Warum die "Zeit" mit Lesern ein Expertengremium gegründet hat

12.02.2019
 

Die "Zeit" hat jetzt einen Wirtschaftrat. Dieser soll sich einmischen, Kritik üben, Anregungen geben. Der aktuelle "Wirtschaftsjournalist" über ein Mitmachprojekt, das journalistische Gewissheiten gewollt ins Wanken bringen soll.

Wirtschaft ist in der "Zeit" traditionell ein bedeutendes Thema, aber kein Selbstläufer. Die Leser, davon ist Ressortchef Uwe Jean Heuser überzeugt, wollen für Wirtschaftsinhalte gewonnen werden, nicht nur über News, sondern vielfach über Relevanz und einen spannenden Zugang zu Themen, die ihr Leben betreffen. "Wir haben uns gefragt, wie wir näher an sie herankommen", so Heuser im aktuellen "Wirtschaftsjournalist". Gemeinsam mit der Initiative "Freunde der Zeit", einem Programm für Abonnenten, das ihnen die Teilnahme an Redaktionsbesuchen, Veranstaltungen und Seminaren ermöglicht, entstand ein neues Projekt: der Wirtschaftsrat.

Ende Juli erschien in der gedruckten Zeitung und auf ihren Onlinekanälen ein Aufruf: "Helfen Sie uns!" Darin ging es um die Arbeit im Wirtschaftsressort: Wie Themen ausgewählt und Recherchen angegangen werden, was Redakteure bewegt und wer sie sind - und ob sie den Wirklichkeiten in der Wirtschaft gerecht werden. Die ehrliche Antwort kann nur Nein lauten, das gilt für die Journalisten in der Hamburger Buceriusstraße genauso wie anderswo. Umso erwartungsvoller blickten sie dem Wirtschaftsrat entgegen: Einer Gruppe aus zwölf Leuten, die sich einmischen sollen, die ihre Eindrücke, Ideen, Erfahrungen einbringen, sich mit der Redaktion austauschen, Kritik üben und sich untereinander vernetzen. Interessierte konnten sich online über einen vorbereiteten Fragebogen bewerben. Die Resonanz war enorm: 2.568 Bewerbungen gingen ein. "Sie waren so spannend zu lesen wie ein Gesellschaftsroman", berichtet Uwe Jean Heuser. Bei der Zusammensetzung des Zwölferrats wurde darauf geachtet, dass er heterogen ist. Deshalb bringen die Räte breitestmögliche Interessen mit und nehmen unterschiedliche Perspektiven ein.

Da ist der Wirtschaftsinformatiker im Ruhestand, der Linksliberalen gegenüber skeptisch ist. Oder die Gründerin des Onlinehandels Westwing, die Arbeit und Familie (für sich und ihre Mitarbeiter) gut vereinbaren will, aber dabei an der Bürokratie verzweifelt. Der Bürgermeister, der mittelständische Unternehmen für seine Kleinstadt gewinnen will. Der Inhaber einer Autowerkstatt, der darüber grübelt, wie die Wirtschaft zu einer ausgewogenen inneren Ökonomie des Menschen beitragen kann. Der Start-up-Investor, der sich fragt, wie die Vorteile der Digitalisierung für viele nutzbar, aber nicht nur für wenige zum großen Geschäft werden. Oder die "Hausfrau aus Überzeugung", die damit hadert, dass Kindererziehung und ehrenamtliches Engagement so wenig für die Rente anerkannt werden. 

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