ProSiebenSat.1: Warum wollte Brandt Zeiler nicht?

 

"kress pro"-Chefredakteur Markus Wiegand berichtet in seiner Kolumne "Aus unseren Kreisen" auch über ProSiebenSat.1, wo Gerhard Zeiler ein Kandidat für den Posten des Vorstandschefs war.

 Im Februar sezierte das "Manager Magazin" in einer großen Story die Führungsprobleme von Max Conze: "Auflösungserscheinungen bei ProSiebenSat.1 - Warum Vorstandschef Conze die Manager davonlaufen". Tatsächlich verlässt Vorstand Sabine Eckhardt (Marketing und Vertrieb) das Haus Ende April. CFO Jan Kemper ist offiziell Ende März weg.

Für Kemper rückt Rainer Beaujean von Verpackungshersteller Gerresheimer nach. Eckhardt wird nicht direkt ersetzt. Einen Teil ihres Jobs übernimmt eine Ebene unterhalb des Vorstands Michaela Tod, die 14 Jahre für Dyson arbeitete. ProSieben bezeichnet das Unternehmen, in dem auch Conze zuvor arbeitete, konsequent als "Technologie-Unternehmen". Was deutlich vielversprechender klingt als Staubsaugerhersteller  - was das Kerngeschäft des Unternehmens ist.

Die oberste Führungsebene des Hauses glänzt derzeit nicht mit besonderer Kompetenz im alten Kerngeschäft. Das gilt übrigens auch für den Aufsichtsratsvorsitzenden Werner Brandt. Der war lange Vorstand bei SAP und führt heute den Aufsichtsrat von RWE und sitzt bei Siemens ebenfalls im Aufsichtsgremium.

Vor der Verpflichtung von Max Conze (49) hatte Brandt auch den ehemaligen RTL-Chef Gerhard Zeiler auf seiner Shortlist. Bei einem Gespräch in Frankfurt sprang der Funke allerdings nicht über. Dabei hat Zeiler (65) im Gegensatz zu Conze einen Leistungsausweis im Fernsehgeschäft. Er führt derzeit erfolgreich in London das internationale Geschäft von Turner, das zu Time Warner zählt. Geschätzter Umsatz: mehr als 2 Milliarden Euro.

Auch wenn Zeiler in London zufrieden ist, hätte ihn der Job in München wohl gereizt. Zum Ende seiner Laufbahn hätte er gerne noch mal gezeigt, was auch in Deutschland möglich ist. In einem Interview mit "kress pro" im vergangenen Jahr sagte Zeiler zu seinem Job: "Wo ich mich leider viel weniger einbringen kann, sind Programmentscheidungen." Das hätte sich in München wohl deutlich geändert. Denn dort liegen derzeit die Probleme von ProSiebenSat.1. Zeiler sagte zudem: "Wäre ich in Deutschland für eine der beiden großen Senderketten verantwortlich, würde ich versuchen, in andere Bereiche der Wertschöpfungskette einzutreten."

Was bei Zeiler zudem gepasst hätte: Er hätte mehr Zeit mit der Familie verbringen können. Seine Frau und sein kleiner Sohn wohnen in Salzburg. Aufsichtsratschef Brandt entschied sich nicht für das alte Schlachtross Zeiler, sondern für den Dynamiker Conze. Der muss erst noch zeigen, dass er Fernsehen und Entertainment kann. Wenn es nicht gelingt, werden die Stimmen derer lauter werden, die fragen, ob Brandt der richtige Mann für die richtige Position ist. Zeiler hingegen ist bei Time Warner, das von Telekom-Riese AT&T übernommen wurde, weiter aufgestiegen. Er übernimmt zusätzlich die globale Aufgabe als Chief Revenue Officer. 

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