gegenüber kress.de, "das ist der Königsweg für jede Zeitung."

Hintergrund: Der promovierte Jurist Rainer Esser, der in München, Genf und an der University of Athens in Georgia studierte und die Deutsche Journalistenschule absolvierte, war zunächst Chefredakteur einiger juristischer Fachzeitschriften. Dann wurde er Geschäftsführer im Spotlight-Verlag, 1995 übernahm er die Geschäftsführung der "Main Post". Seit 1999 ist er Geschäftsführer des Zeit-Verlags und seit 2011 Geschäftsführer der DvH Medien GmbH. Bei den kress awards 2017 wurde er von den Lesern von kress.de und "kress pro" zum "Medienmanager des Jahres" gewählt.

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Ihre Kommentare
Kopf
René Schellbach

René Schellbach

Freier Journalist für Text - Foto - Layout

04.02.2019
!

SEO und Online sind ja wunderbar. Aber wozu das führen kann, zeigt kress hier leider ganz deutlich. Wie bei Buzzfeed kommen die Überschriften vom Fließband.
WARUM Zeit-Chef Rainer Esser voll auf Digital-Abos vertraut
Und gleich darunter „Weitere Beiträge zu diesem Thema“:
WARUM für Patrick Schwarz eine gute Zeitung…
WARUM Zeit-Chef Esser viel von Facebook lernen möchte

Fehlt nur noch: 10 GRÜNDE, WARUM Esser voll auf Digital Abos vertraut


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