Dirk Grosse: Warum es schwer für Sky wird

22.02.2019
 

Dirk Grosse war zwei Jahre lang Chef von Sky Sport News HD. Danach wechselte er als Geschäftsführer zur Fußballagentur Vida 11. Im Interview mit "kress pro" spricht Grosse über seinen neuen und alten Arbeitgeber.

"kress pro": Dirk Grosse, was machen Sie im Moment?

Dirk Grosse: Ich bin Geschäftsführer der Fußballagentur Vida 11. Wir begleiten junge Talente und deren Eltern auf dem Weg ins Profigeschäft. Daneben beraten wir Trainer in Medienfragen und – das ist unser eigentliches Kerngeschäft – vermitteln Spieler aus dem Ausland nach Deutschland und umgekehrt. Zuletzt hat unser Gründer Gerhard Poschner, der selbst Profi war, den Wechsel von Paco Alcácer zu Borussia Dortmund eingefädelt.

"kress pro": Spielerberater gelten als nicht immer einfache Spezies. Das heißt, Sie machen nun den Vereinen das Leben schwer?

Dirk Grosse: Ganz grundsätzlich gesprochen sind Spielerberater auch Geschäftspartner der Vereine. Und für Vida 11 gesprochen sage ich: Wir helfen den Vereinen, wenn wir uns gut um die Nachwuchsspieler kümmern, was wir tun. Natürlich geht es in dem Geschäft um sehr viel Geld, und wo viel Geld im Spiel ist, gibt es auch viel Gerede. Aber Fußball ist heute am Ende eine Unterhaltungsbranche, da gehören die Bad-Guyund Good-Guy-Storys auch dazu.

"Ich wollte wieder in einem kleinen Team arbeiten"

"kress pro": Sie waren mit Unterbrechung fast neun Jahre bei Sky. Warum haben Sie die Leitung von Sky Sport News HD nach relativ kurzer Zeit wieder aufgegeben?

Dirk Grosse: Mein Auftrag, den Sender vom Pay- ins Free-TV zu bringen, war erfüllt, sowohl organisatorisch als auch redaktionell. Ich stand vor meinem 50. Lebensjahr. Ich wollte etwas Neues anfangen, und vor allem wollte ich wieder in einem kleinen Team arbeiten, schnelle Entscheidungen treffen. Das geht in Konzernstrukturen eher nicht.

"kress pro": Sky hat im Wettbewerb um Sportübertragungsrechte immer mehr Konkurrenten. Wie wird sich der TV- und Streaming-Markt entwickeln?

Dirk Grosse: Ich wünsche mir, dass Sky seine führende Rolle behalten kann. Aber es wird schwer. Die deutsche TV-Kultur sowie das Nutzerverhalten sprechen momentan leider nicht dafür, dass Fußball in absehbarer Zeit für Unternehmen ein wirklich erfolgreiches Geschäftsmodell sein wird. Die Fans müssten bereit sein, etwa 40 Euro pro Monat für Bundesliga-Live-Spiele zu bezahlen. Das wäre so der Gegenwertpreis. Wenn aber dann Anbieter wie DAZN nur 10 Euro für ihr Produkt verlangen, obwohl es mindestens 30 Euro kosten müsste, wird es auch für Sky schwierig, eine höhere Zahlungsbereitschaft zu entwickeln.

"Interviews nach dem Spiel sind schon lange nicht mehr spannend"

"kress pro": Vermutlich arbeiten die Streamingdienste effizienter, auch wenn Sky durch die Zusammenlegung der Sportredaktionen im vergangenen Jahr bereits an der Optimierungsschraube gedreht hat.

Dirk Grosse: Das ist eine Erfahrung, die alle Redaktionen gemacht haben: Die Zuschauer wollen inzwischen nur noch das Live-Spiel sehen, nach dem Schlusspfiff schalten sie ab. Da geht die Zuschauerkurve wie ein Fallbeil senkrecht runter. Ich verfolge deshalb den radikalen Ansatz, die Vor- und Nachläufe im Pay TV bis auf ein notwendiges Minimum runterzufahren und diesen Content, der bei Vor- und Nachlauf entsteht, in die Social-Media-Kanäle zu schieben. Die Zeiten haben sich geändert, die Nutzung auch. Die Interviews nach dem Spiel sind schon lange nicht mehr spannend.

"kress pro": Trifft das auch auf Print- und Onlinemedien zu? Das war ja gerade die Kritik von Rummenigge und Hoeneß: Zu viel Bohei neben dem eigentlichen Spiel, zu viele Spekulationen.

Dirk Grosse: Die Idee hinter ihrer Pressekonferenz habe ich verstanden, allein die Umsetzung war mangelhaft. Man darf auch nicht alle in einen Sack stecken und mit dem Knüppel draufhauen. Natürlich muss man sich bei vielen Kollegen fragen: Was ist noch Analyse und was nur Clickbait? Aber wie schon gesagt: Fußball ist Entertainment. Welcher Sportjournalist arbeitet denn heute noch im puren Wortsinne journalistisch, von Doping-Enthüllungen oder Themen wie der Steuerhinterziehung von Cristiano Ronaldo einmal abgesehen? Das meiste dient doch nur noch dem Befeuern der Unterhaltungsmaschine Fußball. It’s Showbusiness.

kress.de-Tipp! Das Interview, das Marcus Schuster mit Dirk Grosse geführt hat, ist in "kress pro"-Ausgabe 9/2018 (November) erschienen. Sie können das Heft sowie die aktuelle Ausgabe von "kress pro" in unserem neu gestalteten Shop bestellen. Ein Abo können Sie dort auch abschließen. 

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