Wie man in New York einen deutschen News-Dienst startet

 

Kaum eine andere Weltstadt fasziniert Medienmacher so sehr wie New York: Wie der gebürtige Münchner Erol Inanc mit der deutschsprachigen Online-Zeitung newyorkaktuell.nyc mit neuesten US-Trends punkten möchte. Zum "kressköpfe"-Interview.

kress.de: Herr Inanc, Sie wollen deutschsprachige Leser für aktuelle News, aber auch Klatsch und Tratsch sowie Lifestyle-Tipps direkt aus New York begeistern. Was macht Sie so sicher, dass es für so ein Angebot eine Lücke gibt?

Erol Inanc: Die Medien in Deutschland berichten über New York, wenn es sich auch nur irgendwie anbietet. Ein Schneesturm hier kommt in die "Tagesschau", und ein Lifestyle-Trend aus der Stadt landet schnell in den Frauenmagazinen. Die Leute wollen wissen, was hier los ist und bei "New York Aktuell" finden sie New-York-Storys kompakt auf einer einzigen Seite.

"Man kann hier jeden Tag eine Überraschung erleben, selbst wenn man schon sehr lange hier lebt."

kress.de: Sie leben und arbeiten schon länger in New York. Wie bringt man die Magie der Stadt auf eine knappe Formel?

Erol Inanc: Sowohl das enge Zusammenleben von Menschen aus den verschiedensten Ländern, von Arm und Reich als auch die Fülle von Möglichkeiten, etwas zu bewegen oder zu scheitern, und die dahintersteckende Energie machen New York faszinierend für mich. Man kann hier jeden Tag eine Überraschung erleben, selbst wenn man schon sehr lange hier lebt.

kress.de: Wie hatte denn New York einst für Sie eingenommen, um Sie selbst zu einem Geschäftsmann, aber auch zu einem Journalisten zu machen?

Erol Inanc: In meinen 20 Jahren in der Tourismusbranche war mir immer daran gelegen, den Menschen New York auf eine authentische Weise nahezubringen. Irgendwann wollte ich das auch für Leute machen, die ich nicht persönlich treffe oder die vielleicht nie die Gelegenheit haben, hierher zu kommen. So kam mir die Idee für ein journalistisches Projekt, mit dem ich mehr Menschen erreichen kann.

kress.de: Sie sind gebürtiger Münchner, leben aber schon lange in New York. Was hat Sie einst über den großen Teich gebracht?

Erol Inanc: Ich war 23, als ich 1990 das erste Mal nach New York kam und habe mich sofort in die Stadt verliebt. Das Jahr darauf kam ich wieder und habe mich in eine Frau verliebt und blieb dann hier.

"In den deutschen Medien kommt New York oft wie eine Karikatur rüber."

kress.de: Sie wollen mit Ihren News auch Vorurteilen entgegenwirken. In welche Falle tappen etwas blauäugige Fans denn am häufigsten?

Erol Inanc: In den deutschen Medien kommt New York oft wie eine Karikatur rüber. Man möchte glauben, dass es hier nur Promis und Reiche oder Elend gibt - und nichts dazwischen. Ein gutes Beispiel ist das Thema Krankenversicherung und Sozialleistungen. Ich weiß aus Erfahrung, dass die Hälfte der Menschen in Deutschland, wenn nicht  mehr, glauben, dass so etwas hier unbekannt ist. Ich schrieb dazu zwei Artikel und bekam einiges an Resonanz, wo Menschen mir mailten, dass sie bis jetzt dachten, dass es gar keine Sozialleistungen gibt und Menschen mit Krankenversicherung die Ausnahme sind. Auf der anderen Seite gibt es hier neben "Sein" auch viel "Schein", und der gutangezogene Mann oder die Frau kann am Existenzminimum leben und ein kleines Zimmer in einer WG haben. Nicht jeder ist hier, was er vorgibt zu sein.

kress.de: Sie stammen ursprünglich aus einer anderen Branche. Wie schwer ist es Ihnen gefallen, ein journalistisches Projekt an den Start zu bringen?

