Wie Springer die meisten Digitalabos verkauft

 

In Europa schlägt sie keiner: Im Interview mit "kress pro" gewähren die Springer-Digitalmanager Tobias Henning und Stefan Betzold Einblicke in ihre erfolgreiche Paid-Content-Strategie bei "Bild" und "Welt".

"kress pro": Es gibt im Netz viele Gratis-Inhalte bei der Konkurrenz. Was gibt es nur bei Ihnen?

Tobias Henning: Wir bieten einzigartige Inhalte und haben eine herausragende Expertise bei Sport, Unterhaltung, Politik und Ratgeberthemen. Diese Inhalte bekommt man in der Aufbereitung und dieser Tonalität als Erstes nur bei uns.

Stefan Betzold: Paid Content funktioniert aus unserer Erfahrung einfach anders. Bei unserem Freemium-Modell deklarieren wir einen Teil der Inhalte als Bezahlangebot. Durch den ständigen Kontakt mit dessen Premiuminhalten überzeugen wir die Nutzer von unseren Abos. Und rund 425.000 Bezahlkunden bei Bildplus bestätigen uns darin.

"kress pro": Führungskräfte bei Springer verkaufen das immer als großen Erfolg. Warum eigentlich? Seit mehr als fünf Jahren setzen Sie mit großem Aufwand auf Bezahlabos. Von Ihren täglichen fünf bis sechs Millionen Bild.de-Nutzern wollen aber mehr als 90 Prozent nicht bezahlen. Von den 23 Millionen Nutzern im Monat sind es sogar 98 Prozent.

Stefan Betzold: Aber Herr Wiegand, das ist doch großartig für uns. Es heißt ja nicht, dass 90 Prozent nicht bezahlen wollen, sondern dass diese auch mit den Inhalten bei Bild.de sehr zufrieden sind und immer wieder kommen. Wir haben ja zwei Erlössäulen: Zum einen die Werbevermarktung, wofür wir die Reichweite brauchen. Dazu kommt das Bezahlmodell. Und hier stehen wir erst am Anfang, weil es für überregionale Webseiten in Deutschland eigentlich erst seit rund sechs Jahren konsequenter angegangen wird. Aber vergessen Sie nicht: Wir sind ausgesprochen erfolgreich in der Werbevermarktung. Und da wollen wir uns nicht kannibalisieren. "The Times" oder "The Sun" in Großbritannien haben auf eine harte Paywall gesetzt und damit die Erlöse in der Werbevermarktung vernichtet. Wir haben gesagt: Bildplus soll für uns eine weitere Erlössäule neben der Werbevermarktung werden. Und das ist sehr erfolgreich. Bei der "New York Times" zahlen 2,5 bis 3 Prozent der Reichweite. Bei uns sind es auf Monatsbasis 1,9 Prozent. Wir sind in absoluten Zahlen weltweit die Nummer fünf der Paid-Content-Angebote. Das macht uns wahnsinnig stolz.

Tobias Henning: : Es ist ein Erfolg, da wir einerseits schon heute mit rund 10 Prozent der Daily Unique User relevante Vertriebserlöse erzielen. Das bedeutet andererseits aber auch: Das Potenzial für Wachstum ist noch enorm.

"kress pro": Welchen Erlösmix zwischen Paid Content und Vermarktung streben Sie an?

Stefan Betzold: Wir haben kein festes Ziel, weil wir nicht wissen, wie sich der Werbemarkt entwickelt. Viel entscheidender, als eine prozentuale Verteilung vorzugeben, ist doch, dass wir in beiden Märkten wachsen wollen.

"kress pro": Das wollen alle.

Stefan Betzold: Nein, viele Publisher sagen: Wir können im Werbemarkt nicht wachsen, deshalb konzentrieren wir uns auf Paid Content. Wir haben im vergangenen Jahr bei den Digital-Abonnenten um mehr als 10 Prozent zugelegt und sind parallel dazu relevant bei den Vermarktungserlösen gewachsen. Diese Entwicklung wollen wir konsequent weiter vorantreiben.

...


Sie möchten weiterlesen? Das vollständige Interview finden sie in "kress pro" Ausgabe 1/2019. Darin verraten Stefan Betzold, der als Geschäftsführer gemeinsam mit Samir Fadlallah den digitalen Verlagsbereich führt, und Tobias Henning, General Manager Premium Bildplus und Weltplus, "kresspro"-Chefredakteur Markus Wiegand, wie sie Abonnenten für die Bezahlangebote gewinnen, welche Preisschwellen funktionieren und warum sie sich von Google und Facebook endlich mehr Unterstützung für Bezahlangebote erwarten. Das Heft ist in unserem neu gestalteten Shop erhältlich. Ein Abo können Sie dort auch abschließen. Sie sind bereits Abonnent? Dann loggen Sie sich bitte unter Mein kress ein und lesen das aktuelle E-Paper.

"kress pro" - das Magazin für Führungskräfte in Medien - erscheint wie kress.de im Medienfachverlag Oberauer. Chefredakteur ist Markus Wiegand.

Exklusive Storys und aktuelle Personalien aus der Medien- und Kommunikationsbranche gibt es von Montag bis Freitag in unserem Newsletter "kressexpress". Kostenlos abonnieren.

Ihre Kommentare
Kopf
Inhalt konnte nicht geladen werden.