So fordern Sie trotz Medienkrise erfolgreich mehr Gehalt

 

Seit Jahren keine echte Gehaltserhöhung, obwohl die Arbeit immer mehr wird: Viele Medienprofis lassen sich mit den tariflichen Erhöhungen von meist 1-2 Prozent abspeisen. Mediencoach Attila Albert über Strategien, wie Sie trotz Branchenkrise erfolgreich mehr Geld fordern können.

Mancher Journalist hat fast ein schlechtes Gewissen bei dem Gedanken: Darf man in den heutigen Zeiten überhaupt noch nach einer Gehaltserhöhung fragen? Immerhin sind die Medienhäuser seit Jahren damit beschäftigt, die Personalkosten zu senken: Austritte aus den Tarifvereinbarungen, Ausgründungen von Abteilungen, Reduzierung freiwilliger Leistungen und außertariflicher Zulagen. Wer will da wagen, nach MEHR zu fragen?

Gleichzeitig ist der Wunsch berechtigt: Die Lebenshaltungskosten steigen, aber auch die eigene Erfahrung und Routine im Job. Geschäftsleitung und Eigentümer verordnen sich selbst nur selten Sparrunden, warum soll sich da ein Journalist immer nur mit minimalen Erhöhungen zufrieden geben, von denen noch Steuern und Sozialabgaben abgehen? Doch eine Gehaltsverhandlung ist komplexer und anspruchsvoller als die reine Frage nach mehr Geld. Neben einigen strategischen Aspekten ist vor allem wichtig, Alternativen zu haben.

Hier zuerst die wichtigsten Grundregeln für eine Gehaltsverhandlung:

  • Fordern Sie frühestens 1,5 Jahre nach Abschluss des Vertrags oder der letzten Erhöhung mehr, alles andere gilt als unverschämt. Ausnahme: In Ihrem Job hat sich etwas Wesentliches geändert, z. B. mehr Verantwortung oder Mitarbeiter.

  • Sprechen Sie das Gehalt nie zwischen Tür und Angel an, z. B. nach einer Konferenz, im Fahrstuhl oder in der Kantine. Da werden Sie schnell abwimmelt. Vereinbaren Sie einen offiziellen Termin für das Gehaltsgespräch.

  • Für den gleichen Job können Sie neben der tariflichen Erhöhung von 1-2 Prozent kaum mehr erwarten. Deshalb brauchen Sie eine gute Begründung: Sie haben mehr oder besser gearbeitet als ursprünglich vereinbart.

  • Sprechen Sie grundsätzlich von einer "Gehaltsanpassung": Sie haben Ihre Leistungen ausgebaut, deshalb wollen Sie ein entsprechend höheres Gehalt. Beim Wort "Gehaltserhöhung" blocken Chefs sofort ab.

  • Argumentieren Sie nie mit Lebenshaltungskosten (Inflation, höhere Miete, Kinder). Für die Firma ist auch alles teurer geworden. Erklären Sie, welchen zusätzlichen Nutzen Sie dem Unternehmen gebracht haben.

  • Führen Sie keine Gehälter von Kollegen an ("Die anderen Ressortleiter haben auch so viel!") Fast alle Chefs ärgert es, wenn Mitarbeiter ihre Einkommen vergleichen. Argumentieren Sie nur mit Ihrer eigenen Leistung.

  • Fordern Sie mindestens 5-10 Prozent mehr, damit es sich nach Abzug von Steuern und Sozialabgaben überhaupt lohnt. Bis zu 15 Prozent sind möglich, wenn Sie z. B. Ihrer Firma viel Geld eingebracht oder gespart haben.

In fast allen Fällen wird der Chef erst einmal ablehnen: "Sie wissen ja selbst, in welcher Lage die Branche ist!" Mit dem "Nein" beginnt die Verhandlung erst, seien Sie vorbereitet: Was verdient man in Ihrer Position? Hier kann Ihnen der Gehaltstarifvertrag erste wichtige Hinweise geben, auch wenn Ihr Arbeitgeber nicht Tarif zahlt. Was haben Sie für die Firma erreicht? Stellen Sie Zahlen zusammen, wenn immer das möglich ist. Typische Beispiele, je nach Aufgabengebiet: Zahl Ihrer Titelgeschichten oder Aufmacher, gewonnene Preise, positive Entwicklung von Traffic, Abo-Abschlüssen, Umsatz oder Gewinn.

Mit Kündigung nur drohen, wenn Sie Alternativen haben

Drohen Sie dem Chef nie offen mit Kündigung, falls er Ihnen nicht mehr geben will. Diese Erpressung zerstört das Vertrauen für immer. Sagen Sie es diplomatischer. Beispiel: "Ich möchte gern im Verlag bleiben. Ich habe Freude an der Arbeit und möchte das Angefangene fortführen. Ich habe mich aber auch nach meinem Marktwert erkundigt und möchte ihn am liebsten in der eigenen Firma realisieren..." Entscheidend ist hier, dass Sie sich tatsächlich parallel nach anderen Optionen erkundigt haben und bereits Alternativen haben.

Wenn Ihr Chef weiter ablehnt oder ausweicht, könnten Sie fragen: "Wenn wir uns in einem halben oder einem Jahr wieder sprechen - was müsste bis dahin geschehen sein, damit ich eine Erhöhung bekomme?" Nennt er ein konkretes Ziel (z. B. Zahl an verkauften Abos, Traffic), haben Sie eine Chance. Weicht er aus, ist Ihr aktueller Job eine finanzielle Sackgasse, und Sie sollten sich etwas Neues suchen. Nicht selten lassen es Vorgesetzte darauf ankommen, dass ein guter Mitarbeiter geht, um erst danach mehr Geld zu bieten.

In jedem Fall sollten Sie Gehaltsgespräche vorab üben: Sie müssen darauf vorbereitet sein, zuerst ein "Nein" zu hören, einen Appell an Ihr Mitgefühl ("Wir sind gerade in einer ganz schwierigen Lage!") oder eine kühle Absage ("Sie können froh sein, dass Sie noch so viel bekommen wie derzeit"). Selbst glatte Erpressungen kommen vor: "Sie haben Kinder, Ihr Haus ist nicht abbezahlt - ich würde dankbar sein, überhaupt diesen Job zu haben."

Je mehr Sie dieses Ringen als Teil der Verhandlung begreifen, nicht als persönlichen Angriff, und mit stichhaltigen Argumenten statt mit Gefühlen antworten, desto höher Ihre Chance auf ein höheres Gehalt. Gleichzeitig sollten Sie in der Lage sein, im Notfall auch gehen zu können - also andere Karriere-Optionen haben oder eine Selbstständigkeit vorbereiten. Denn ansonsten bleibt Ihnen immer nur übrig, das zu akzeptieren, was man Ihnen gerade anbietet.

Zum Autor: Attila Albert (46) begleitet mit seiner Firma Media Dynamics seit mehreren Jahren Medienprofis bei der beruflichen und persönlichen Neuorientierung. Albert hat selbst mit 17 Jahren als Journalist zu arbeiten begonnen. Anfangs bei der "Freien Presse" in Chemnitz, eine der größten deutschen Regionalzeitungen, später insgesamt 23 Jahre bei Axel Springer, unter anderem als Textchef und für Sonderaufgaben bei der "Bild"-Bundesausgabe, danach als Autor bei der Ringier AG in Zürich. Berufsbegleitend hat er sich in den USA zum Coach ausbilden lassen sowie vorher ein dreijähriges Webentwickler-Studium absolviert.

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