Wie geht es jetzt weiter mit Football Leaks?

 

Die "Spiegel"-Rechercheure Rafael Buschmann und Michael Wulzinger im Interview mit dem neuen "Wirtschaftsjournalist", der an diesem Freitag erschienen ist.

"Wirtschaftsjournalist": Ihr Top-Informant "John" ist enttarnt, ein 30-jähriger Portugiese mit Namen Rui Pedro Gonçalves Pinto. Enttäuscht?

Rafael Buschmann: Enttäuscht bin ich nicht, weil das bedeuten würde, dass ich mich auf eine emotionale Ebene mit dem Informanten eingelassen hätte. Davon rate ich aber allen Rechercheuren dringend ab, sonst wird dieser Job zur Qual. Zudem bestand die Gefahr, dass es "John" mal treffen würde und er verhaftet werden könnte, seit Jahren. Es wurde in mehreren Ländern gegen ihn ermittelt. Er hat diese Risiken einkalkuliert, wollte aber trotzdem weitermachen und der Öffentlichkeit die schmutzigen Seiten des Fußballbusiness offenlegen. Ihn als Informanten zu verlieren, ist journalistisch schon ein riesiger Verlust, weil seine Dokumente einen herausragenden Wert haben.

"Wirtschaftsjournalist": Haben Sie noch nicht ausgewertete Daten von Rui Pinto?

Michael Wulzinger: In den vergangenen drei Jahren haben wir mehr als 70 Millionen Dokumente von Football Leaks erhalten. Selbstverständlich befinden sich in diesem riesigen Datensatz noch unzählige Geschichten, die noch nicht recherchiert und erzählt sind.

Buschmann: Es ist zudem unklar, ob nicht noch weiteres Material bei uns eingehen wird. Pinto sagt, er sei zwar der Initiator von Football Leaks, aber nicht der Einzige, der an diesem Projekt arbeitet. Und in der Tat: Wenige Tage nach seiner Verhaftung wurden uns von einem Anonymus weitere Dokumente zugespielt. Aktuell prüfen wir, ob die Daten authentisch sind.

"Wirtschaftsjournalist": Werden Sie diese weiter auswerten und veröffentlichen?

Wulzinger: Mit unserem "Spiegel"-Team, das auch in den vergangenen Jahren an den Football-Leaks-Recherchen beteiligt war, sowie mit unseren Partnern des Recherchenetzwerkes European Investigative Collaborations (EIC) arbeiten wir weiter an dem Material. Wenn wir auf Themen stoßen, die wir für relevant halten und deren Inhalt von hohem öffentlichem Interesse ist, dann werden wir diese Themen auch weiterhin veröffentlichen.

"Wirtschaftsjournalist": Ist das das Ende von "Football Leaks"?

Buschmann: Dass unser Informant sich vor der portugiesischen Justiz zu verantworten hat, bedeutet keineswegs das Ende der Berichterstattung rund um die Football Leaks. Im Gegenteil: Rui Pinto war es wichtig, seine Daten mit Journalisten zu teilen, damit die Enthüllungen auch dann fortgesetzt werden können, wenn ihm etwas passieren sollte. 

"Wirtschaftsjournalist": Unklar ist noch immer, wie Rui Pinto an die Daten gekommen ist. Die portugiesischen und ungarischen Behörden halten ihn offenbar für einen Hacker. Wie wichtig ist für den "Spiegel", auf welchem Weg Pinto zu den Daten kam?

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