Mathias Döpfner: Der Erfolg von Journalismus hängt nicht von Marktforschung und Leserdaten ab

11.02.2019
 

Axel-Springer-CEO Mathias Döpfner hat in einem Interview erneut deutliche Worte über den Zustand des Journalismus gefunden. Viele Journalisten verhielten sich zutiefst unjournalistisch. Sie schrieben für die Kollegen statt für die Leser. Wie Döpfner journalistische Qualität definiert.

"Viele Journalisten sind getrieben davon, bei den Kollegen gut anzukommen. Sie verhalten sich damit zutiefst unjournalistisch: Sie wollen das Juste Milieu ihrer eigenen Branche bedienen, anstatt nonkonformistisch die andere Seite der Medaille zu beleuchten. Man will der eigenen Crowd gefallen, und das führt zu Herdenverhalten, Mainstream-Denken, Konformismus in der journalistischen Darstellung und immer mehr auch zu Intoleranz gegenüber Freidenkern", sagt Mathias Döpfner im Interview mit der "Neuen Zürcher Zeitung".

Zuletzt hatte Döpfner im dpa-Gespräch kritisiert, dass Haltung oft wichtiger sei als Handwerk, Weltanschauung wichtiger als Anschauung: Der Auftritt von Journalisten in den sozialen Medien sei "zunehmend problematisch".

Jetzt legt der Präsident des Bundesverbands Deutscher Zeitungsverleger nach - und gibt zugleich die Richtung vor. Döpfner definiert journalistische Qualität im Interview mit der "NZZ" so: "Das Faszinosum des Zeitungsjournalismus ist, dass er mich für etwas interessiert, von dem ich vorher noch nicht wusste, dass es mich interessieren könnte. Und da sind wir an einem zentralen Punkt des Qualitätsversprechens: Jeden Tag soll für die Leser eine Horizonterweiterung stattfinden." Und wie geht das? Die Themen müssen relevant sein, die gewonnenen Erkenntnisse müssen neu sein - das Wort Zeitung leitete sich ursprünglich wohl vom Wort Nachricht ab. Und die Sprache muss eindringlich sein: also konkret, sinnlich, bildhaft. Vielleicht der beste Weg, um die Leser zu binden, ist das Lachen, der Humor. Guter Journalismus ist immer auch unterhaltsam. Und natürlich muss alles stimmen - das ist furchtbar banal. Und im digitalen wie im analogen Journalismus nicht anders. Eine gute Geschichte ist eine gute Geschichte ist eine gute Geschichte. Nur: Digital kann man sie wesentlich besser aufbereiten."

Für Döpfner hängt der Erfolg eines Verlages nicht davon ab, wie viel er über den Leser und seine Erwartunshaltung weiß: "Das wäre ein Irrglaube!", sagt Döpfner. Der Erfolg hänge davon ab, wie gut die Inhalt seien: "Wir dürfen den Kern des Journalistischen nie aus den Augen verlieren. Da nützen uns Marktforschung und Leserdaten nicht viel - im Gegenteil: Es kann sogar gefährlich sein. Wenn man zu viel über den Leser weiß, neigt man dazu, ihm nach dem Mund zu schreiben. Und das wollen die Leser ganz sicher nicht", betont Döpfner.

Und der Springer-Chef macht dem Berufsstand Mut: "Sie werden nicht arbeitslos. Ich würde sogar noch weiter gehen: Der Journalismus der Zukunft ist der beste, den es jemals gegeben hat. Multimedial aus dem Besten aller Darstellungsformen - also Text, Bild, Ton - schöpfend. Interaktiv das Wissen des Lesers einbeziehend. So ausführlich und profund wie nötig und so aktuell wie möglich. Ich glaube, eine neue Generation von Digital-Native-Journalisten steht auch für ein neues Denken. Was es nicht mehr braucht, ist Blasen-Journalismus für die Peer-Group."

Wir fragen Sie: Hat Döpfner Recht mit seiner Kritik und seiner Definition von journalistischer Qualität? Mailen Sie mir Ihre Antwort an marc.bartl(at)oberauer.com. Stichwort: Döpfner. Vielleicht möchten Sie Mathias Döpfner auch in einem Gastbeitrag auf kress.de antworten. So wie das Michael Bröcker getan hat.

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