Philipp Welte: Die Freiheit wird durch nichts so bedroht wie durch Google und Facebook

26.03.2019
 

"Wenn am Dienstag in Straßburg das Europaparlament über die europäische Urheberrechtsreform abstimmt, entscheidet es über nichts weniger als die Zukunft unserer pluralistischen Demokratie", sagt Burda-Vorstand Philipp Welte. Warum er die Freiheit durch Google und Facebook bedroht sieht.

Philipp Welte, Vorstand Hubert Burda Media und Vorstandssprecher VDZ Fachverband Publikumszeitschriften, sieht in der Urheberrechtsreform eine Richtlinie, die die Leistungen aller Medien- und Kreativschaffenden in Europa schützt und eine faire Bezahlung professionell erstellter Inhalte im Internet ermöglicht. Damit schaffe sie auch ein Fundament für die Zukunft des freien Journalismus in der Medienwelt des 21. Jahrhunderts.

Philipp Welte: "Eigentlich ein Anliegen, das jeder echte Demokrat unterstützt, weil er sich dieses unauflösbaren Bandes bewusst ist, das die Freiheit der Medien und die Kraft, die Widerstandsfähigkeit einer Demokratie verbindet. Heute allerdings kämpfen globale Plattformen, allen voran Google, in einer gewaltigen digitalen Materialschlacht gegen dieses Recht: Durch eine beispiellose Propaganda, die selbst Kinder und Jugendliche einbezieht, will man den Menschen in Europa weismachen, die Freiheit der digitalen Welt sei durch diese Richtlinie bedroht."

Dabei werde die Freiheit des Internet, die Freiheit des einzelnen Menschen und am Ende die Freiheit der Gesellschaft durch nichts so bedroht wie durch Google und Facebook, betont Welte weiter. Beiden Konzernen gehe es ausschließlich um die brachiale Verteidigung ihrer Geschäftsmodelle - "die nämlich beruhen auf der Ausnutzung privatester Daten und fremder Inhalte ohne Gegenleistung". Die US-Tech-Giganten wie Facebook, Google oder Amazon hätten seit Jahren persönliche Daten kommerzialisiert und zur Handelsware erklärt. Laut Welte haben sie damit das Zeitalter des Überwachungskapitalismus eingeläutet.  

"In unserer Demokratie ist daraus über Jahre ein ökonomisches Dilemma erwachsen, das unabhängigen Medien und freien, marktwirtschaftlich finanzieren Journalismus in der digitalen Welt fundamental bedroht. Wenn aber Zeitungen und Zeitschriften nicht mehr in der Lage sind, kritischen, unabhängigen Journalismus im Netz zu betreiben: Wer ist dann das Bollwerk der Wahrheit gegen die unfassbare Flut an Fake News, die über die digitalen Kanäle und in den sozialen Netzen jeden Tag über die Menschen hereinbricht?", fragt Welte.

Hier gerate die Demokratie in akute Gefahr: "Wir Verlage sind die Heimat des Journalismus, die Quelle der Meinungsvielfalt und Garanten der freien Information. Damit wir unsere Arbeit auch in Zukunft machen können, bedarf es dringend eines Schutzes unserer Leistungen." Ein europaweites Urheberrecht sei unausweichlich. Das Europaparlament entscheide am Dienstag nicht nur über eine Richtlinie, sondern für oder gegen über eine vitale und pluralistische Kultur- und Medienlandschaft in Europa - für oder gegen die Freiheit unserer Gesellschaft in unserer einzigartigen Demokratie, so Welte.

Hintergrund: Unterhändler des Parlaments und der EU-Staaten hatten sich Mitte Februar auf die Urheberrechtsreform geeinigt. Die Einigung sieht ein Leistungsschutzrecht für Presseverlage vor sowie in Artikel 13 deutlich mehr Pflichten zum Urheberrechtsschutz für Plattformen wie YouTube (kress.de berichtete).

Kritiker fürchten, dass die Reform nicht nur die Plattformen treffe und die Vorgaben nur mit Upload-Filtern einzuhalten seien. Mit dieser Software könnten sie schon beim Hochladen überprüfen, ob Bilder, Videos oder Musik urheberrechtlich geschützt sind. Dadurch droht nach Einschätzung der Kritiker eine Zensur des Internets.

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Ihre Kommentare
Kopf

Uwe Zimmer

26.03.2019
!

O. g. Artikel ist für mich Populismus oder Lobbyismus in reinster Form.
Künftig dürfte ich dieses kritische Zitat nicht mehr bringen (Quelle: https://juliareda.eu/2019/02/artikel-13-endgueltig/)
"Die Geschichte dieses Gesetzes ist eine einzige Blamage. Von Anfang an war die Intention hinter den Artikeln 11 und 13 nicht, klar definierte Probleme im Urheberrecht mit sorgfältig abgewogenen Maßnahmen zu lösen – sondern, die Taschen von lobbystarken Branchen zu füllen, egal mit welchen Nebenwirkunge


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