Erol Inanc: Das Ganze war viel mehr Arbeit, als ich mir am Anfang erträumt hatte. Das hatte ich bei weitem unterschätzt. Durchzuhalten, bis ich wirklich ein Produkt hatte, hinter dem ich stehen kann, war oft schwer.

kress.de: Was war für Sie die größte Herausforderung beim Launch von "New York Aktuell"?

Erol Inanc: Eine Herausforderung ist natürlich immer das Erreichen von Publikum. Die Resonanz übertrifft schon jetzt meine Erwartungen, aber natürlich wollen wir eine stetig wachsende Leserschaft. Wir hoffen, dass das Interview auch dazu beiträgt, dass Medienmacher in Deutschland über uns berichten. Für Fragen, Fotos oder Texte bitte an erol@newyorkaktuell.nyc mailen.

kress.de: Nach welchen Kriterien wählen Sie die Themen und Artikel aus?

Erol Inanc: Wir machen einmal pro Woche, mittwochs, unser Update. Das übergeordnete Kriterium ist für mich Abwechslung innerhalb des Updates. Ich lege Wert darauf, dass wir dann immer ein Spektrum für die Leser abdecken: Business, Lifestyle, News und Menschen. In jedem Update soll etwas von all dem vorhanden sein. Es sollen Geschichten sein, die noch nicht zu Tode geritten wurden, wie viele Thematiken, die man sonst in den Medien findet. Bei uns werden Sie keine Story über ein Model finden, das eine Casting Show gewonnen hat und nun nach New York gezogen ist, sondern eher einen Artikel wie "Alltagsprobleme- Was geht den New Yorkern am meisten auf die Nerven?".

"Was immer gerne gelesen wird, sind Beiträge über Deutsche in New York."

kress.de: Welche Art von Berichten werden aktuell denn am meisten abgerufen?

Erol Inanc: Mich überrascht, wie vielseitig das Interesse der Leser ist. Zwei erfolgreiche Geschichten waren zum Beispiel "Taxen – ein Milliardengeschäft im Umbruch", eine Business-Story. Und "Die Nacht, als Nazi Spione mit dem U-Boot nach New York kamen", etwas Geschichtliches. Was immer gerne gelesen wird, sind Beiträge über Deutsche in New York, wie zum Beispiel unser Porträt des Concierge Günter Kleemann, der New York wie seine Westentasche kennt.

kress.de: Wie haben Sie denn Ihren Kontaktkreis an Journalisten, Fotografen und anderen Mitarbeitern aufgebaut?

Erol Inanc: Das war nicht so schwierig, da ich mir Zeit lassen konnte und es in New York unheimlich viele gute und talentierte Leute gab. Manche fand ich im Freundes- und Bekanntenkreis und andere durch Netzwerke aus dem Internet.

kress.de: Die Seite ist kostenfrei. Dass sie einige geschäftliche Angebote verlinken, ist nicht zu übersehen. Wie finanzieren Sie Ihr Vorhaben?

Erol Inanc: Im Moment ist "New York Aktuell" zum Großteil selbst finanziert. Wir wollen keine herkömmliche Werbung schalten, sondern mit Partnern zusammenarbeiten, die hochwertige Leistungen anbieten, die für das deutsche Publikum interessant sind. Einige wie "Heiraten in New York" oder "Individuelle Touren" sind schon auf der Seite. Bei anderen, wie Immobilienfirmen für Wohnungskauf und Anwälte, die Leuten bei der Einwanderung in die USA helfen, sind wir mit potentiellen Partnern im Gespräch. Wir werden bald auch Korrespondentendienste bei Text, Fotos und Videos aktiv anbieten, wie eine Art Redaktionsbüro. Entweder nach Vorgaben der Kunden, oder wir liefern die Ideen. Gerne kann man uns dazu schon jetzt kontaktieren.

kress.de: Wenn Sie auf die bisherigen Stationen Ihrer Laufbahn zurückblicken: Wo haben Sie am meisten gelernt und welche Persönlichkeiten haben Sie im Rückblick entscheidend geprägt?

