Möglicher Verkauf der DuMont-Zeitungen: Warum Konstantin Neven DuMont von einer Niederlage spricht

26.02.2019
 

DuMont plant offenbar, sich von ihren Regionalzeitungen zu trennen. Offiziell spricht die Mediengruppe von einer "möglichen Veräußerung von Teilen des Portfolios". Der DJV und auch Konstantin Neven DuMont, Sohn des verstorbenen Patriarchen, üben Kritik.

Der Branchendienst Horizont hat zuvor berichtet, dass die DuMont Mediengruppe plant, sich von allen Regionalzeitungen, Anzeigenblättern und zugehörigen Druckereien zu trennen. Dazu gehören der "Stadt-Anzeiger" und der "Express" aus Köln, die "Berliner Zeitung" und der "Berliner Kurier", die "Mitteldeutsche Zeitung" aus Halle sowie die Hamburger "Morgenpost".

Bei DuMont heißt es zu dem Bericht in einer Stellungnahme, derzeit würden "verschiedene Handlungsoptionen" entwickelt. "Dies beinhaltet unter anderem auch die mögliche Veräußerung von Teilen des Portfolios der Mediengruppe." Entschieden sei aber noch nichts. Es gehe darum, "die zukunftsfähige Aufstellung des Unternehmens sicherzustellen".

Die Prüfung werde mindestens bis Mitte des Jahres dauern, berichtet dpa. Dies habe der DuMont-Vorstand in einem Intraneteintrag an die Mitarbeiter geschrieben.

"Horizont" beruft sich auf Unterlagen, mit denen die Mediengruppe einen Finanzdienstleister mit der Abwicklung beauftragt haben soll. Übrig blieben dann nur die zwei Geschäftsfelder: Marketing mit Beteiligungen an verschiedenen Firmen und "Business Information" mit dem von DuMont erstellten "Bundesanzeiger" und anderen Fachmedien.

Konstantin Neven DuMont, Sohn des verstorbenen Patriarchen, kritisiert die möglichen "Pläne" des Verlagshauses: Er finde sie "sehr traurig", sagt er in einem Gespräch mit dem "Spiegel". Offensichtlich sei der Verlag zu dem Schluss gekommen, dass Regionalzeitungen kein Geschäftsmodell mehr seien. "Mir tut das sehr leid, und ich bin heilfroh, dass ich das nicht abwickeln muss." Der 49-Jährige war 2011 nach einem offenen Streit mit seinem Vater, Alfred Neven DuMont, aus dem Verlag ausgeschieden und investiert seitdem unter anderem in Immobilien.

Auch seinen vor knapp vier Jahren verstorbenen Vater kritisiert Neven DuMont: "Er hat sich an alte Geschäftsmodelle geklammert und niemand im Verlag war stark genug, um ihn zu stoppen." Die jüngere Generation der Familie habe es danach nicht mehr geschafft, das Unternehmen in die Zukunft zu wenden. "Das ist natürlich eine Niederlage."

Er selbst hatte sich gegen seinen Vater strategisch nicht durchsetzen können und habe das Unternehmen deshalb verlassen. Etwa 130 Millionen Euro in die marode "Frankfurter Rundschau" zu stecken, die der Kölner Verlag 2006 übernommen hatte, hielt Neven DuMont damals für einen Fehler.

Das Geld, so glaubt er, sei in den gut laufenden Titeln und in Zukunftsinvestments besser aufgehoben gewesen. Auch in anderen Verlegerfamilien werde die Bereitschaft auf Dauer nachlassen, das Zeitungsgeschäft aus dem Privatvermögen zu subventionieren, glaubt Neven DuMont.

Beim Deutschen Journalisten Verband sorgt man sich indes um den Medienstandort Köln: "Sollte sich das bewahrheiten, zeigt es das Systemversagen einer Branche", kommentiert DJV-NRW-Vorsitzender Frank Stach am Dienstag die "Gerüchte zum Verkauf aller DuMont-Regionalmedien".

Und weiter sagt Stach: "Unabhängige Medien und deren Vielfalt sind systemrelevant für unsere Demokratie. Hier ist die Politik dringend gefordert, ein neues Konzept zur Sicherung der Medienvielfalt auf den Weg zu bringen. Der Medienstandort in Köln und die redaktionellen Arbeitsplätze müssen erhalten bleiben. Jetzt gilt es, den Erhalt der starken Zeitungsmarken und Redaktionen in Köln sicherzustellen. Der Abschied der Medienkonzerne aus der verlegerischen Verantwortung kann aber generell nicht einfach so hingenommen werden. Die Politik muss spätestens jetzt die Privilegien der Medienhäuser auf den Prüfstand stellen. Es müssen unabhängig von Verlagen Unterstützungsstrukturen geschaffen werden, damit auch Bürger in NRW weiterhin von ihrem demokratischem Recht Gebrauch machen können, sich auch lokal und regional zu informieren."

Hintergrund: DuMont hatte seine Aktivitäten Ende 2018 in drei Geschäftsfeldern neu gebündelt. Neben dem Bereich Regionalmedien gibt es den Bereich Business Informationen, der die Aufbereitung von Daten für Unternehmen und Institutionen anbietet, sowie Marketing Technology mit Software für die Optimierung von Vertrieb und Kommunikation in Unternehmen. 2017 hatte DuMont bei einem Umsatz von 615 Millionen Euro einen Gewinn von 6,5 Millionen Euro erwirtschaftet. Die Gruppe beschäftigt gut 3900 Mitarbeiter.

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