Döpfner: Wir können jetzt die Vermarktungshoheit über unseren Journalismus wiederbekommen

28.03.2019
 

Mathias Döpfner, Vorstandsvorsitzender von Axel Springer und Präsident des Bundesverbands Deutscher Zeitungsverleger (BDZV), hat sich zum neuen EU-Urheberrecht geäußert. Warum die Reform für Döpfner die rechtlichen Rahmenbedingungen für journalistische Geschäftsmodelle im Netz schafft.

Die Urheberrechtsreform mache das Internet besser. Sie schaffe die rechtlichen Rahmenbedingungen für journalistische Geschäftsmodelle im Netz. Damit entstehe mehr Anreiz, digitale Content-Start-ups zu gründen, Blogs zu schreiben und journalistische Projekte zu etablieren, so Mathias Döpfner.

Laut dem Springer-Chef und Präsident des BDZV wird das neue EU-Urheberrecht Innovation schaffen. Aus zwei Gründen: "Das Gesetz etabliert das Prinzip, dass einer, der Inhalte Dritter für kommerzielle Zwecke nutzen will, sich mit dem Publisher auf eine Lizenzgebühr einigen muss. Egal, ob das eine Suchmaschine wie Google, eine Social-Media-Plattform wie Facebook, ein Aggregator wie die Huffington Post oder ein anderer Publisher als Wettbewerber ist. Dadurch fließen Werbeerlöse an den Urheber zurück. Das ist ein materieller Anreiz für Gründer und Kreative, etwas auf journalistischem Gebiet zu versuchen. Denn die digitalen Erlöse haben in den letzten zwei Jahrzehnten nicht ausgereicht, um digital native-Angebote von Buzzfeed bis Vox oder die meisten Webseiten der Verlage wirklich profitabel zu machen. Zweitens aber, und das ist noch wichtiger, wird durch dieses Gesetz das Prinzip des digitalen Abos gestärkt. Umgehungen wie bisher üblich - auf BILDplus muss ich zahlen, aber bei einem Wettbewerber oder bei Google News bekomme ich den gleichen Text kostenlos - werden schwieriger. Auch das macht es reizvoller, über journalistische Initiativen nachzudenken, zu gründen und zu investieren. Und es führt dazu, dass die besten Journalisten ihre Arbeit auch digital anbieten wollen."

Durch seine Marktmacht habe der Suchmaschinen-Konzern Google in Deutschland das nationale Leistungsschutzrecht für Presseverlage bisher ausgehebelt. Verlagen, die dieses Recht nutzen wollten, habe Google angedroht, sie mit Texten, Fotos und Videos aus Google News auszulisten. Daraufhin hätten die Verlage "freiwillig" verzichtet, weil sie von Google abhängig seien, sagt Döpfner. Das Leistungsschutzrecht auf europäischer Ebene habe nun den Vorteil, dass die großen Technologieplattformen den großen europäischen Markt nicht ignorieren oder die Mitgliedsstaaten gegeneinander ausspielen könnten. Außerdem sei das Gesetz in Teilen jetzt noch klarer formuliert und gebe Unternehmen wie Axel Springer die Möglichkeit, "die Vermarktungshoheit über unseren Journalismus wiederzubekommen".

Es sei zwar unwahrscheinlich, dass Google Verlage nach der Reform für ein europaweites Urheberrecht komplett ausliste. Doch selbst wenn: Döpfner erinnerte an die Erfahrung mit dem Leistungsschutzrecht in Spanien. Dort habe das für die spanischen Verleger positive Folgen gehabt. Der Seitenaufruf sei zwar eingebrochen. "Aber der direkte Traffic auf den Angeboten der Verlage nahm drastisch zu". Dadurch hätten die Verleger ihre Angebote wesentlich besser zu Geld machen können.

Döpfner weist den Vorwurf zurück, dass gerade Axel Springer ("Bild", "Die Welt") besonders von der neuen Regelung profitieren werde. Zwar gehe es auch Springer darum, mit Journalismus digital Geld zu verdienen. "Was aber oft vergessen wird: Gerade Blogger, kleinere und mittlere Verlage profitieren ebenfalls von der Reform, weil sie sonst gar nicht in der Lage wären, aus eigener Kraft mit den Plattformen zu verhandeln und ihre Rechte durchzusetzen." Bei ihnen werde die Reform einen Innovationsschub auslösen.

Einer "16-Jährigen, der die Urheberrechtsreform Sorgen macht", würde Döpfner indes folgendes mit auf den Weg geben: "Dass sie ihren YouTube-Stars weiter folgen kann, wenn sie das will. Dass sie weiter Memes hochladen kann, wenn sie das möchte. Dass die Urheberrechtsreform ihr nichts "wegnehmen" wird. Denn bei der Urheberrechtsreform geht es schlichtweg darum, dass Facebook und Google Inhalte, die sie von Anderen nutzen möchten, auch bezahlen. Sie würde ja auch nicht auf die Idee kommen, ein YouTube-Tutorial der besten Freundin ungefragt im eigenen Kanal zu übernehmen und damit Reichweite und Werbeerlöse zu erzielen. Für die Verlage ist aber genau das die Realität."

Hintergrund: Die Aussagen von Mathias Döpfner sind im Mitarbeiter-Intranet (inside.net) von Axel Springer erschienen. 

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