So gründen Sie als Medienmacher erfolgreich

13.02.2019
 

Ein Medienprojekt selbstverantwortlich zu gründen, ist heute leichter denn je. Doch wer es ernst meint mit der Selbständigkeit, sollte nicht blauäugig darangehen. Pauline Tillmann hat für das "medium magazin" die "Journalisten-Werkstatt: Erfolgreich gründen - Das 1x1 für Medienmacher" gemacht. 

Vor einigen Jahren kam der Begriff des "Unternehmerjournalismus" in Deutschland zum ersten Mal auf. Damit versteht man nichts anderes, als dass ein Journalist mitdenkt, wo das Geld für seine Arbeit herkommt. Ist deshalb jeder Journalist ein Unternehmer? Wenn man frei arbeitet, muss man das sicher mehr sein, als wenn man fest angestellt ist. Schließlich muss man seine Ausgaben und Einnahmen im Blick behalten, Themenvorschläge pitchen und Marketing in eigener Sache betreiben. Deshalb ist diese Journalistenwerkstatt nicht nur für Gründer interessant. Sowohl freie Journalisten als auch langjährige Redakteure können interessante Anregungen bekommen, wenn es darum geht, den wöchentlichen Newsletter zu optimieren oder den neuesten Podcast zu monetarisieren.

Durch die vielen spannenden Startups ist inzwischen so etwas wie ein alternatives mediales Ökosystem entstanden. Projekte wie "Krautreporter", "Perspective Daily" oder "Republik" liefern andere Artikel als die, die man bei traditionellen Medienunternehmen findet. Oftmals bedienen sie eine Nische - und können dafür Tausende Unterstützer begeistern. Davon können sich "Süddeutsche Zeitung" und Co. einiges abschauen, denn auch sie müssen es in den nächsten Jahren schaffen, ihre Leser zu einer engagierten Community zu formen, die eine nachhaltige Finanzierung sichert. Lisa Altmeier von "Crowdspondent" erzählt anhand ihres Projekts, wie das funktionieren kann.

Denn das ist, meiner Meinung nach, die neue Königsdisziplin im Journalismus - nicht die klassische Reportage, sondern Community Building. Oder anders gesagt: Dass man es schafft, Menschen an ein neuartiges Projekt zu binden und davon zu überzeugen, es dauerhaft zu unterstützen. Der Vorteil eines Medien-Startups ist: Es kann alles Mögliche ausprobieren und den Journalismus ein Stück weit neu erfinden. Der Nachteil ist: Es gibt keine bewährten Strukturen, keine treue Anhängerschaft.

Beides muss man sich erst hart erarbeiten. Und das ist gar nicht so einfach, weil es mittlerweile unzählige Player gibt, die alle um die Aufmerksamkeit der Crowd buhlen. Manche probieren es mit Podcasts, andere mit Webinaren, wieder andere mit analogen Events. Immer geht es darum, den Unterstützer auf seine Seite zu ziehen. Idealerweise gewinnt man sogar Multiplikatoren, die in ihrem Freundes- und Bekanntenkreis weitere Menschen zum Spenden animieren.

Dabei haben Gründer immer nur ein Ziel vor Augen: Sie wollen sich eines Tages mit Haut und Haar - und jeder freien Minute - ihrem Herzensprojekt widmen. Das Hauptproblem: Wirft es tatsächlich irgendwann so viel ab, dass man damit die Miete - und alles andere - bestreiten kann? Erfahrungsgemäß macht man gerade am Anfang viel ehrenamtlich, weil man für die Idee brennt. Leidenschaft kennt keinen Feierabend und im Zweifelsfall auch keine freien Wochenenden. Aber nach ein, zwei Jahren merkt man, dass die finanziellen Reserven aufgebraucht sind und die Kräfte nicht ausreichen, das Startup "nebenbei" zu machen. Also kündigen und alles auf eine Karte setzen? Unternehmer müssen immer mal wieder Risiken eingehen. Aber die meisten tun sich damit deutlich leichter, wenn sie keinen Kredit fürs Haus abbezahlen und gleichzeitig zwei Kinder durchfüttern müssen.

Deshalb beantwortet Tabea Grzeszyk von der Plattform hostwriter.org die Frage, wie man es schafft, langfristig von seiner Idee zu leben. Wichtig ist in jedem Fall, weiter zu wachsen. Deshalb berichtet Alexander von Streit, Gründungsmitglied von "Krautreporter", davon, wie sich die Gesamtstrategie der Plattform verändert hat. Bei ihrem Crowdfunding haben sie 2014 mehr als 18.000 Mitglieder gewonnen. Ein Jahr später blieb davon nur ein Drittel übrig. Inzwischen ist das Digitalmagazin wieder auf Erfolgskurs und verbucht mehr als 10.000 zahlende Nutzer.

Diese und einige andere Beispiele zeigen: In den vergangenen Jahren ist im medialen Ökosystem vieles in Bewegung geraten. Es gibt großartige Projekte, die mehr oder weniger erfolgreich neuartigen Content produzieren oder eine bestimmte Nische besetzen. Bislang halten sich die meisten Stiftungen in Deutschland vornehm zurück, wenn es um die Finanzierung dieser Projekte geht. Und auch die Forderung, dass die ÖffentlichRechtlichen etwas von ihren Gebührengeldern abgeben sollen, läuft ins Leere. Das Einzige, das den Medien-Startups in Deutschland übrig bleibt, ist, langen Atem zu bewahren und nicht vorschnell aufzugeben. In dieser Journalistenwerkstatt finden sie Anregungen, wo es noch Luft nach oben gibt - und alle anderen bekommen hoffentlich den einen oder anderen Denkanstoß.

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Sie möchten weiterlesen? Dann kaufen Sie bitte das "Medium Magazin" 6/2018, inklusive der "Journalisten-Werkstatt: Erfolgreich gründen". Das Heft ist gedruckt und digital in unserem neu gestalteten Shop erhältlich. Der hier wiedergegebene Text stammt von Pauline Tillmann, die die "Journalisten-Werkstatt: Erfolgreich gründen" gemacht hat.

Pauline Tillmann ist Autorin, Reporterin und Dozentin. Nachdem sie beim Bayerischen Rundfunk volontiert und in St. Petersburg als freie Auslandskorrespondentin gearbeitet hat, gründete sie das digitale Magazin "Deine Korrespondentin". Gemeinsam mit zehn Korrespondentinnen erzählt sie Geschichten über starke Frauen auf der ganzen Welt.

Das "medium magazin" liefert Ausgabe für Ausgabe eine spannende Werkstatt, die Ihnen in ihrer täglichen Arbeit helfen sollte. Der Ansatz: Das Wichtigste auf 16 Seiten. Mit einem Abo "medium magazin" versäumen Sie keine Werkstatt mehr. Das "medium magazin" - das Magazin für Journalisten, in dem aktuelle Branchenthemen diskutiert und beleuchtet werden - erscheint wie kress.de im Medienfachverlag Oberauer. Chefredakteurin ist Annette Milz. Sie ist auch Herausgeberin der Journalisten-Werkstätten.

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