Erol Inanc: In den vielen Jahren, in denen ich hier mit Menschen durch die Stadt ging, um ihnen New York nahezubringen, habe ich viel über das Geschichtenerzählen gelernt. Stadtführungen, wie auch das Schreiben von Texten, sind ja beides Arten von "Storytelling". Ich finde, dass Bill Bryson ein großartiger Reisejournalist ist. Er schafft es, den Leuten Länder und Menschen nahezubringen. Auch einige von Mark Twains Büchern sind in dieser Hinsicht wunderbar. "Die Arglosen im Ausland" kann ich immer wieder lesen.

kress.de: Man spricht ja gern vom "Can Do"-Spirit der Amerikaner. Welche Scheibe sollte man sich als deutscher Medienmacher abschneiden?

Erol Inanc: Ich würde sagen, die Amerikaner sind im Allgemeinen optimistischer und wagemutiger als die Deutschen, deshalb auch der "Can Do"-Spirit. Davon können wir Deutschen etwas lernen. Dafür trifft hier aber oft "mehr Schein als Sein" auf mehr Menschen zu als in Deutschland, denke ich.

kress.de: Was bringt Sie auf die besten Ideen?

Erol Inanc: Einfach in der Stadt unterwegs zu sein. Wenn man durch New York läuft, ist man so vielen Eindrücken ausgesetzt. Und fast jeden Tag ist etwas dabei, wo ich mir denke: "Das könnte eine Story werden."

kress.de: New York schläft ja bekanntlich nie. Sie auch nicht?

Erol Inanc: Das mit dem Nicht-Schlafen trifft überwiegend auf Besucher, die das meiste aus ihrer Zeit machen wollen und viele der jungen Leute zu. Der Großteil der New Yorker arbeitet aber so hart, um über die Runden zu kommen, dass man normalerweise am Abend ins Bett fällt. Ich brauche meine acht Stunden.  

kress.de: Wie tanken Sie Ihre Kraftreserven auf?

Erol Inanc: Wenn man zwei bis drei Stunden nordwestlich von New York fährt, ist man in einer vollkommen anderen Welt. Die New Yorker sprechen von "Upstate New York". Es ist fast schon schockierend, wie ländlich es nur ein paar Autostunden entfernt ist. Es gibt Berge und Seen, und man kann je nach Jahreszeit wandern, Fahrradtouren machen oder im See schwimmen. Sogar Skifahren ist möglich, aber das kann man hier leider nicht mit meinem heimatlichen Bayern vergleichen.

kress.de: Sie führen ein "kressköpfe"-Profil. Wie wichtig ist das Netzwerken für Sie?

Erol Inanc: Ich bin froh, dass ich Teil dieses Netzwerks sein kann. Imposant finde ich, wie umfassend kressköpfe ist. Es ist eine tolle Resource. Ich selbst bin erst seit kurzem dabei, aber bin sehr zuversichtlich, dass sich durch kressköpfe einige interessante Kontakte ergeben werden.

kress.de: Welche Neuigkeiten und beruflichen Inspirationen ziehen Sie aus Ihrer Lektüre von kress.de und "kress pro"?

Erol Inanc: Ich habe ja einige Zeit an dem Launch von "New York Aktuell" gearbeitet. Seit dem bin ich täglich auf kress.de. Ich habe immer das Gefühl, dass ich so am Puls der Medienlandschaft in Deutschland bin. Wenn ich von etwas Neuem höre, das erfolgreich umgesetzt wurde, freut und inspiriert mich das immer besonders. Ich weiß, dass ich auf kress.de davon erfahren werde.

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