Fall Relotius: Wie es für Ullrich Fichtner und Matthias Geyer beim Spiegel weitergeht

20.03.2019
 

"Spiegel"-Chefredakteur Steffen Klusmann zieht aus der Betrugsaffäre um Claas Relotius personelle Konsequenzen. Ullrich Fichtner und Matthias Geyer (Foto) treten die ihnen ursprünglich zugedachten Leitungsfunktionen nicht an. Was aus Fichtner und Geyer wird.

Zur Erinnerung: "Spiegel"-Chefredakteur Steffen Klusmann hatte Ende des vergangenen Jahres angekündigt, die neuen Verträge von Ullrich Fichter (Co-Chefredakteur) und Matthias Geyer (Blattmacher) zunächst auf Eis zu legen

Klusmann schrieb damals in einem Brief an die Spiegel-Mitarbeiter, der Fall des Reporters Claas Relotius habe bei einigen "Spiegel"-Kolleginnen und Kollegen die Frage aufgeworfen, ob Ullrich Fichtner als Chefredakteur und Matthias Geyer als Blattmacher nach einem solchen "Desaster" eigentlich noch tragbar seien. "Der eine hat Claas Relotius für den Spiegel entdeckt, der andere hat ihn fest angestellt und bis zuletzt geführt."

Ullrich Fichtner und Matthias Geyer hätten ihm beide angeboten, ihre Posten zur Verfügung zu stellen, falls er das für nötig erachte, erklärte Klusmann Ende Dezember. "Wir können jetzt jeden, der enger mit Relotius zu tun hatte, zur Verantwortung ziehen, das lässt sich nach oben beliebig fortsetzen. Ich finde allerdings, Verantwortung sollte man dann übernehmen, wenn man sich etwas vorzuwerfen hat."

Klusmann "verabredete" mit Fichtner und Geyer, "dass wir ihre neuen Verträge erstmal aussetzen und ruhen lassen, bis die Kommission den Fall abschließend untersucht hat". Das ist jetzt passiert.

"Die Untersuchung der Kommission, die sich mit der Aufarbeitung des Falls Relotius beschäftigt, hat ergeben, dass Ullrich Fichtner und Matthias Geyer keine persönliche Schuld an den Betrugsfällen trifft. Gleichwohl übernehmen sie Verantwortung, um den hohen Maßstäben gerecht zu werden, die wir auch an andere anlegen, und um jegliche Zweifel an der Integrität des Spiegel auszuräumen", teilt Klusmann an diesem Mittwoch mit.

Ullrich Fichtner und Matthias Geyer seien hervorragende Journalisten. Klusmann ist daher "sehr froh, dass sie auf dem Weg zu einer gemeinsamen Redaktion weiter gestaltend mit dabei sind":

Ullrich Fichtner wird Reporter mit besonderen Aufgaben und direkt an die "Spiegel"-Chefredaktion angebunden sein. Er soll Titelgeschichten konzipieren und verfassen und im Auftrag der Chefredaktion "große Projekte" vorantreiben. 
 
Matthias Geyer gibt auch die Leitung des Ressorts Gesellschaft ab. Er arbeitet künftig als Redakteur für besondere Aufgaben; ebenfalls in direkter Linie zur Chefredaktion. Er soll sich im Auftrag von Blattmachern und Chefredaktion insbesondere um die Textqualität kümmern.

Über die Neubesetzung der vakanten Positionen (Co-Chefredakteur, Blattmacher) soll in den kommenden Wochen entschieden werden. Das Gesellschaftsressort führt bis auf Weiteres die stellvertretende Ressortleiterin Özlem Gezer.

Mehr zu den Personen: Ullrich Fichtner ist seit 2001 Reporter des "Spiegel". In den Jahren 2011/2012 war er Korrespondent  in New York, danach zwei Jahre Leiter des Ressorts "Gesellschaft" in Hamburg. Zwischen 2002 und 2010, und seit 2016 arbeitete er als Reporter mit Dienstsitz Paris. Stationen Fichtners vor seinem Eintritt in die "Spiegel"-Redaktion waren "Die Zeit", die "Frankfurter Rundschau", die Nachrichtenagentur AP und, als Volontär, die "Frankenpost" in Hof. 

Matthias Geyer, Jahrgang 1962, arbeitet seit 1989 für den "Spiegel", zunächst im Sport, später als politischer Reporter in Berlin. Seit 2006 leitet er das Ressort Gesellschaft. Ausgezeichnet wurde er unter anderem mit dem Egon-Erwin-Kisch-Preis und dem Henri-Nannen-Preis.

Exklusive Storys und aktuelle Personalien aus der Medien- und Kommunikationsbranche gibt es von Montag bis Freitag in unserem Newsletter "kressexpress". Kostenlos abonnieren.

Ihre Kommentare
Kopf
Inhalt konnte nicht geladen werden.