Kerler, Lehmann, Saharova, Mangesius: Wie sie am inoffiziellen "Wired"-Nachfolger arbeiten

21.03.2019
 

Wie können wir mit neuen Technologien und Ideen eine bessere Zukunft gestalten? Für alle, die gemeinsam Antworten finden wollen, erschaffen die bisherigen Macher der "Wired Germany" und der Tech-Konferenz DAHO.AM die Marke 1E9. Als Community mit Magazin und Events soll 1E9 zur Denkfabrik werden.

"Die Diskussionen in den sozialen Netzwerken werden aggressiver. Von Klickzahlen gestresste Newsrooms haben keine Zeit für ihre Leserschaft. Und Konferenzen fühlen sich wie Frontalunterricht in der Schule an. Gemeinsame Visionen für eine bessere Zukunft können in diesem Klima nicht entstehen", erklärt Wolfgang Kerler an. Kerler war früherer Redaktionsleiter des inzwischen von Condé Nast eingestellten Wired.de. Nun meldet er sich als Chefredakteur und Co-Founder von 1E9 zurück. Die Plattform soll zum Zuhause für Optimisten werden, die neue Technologien nicht nur als Bedrohung, sondern auch als Chance sehen. 

Die Inhalte des digitalen Magazins werden von der Redaktion gemeinsam mit der Community entwickelt. Mitglieder können ihre Fragen, Ideen und Expertise einbringen, damit Journalismus entsteht, der für sie relevant ist. "Wir wollen weg vom Einbahnstraßen-Journalismus, bei dem in der Redaktionskonferenz entschieden wird, was wichtig zu sein hat", sagt Kerler.

Statt austauschbarer News werde es hintergründige Artikel, Podcasts und Videos geben. Mitglieder der Community sollen Zugriff auf exklusiven Content erhalten.

Bei 1E9 geht es um Zukunftsfelder wie Künstliche Intelligenz, Blockchain, Mobilität, Nachhaltigkeit, Raumfahrt, Gentechnik oder Virtual Reality. Dabei sollen auch die Auswirkungen auf Gesellschaft, Politik, Kultur und Business betrachtet werden. "Es muss aber nicht immer ernst zugehen", sagt Kerler. "1E9 soll Spaß machen."

Community-Mitglieder sollen auch eigene Beiträge veröffentlichen können. Damit die Debatte konstruktiv und zielführend bleibt, erschafft 1E9 eine eigene Community-Architektur. "Die großen sozialen Medien sind meistens auf emotionale Reaktionen optimiert", sagt Krischan Lehmann, früher Digitaldirektor des Condé Nast Verlags und jetzt Co-Founder und Head of Community and Platform bei 1E9. "Das ist kein guter Nährboden für tiefergehende Gespräche. Wir wollen die Menschen wieder zusammenbringen und die Kunst des Argumentierens zurück holen."

Die neue Community soll nicht nur im virtuellen Raum entstehen. 1E9 bekommt auch eine eigene Konferenz, die am 11. Juli 2019 im Isarforum und im Deutschen Museum in München stattfindet. Das Technik- und Wissenschaftsmuseum der Welt ist Partner von 1E9. "Dort, wo Menschen die Arbeit von Werner von Siemens oder Konrad Zuse erleben, kommen bei unserer Konferenz die Pioniere unserer Zeit zusammen", sagt Herbert Mangesius, Co-Founder von 1E9 und eine der treibenden Kräfte hinter der Tech-Konferenz DAHO.AM. 

Den Besuchern der Konferenz werden neben Keynotes auch interaktive Formate, Workshops und Kunst geboten. "Die Teilnehmer gestalten das Event mit, deswegen ist die Konferenz so echt und greifbar", sagt Mangesius. 

Daria Saharova, Co-Founder von 1E9 und bisherige Co-Organisatorin der DAHO.AM, sagt: "Wir wollen, dass durch 1E9 neue Ideen, Partnerschaften und Netzwerke entstehen, die den Tech-Standort Deutschland voranbringen. Wenn durch 1E9 Projekte erschaffen werden, die die Welt besser machen", sagt Saharova, "dann haben wir unser Ziel erreicht."

Warum die Marke 1E9 heißt: In der Schreibweise, die zum Beispiel in Taschenrechnern verwendet wird, steht 1E9 für 1 mal 10 9, also für eine Milliarde. Hat eine Technologie das Leben von einer Milliarde Menschen verändert, hat sie die Welt verändert.

Offizieller Startschuss für 1E9 wird die Konferenz am 11. Juli 2019. Die Testphase des Magazins und der Community startet bereits vorher.

Mehr zu den Gründern:

Daria Saharova ist Partnerin bei Vito One und seit über zehn Jahren in der digitalen Industrie tätig. Sie hat als Investorin für Venture Capital Unternehmen gearbeitet, ihr eigenes E-Commerce-Startup gegründet und ist Mitgründerin der Munich Founders Association. Sie organisiert die Tech-Konferenz DAHO.AM mit. Als Beraterin unterstützt sie die Arbeit der Europäischen Kommission.

Wolfgang Kerler leitete zuletzt die Redaktion der deutschen "Wired". Im vergangenen Jahr arbeitete er außerdem als Reporter für "The Verge" in New York City. Davor war der ausgebildete Online-, Fernseh- und Radiojournalist Korrespondent im ARD-Hauptstadtstudio. Vor dieser Zeit in Berlin war er als investigativer Reporter für den Bayerischen Rundfunk und die ARD von München aus tätig. Kerler ist Lehrbeauftragter für Journalismus an der Technischen Hochschule Nürnberg.

Krischan Lehmann war zuletzt beim Condé Nast Verlag in München für die digitale Produktentwicklung und die Neuausrichtung der deutschen Wired verantwortlich und leitete zudem das Data & Analytics-Team. Zuvor war er als Redaktionsleiter u.a. für die Online-Redaktionen von "GQ", "Glamour" und "Vanity Fair". Mit dem Konzept eines community-getriebenen Journalismus setzt sich der studierte Sprachwissenschaftler schon seit vielen Jahren auseinander: Im Jahr 2003 war er Co-Founder von Nensch.de, einem frühen sozialen Netzwerk und einer Plattform für Bürgerjournalismus und interdisziplinären Austausch.

Herbert Mangesius ist Teil des Gründungsteams von Vito Ventures. Als Alumni des Münchner Center for Digital Technology and Management (CDTM) arbeitet er seit über zehn Jahren an digitalen Modellen. Er forschte an führenden europäischen Einrichtungen in Paris, Louvain und München an der Schnittstelle zwischen Ingenieurwissenschaften, Physik und Kybernetik. Die vergangenen zwei Jahre war er Co-Organizer der Münchner DAHO.AM.

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