Fast absurd: Warum deutsche Verleger Apples neuen Abo-Dienst kritisch sehen

26.03.2019
 

Deutsche Verleger stören sich an Apples neuem Abo-Dienst für Nachrichten. Warum VDZ-Hauptgeschäftsführer Stephan Scherzer von einem "fast absurden" Geschäftsmodell spricht. 

Apple wolle sich als Mittelsmann zwischen die Verlage und die Leser schieben, kritisierte Stephan Scherzer, Hauptgeschäftsführer des Verbands Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ) am Dienstag gegenüber dpa. "Der Kundenkontakt wird indirekt, die Daten bleiben bei Apple, die Markenangebote werden atomisiert, und 50 Prozent vom Umsatz sind wohl abzugeben", sagte Scherzer. "Das mutet fast absurd an." Bis der Dienst im Herbst nach Europa komme, könne Apple das Angebot entsprechend verbessern.

Ähnlich negativ bewertet der Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) den Abo-Dienst: "Das Geschäftsmodell von Apple ist aus unserer Sicht für Verlagsunternehmen nicht besonders attraktiv», teilte der BDZV laut dpa mit. "50 Prozent vom Umsatz für Apple ist extrem hoch gegriffen. Auch verlieren die Verlage ihre direkte Beziehung zum Kunden/Nutzer, diese wird künftig von Apple wahrgenommen."

Es sei bezeichnend, dass "New York Times" und "Washington Post" mit ihrem starken individuellen Digitalabo-Geschäft nicht zu den Titeln in Apples Abo-Angebot zählten. "Da fehlen also zwei für viele Zeitungsnutzer besonders attraktive Leuchttürme im App-Kiosk", so der BDZV gegenüber dpa. Ganz grundsätzlich müsse die Frage gestellt werden, wie Hunderte oder in den USA Tausende Redaktionen ihre personal- und technikaufwendige Arbeit künftig finanzieren sollten, wenn eine Flatrate von gerade einmal 9,99 Dollar im Monat für alle ausreichen solle.

Hintergrund: Apple hatte den neuen Abo-Dienst namens "Apple News Plus" am Montag angekündigt. In den USA und Kanada sollen unter anderem Inhalte von rund 300 Magazinen verfügbar sein. Das Angebot per App kostet 9,99 Dollar pro Monat. Noch in diesem Jahr soll der Dienst in Großbritannien und Australien verfügbar sein. Wann der Service nach Deutschland kommen wird, hat Apple bislang nicht gesagt. Es gibt auch keine Bestätigung dafür, ob Apple tatsächlich die Hälfte der Einnahmen für sich beansprucht.

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