Warum das Einstiegsgehalt zweitrangig sein sollte

12.02.2019
 

Woran erkennt man einen schlechten Chef? Welche Fehler sollten Talente vermeiden? An welchen Defiziten arbeiten? In der Karriere-Reihe des "PR Report" gibt es Rat von renommierten PR-Profis. Was Rüdiger Maeßen, CEO von Hill+Knowlton Deutschland, sagt.

Wenn ich heute 25 Jahre alt wäre, würde ich ... 
... alles wieder genauso machen: Immer hungrig sein für Neues und sich auf die täglichen Herausforderungen einlassen und damit nicht die Ruhe verlieren. Risiken eingehen und damit auch Fehler zuzulassen, um daraus zu lernen und sie kein zweites Mal zu machen. Und: Die Erfolge im Team feiern wie sie fallen!

Nach welchen Kriterien sollte man seinen ersten Arbeitgeber auswählen?
Den ersten Arbeitgeber sollte man danach aussuchen, wo wirkliche Vielfalt an Aufgaben und Themenfeldern besteht und die größte Chance, viel zu lernen. Arbeitgeber, die bewusst in die Ausbildung ihrer Mitarbeiter investieren und spannende Themen besetzen sind eine gute Wahl für den Start. Da sollte das Einstiegsgehalt zweitrangig sein.

Der größte Fehler, den Berufsanfänger/Young Professionals in der Kommunikation machen können, ist ...
... mit wenig Neugier und Begeisterung oder Commitment für die Aufgabe zu starten und sich nicht auf die Erwartungen des Arbeitgebers und seiner Kunden einzustellen.

Ein Mitarbeiter begeistert sie, wenn ...
... er authentisch für gute und sinnstiftende Kommunikation "brennt". Mit Leidenschaft kreative, vielleicht verrückte Ideen in die Diskussion einbringt und mich überrascht. Und wenn er dann noch mit Liebe zum Detail vertrauensvolle Beziehungen zu unseren Kunden aufbaut, steht seiner Karriere nichts im Wege.

Mit Blick auf den Nachwuchs/Young Professionals: Wo/bei welchen Kompetenzen sehen Sie die größten Defizite?
Wir müssen mit Kommunikation einen messbaren Wertbeitrag für unsere Kunden leisten - wir machen Kommunikation nicht zum Selbstzweck. Daher haben fundierte Analysen und die strategische Konzeption bei H+K einen so hohen Stellenwert. Hier steuern wir bei unserem Nachwuchs durch unsere eigenen Learning- und Development-Programme nach.

Welche Kompetenzen brauchen moderne Kommunikatoren unbedingt?
Neben Agilität, Neugier und Kreativität bedarf es guter Analyse- und Dialogfähigkeit. Die heute sehr komplexen Sachverhalte richtig zu analysieren (Stichwort Smart Data), sie zu verstehen und im Dialog mit dem Kunden die richtigen Kommunikationsstrategien zu finden ist mehr denn je eine zentrale Kompetenz. 

Welche Kompetenzen haben im Vergleich zu vor zehn Jahren an Bedeutung verloren?
Für mich ist nicht erkennbar, dass bestimmte Kompetenzen an Bedeutung verloren hätten, manche mögen sich aber in der Priorität verschieben. So haben sich neue Kanäle für die Kommunikation etabliert, neue Stakeholdergruppen formiert. Aber damit einhergehend sind keine Kompetenzen gänzlich überflüssig geworden.

Welche Kompetenzen kommen in der Kommunikation niemals aus der Mode?
Projektmanagement, insbesondere vor dem Hintergrund agilerer Arbeitsweisen und Methode. Aber auch die Digitalkompetenz - aus sozialer, dialogischer, technischer und organisatorisch-struktureller Sicht.

Digitale Kompetenzen braucht heute jeder. Was heißt Digitalkompetenz eigentlich konkret?
Digitale Kompetenz ist sehr vielschichtig: Von der Erstellung und Steuerung digitaler Inhalte über die Führung des Dialoges in digitalen oder sozialen Medien bis hin zur Gestaltung und Kommunikation digitaler Geschäftsmodelle ist das potentielle Aufgabenspektrum sehr weit und die Anforderungen sehr komplex. Alle Aspekte im gleichen qualitativen Maße abzudecken zu wollen ist kaum realisierbar - eine Spezialisierung ist mehr denn je zielführend. 

Müssen moderne Kommunikationsprofis (künftig) programmieren können? 
Inzwischen sind kaum noch tiefgreifende Programmierkenntnisse notwendig, um "programmieren" zu können. Heute kann man mit einfachsten Kenntnissen Apps programmieren oder Websites bauen. Sich mit diesen Tools und Methoden auseinanderzusetzen ist eine gute Idee und trainiert analytisches- und strukturelles Arbeiten. Das sollte jeder mal gemacht haben.

Welche Aufgaben in der Kommunikation werden künftig von Maschinen/Künstlicher Intelligenz erfüllt?
Im Kommunikationsfeld von Service-Anfragen, stark standardisierten Dialogen spielen Bots heute in der internen und externen Kommunikation schon eine bedeutende Rolle und werden es in Zukunft noch viel stärker tun. Die KI-unterstützte Inhaltserstellung und Inhaltskuratierung steckt aus qualitativer Sicht noch in den Kinderschuhen. Hier liegt ein großes Potential, das die Branche verändern wird - insbesondere in Bezug auf Echtzeit-Kommunikation.

Eine Fähigkeit, die ein moderner Kommunikator unbedingt braucht, aber an der Universität nicht lernt: 
Neugier und Passion für Kommunikation. Dafür unbedingt praktische Erfahrung sammeln: Unternehmen und Agenturen über Praktika kennenlernen, um mehr über Arbeitsweisen zu lernen und die enorme Vielfalt in den Aufgabenstellungen für sich zu entdecken.

Einen schlechten Chef erkennt man an ...
... fehlender Anerkennung und Wertschätzung für die tägliche Arbeit und ein geringes Interesse an den konkreten Aufgabenstellungen. Wenn der Chef dann noch ständig seine Meinung ändert und damit Entscheidungen und Arbeitsabläufe "über Bord" wirft, sollte man sich überlegen, ob nicht ein Wechsel besser ist. 

kress.de-Tipp: Die aktuelle Ausgabe des "PR Report" ist in unserem neu gestaltenen Shop als E-Paper und gedruckt erhältlich. Ein Abo können Sie dort auch abschließen. Der "PR Report" erscheint wie kress.de im Medienfachverlag Oberauer. Chefredakteur ist Daniel Neuen.  

Exklusive Storys und aktuelle Personalien aus der Medien- und Kommunikationsbranche gibt es von Montag bis Freitag in unserem Newsletter "kressexpress". Kostenlos abonnieren.

Ihre Kommentare
Kopf
Inhalt konnte nicht geladen werden.