Wenn der Roboter ran muss

 

Wie Automatisierung Redaktionen dabei hilft, effizienter, besser und produktiver zu arbeiten. Das "kress pro"-Dossier "Roboter-Journalismus" liefert Konzepte und Strategien.

Kollege Roboter hat auch in deutschen Redaktionen Platz genommen. Er schreibt Wetterberichte für Focus Online, berichtet für die Website der "Stuttgarter Zeitung" über die Feinstaubbelastung im Großraum Stuttgart und bei welt.de über Spiele der 3. Fußball-Liga.

Der "Roboterjournalismus", also die Verwandlung von strukturierten Daten in journalistische Texte durch eine Software, ist die spektakulärste Erscheinungsform von Automatisierung im Journalismus. Sie hilft Medienunternehmen dabei, Arbeitsprozesse in Redaktionen effizienter und intelligenter zu bewältigen, neue Produkte zu entwickeln und neue Wege zu ihren Kunden zu erschließen.

Die Medienwissenschaftler Mario Haim, Andreas Graefe und Hans-Bernd Brosius unterscheiden drei wichtige Anwendungsfelder beim Einsatz von Automatisierungstechniken in Redaktionen, die jeweils spezifisches Wertschöpfungspotenzial besitzen: das Erstellen von journalistischen Inhalten, das Bündeln und Platzieren dieser Inhalte sowie das Beobachten der Nutzer. Diese drei Ausprägungsformen des automatisierten Journalismus sind auch Gegenstand dieses Dossiers.

Das Beispiel Gruner + Jahr spiegelt die Vielfalt des Themas wider (Seite 4): Eva-Maria Bauch, die Geschäftsführerin von G+J Digital Products, hat das Thema fest im Auge. Ihr steht ein Stabsteam unter Leitung von Jana Behnken, Chefin des Bereichs New Products & Audience Management, zur Seite. Das Unternehmen erprobt eine ganze Reihe von einschlägigen Anwendungen, die zum Teil auf künstlicher Intelligenz (KI) beruhen. So hat G+J zum Beispiel eine Software Online-Infotexte zum Nährstoffgehalt von Lebensmitteln für "Geo Wissen" schreiben lassen und produziert mit Hilfe des Tools Wibbitz in großem Stil Videos für stern.de.

In einigen Bereichen der Branche hilft "Roboterjournalismus" Redaktionen schon heute, ihren Output zu steigern - durch zusätzliche Texte, die ansonsten nie geschrieben worden wären: Bei Focus Online erstellt zum Beispiel eine Software jeden Tag Wetterberichte für die 100 wichtigsten deutschen Städte (Seite 7) und das Leipziger Portal news.de lässt neben Fußballberichten seit August 2018 auch Artikel zu mittlerweile 70 TV-Sendungen schreiben.

Der Einsatz von "Roboterjournalismus" kann sich auch für diejenigen lohnen, denen es nicht um eine möglichst hohe Reichweite und schnelle Klicks mit geringem Aufwand geht. Das zeigt das Beispiel der Gemeinschaftsredaktion von "Stuttgarter Zeitung" und "Stuttgarter Nachrichten", die für ihr "Feinstaubradar" täglich einen Vor- und einen Nachbericht für 40 Stuttgarter Gegenden von einer Software erstellen lassen (Seite 10).

Ein anderes wichtiges Einsatzgebiet der Automatisierung ist das Bespielen journalistischer Websites und weiterer Digital-Kanäle. Der österreichische "Standard" füllt seine im Juli 2017 gestartete Website fürs deutsche Publikum mit Hilfe von Algorithmen in einem teilweise automatisierten Verfahren. Im kommenden Jahr will er es auch auf das Management der österreichischen Site ausdehnen - allerdings nicht, ohne zuvor einige Fehler ausgemerzt zu haben (Seite 8).

Redaktionen verfügen heute über eine Vielzahl von Daten und Analysetools, und diese Fülle kann selbst zum Problem werden, wenn sie die Menschen in den Redaktionen überfordert. Bei bild.de hat man auf dieses Problem mit der Entwicklung von Bots oder Alerts reagiert. Sie geben den Mitarbeitern über den Instant-Messaging-Dienst Slack knappe Handlungsempfehlungen, die auf Datenanalysen beruhen (Seite 12).

Automatisierung wirkt auch im Kleinen - das zeigt eine Umfrage unter fünf Digitalprofis, die Tools empfehlen, mit denen sie ihre Arbeit besser erledigen oder sich lästige Tätigkeiten vom Hals halten können (Seite 14).

Saim Alkan, Gründer und CEO der auf Automatisierungssoftware spezialisierten Firma AX Semantics, sieht weitere rosige Aussichten für Publisher: Sie könnten ihre Leser auch mit automatisch erstellten, auf ihre persönlichen Vorlieben zugeschnittenen Texte beglücken und so selbst kleine Zielgruppen versorgen. Oder ihre Nachrichten in fremde Sprachen übersetzen lassen und sich so ein ausländisches Publikum erschließen. Darüber denkt man beim "Spiegel" bereits nach: Er will ein mehrsprachiges Angebot starten, sobald es dank KI hochwertige maschinelle Übersetzungen von Texten gibt. 

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