Totalverkauf und Wahlverfahren: Neues von DuMont und SLM

 

Während DuMont-Vorstand Christian Bauer per Interview seine Belegschaft weiter verschreckt und ausgerechnet den alten Feind Schibstedt lobt, stellt die SLM-Medienversammlung in Sachen Direktorenwahl wieder alles auf Anfang und fordert unbedingt eine Neuausschreibung. Medienkolumne von Steffen Grimberg.

Wie man seinen Laden so richtig in Hektik hält, davon können die Brexit-gebeutelten Briten das ein oder andere Lied singen: Premierministerin Theresa May versucht weiter ihren Deal zu reiten, obwohl man ihr nach drei deutlichen Ablehnungen im Parlament nur noch zurufen möchte: Dein Pferd ist tot, steig endlich ab! In diesem Sinne empfiehlt sich DuMont-Vorreiter Christoph Bauer vielleicht bald auch für die Insel.

Seinen Laden jedenfalls hält er ebenfalls mächtig in Schwung - gerade weil er Ende der Woche in einem offenherzigen Interview mit dem "Handelsblatt" nochmal ganz klar bestätigt hat, vom Pferd absteigen zu wollen. Der "Totalverkauf" der Regionalpresse steht auf der Agenda, bestätigte DuMont-Vorstandschef Bauer den Düsseldorfer Kollegen ganz ausdrücklich.

Und wie hält man die Stimmung im laut den neuesten Media-Perspektiven-Basisdaten auf den sechsten Platz in der Top Ten der deutschen Presse abgerutschten Medienhaus auch weiterhin auf dem Siedepunkt? Indem man auch gleich noch angekündigt, dass konkrete Ansagen wohl eine ganze Weile auf sich warten lassen werden: "Wir rechnen mit Mitte Juli. Man darf aber nicht unterschätzen, dass solche Prozesse immer eine gewisse Eigendynamik entwickeln. Wir wollen schnell zu wohlüberlegten Entscheidungen kommen." Die Stimmung in den Redaktionen schwankt seitdem auf dem schmalen Grad zwischen Fatalismus und Galgenhumor.

Schließlich hatte sich ja auch der erste Teil der "DuMont steht zum Verkauf"-Saga schnell den Weg in die Öffentlichkeit gebahnt, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vor den Kopf gestoßen und - wie Bauer jetzt durchaus selbstkritisch einräumt - der Konzern alles andere als eine gute Figur gemacht: "Wir waren darauf nicht gut vorbereitet und haben entsprechend schlecht kommuniziert. Das tut mir leid, und dafür habe ich mich intern auch entschuldigt." Das man trotzdem so weitermacht wie bisher - siehe May - spricht für sich. Immerhin: Ganz ohne Deal wird DuMont schon nicht aus der deutschen Presselandschaft heraus krachen.

Interessant ist an dem Handelsblatt-Interview dabei auch, dass Bauer auf die Frage nach dem Konzern-Umbau und möglichen Vorbildern auf "Schibsted aus Norwegen" kommt. Deren innovatives Konzept, mit Gratis-Tageszeitungen vor allem den siechen Boulevard auf eine neue Grundlage zu stellen ("20 Minuten Köln") hatte DuMont im Verbund mit Springer schon anno 1999-2001 juristisch und durch kostspielige Kampf-Titel im dann ja auch so benannten "Kölner Zeitungskrieg" in andere Länder vertrieben. Genützt hatte es seinerzeit dem "Express" - nix. Und selbst der mit DuMont engstens verbandelte Verleger und ehemalige BDZV-Präsident Helmut Heinen ("Kölnische Rundschau") sinnierte später darüber nach, ob man da am Ende nicht den Falschen vertrieben habe.

Apropos Vertriebene: Unlängst habe ich hier über das Schicksal des langjährigen SLM-Direktors Martin Deitenbeck geschrieben. Dem hatte die Sächsische Landesanstalt für privaten Rundfunk und neue Medien, ja im Februar ohne viel Federlesens den Stuhl vor die Tür gestellt. Anders als beim DuMont-Verkauf sollte es mit der Neubesetzung der Stelle auch ganz fix gehen. Mit dem bisherigen stellvertretenden Direktor Hardy Sieglitz steht der Wunschkandidat des zuständigen Medienrats auch schon bereit. Die Ausschreibung las sich dann auch so - und eigentlich sollte am 8. April gewählt werden.

Doch das war vielen dann ein bisschen zu eindeutig: In ihrer Sitzung am 2. April feuerte die Medienversammlung der SLM, das zweite, größere Aufsichtsgremium neben dem Medienrat, volle Breitseite: "Die Versammlung der SLM empfiehlt dem Medienrat die Aufhebung des Bewerbungsverfahrens. Vor Einleitung eines neuen Ausschreibungsverfahrens ist sicherzustellen, dass das Auflösungsverfahren rechtssicher mit dem Amtsvorgänger abgeschlossen ist. Die Versammlung der SLM empfiehlt dem Medienrat (...) eine Neuausschreibung einzuleiten" heißt es in einer Pressemitteilung, die sich gewaschen hat. Im SLM-Sumpf zeigen die Mitglieder klare Kante: Der Beschluss wurde mit 23 Ja-Stimmen bei zwei Enthaltungen ohne eine einzige Gegenstimme beschlossen. Theoretisch kann der Medienrat den Spruch der Medienversammlung nun allerdings gepflegt ignorieren, da ihr nur ein Anhörungsrecht zusteht. Und das bedeutet: Fortsetzung folgt.

Beruhigender ist da schon der Blick in Richtung Reform des öffentlich-rechtlichen Rundfunks: Die Medienpolitik bastelt weiter hinter verschlossenen Türen und hofft auf den Konsens. Und damit das Ganze nicht ganz so schlimm ausfällt, waren die Intendantinnen und Intendanten letzte Woche mal fix beim Papst in Rom, ein Kerzlein anzünden. Der Heilige Vater fand dann auch wohltuende Worte über Wert und Bedeutung der Anstalten als Verteidiger von Freiheit und Menschenwürde. Ob und wann auch DuMont und/oder die SLM im Vatikan vorsprechen, ist hierorts noch nicht bekannt.

Zum Autor: Der ehemalige "taz"-Medienjournalist und frühere "Zapp"-Redakteur Steffen Grimberg, der bis Ende 2017 einer der beiden ARD-Sprecher war, arbeitet seit März 2018 als Redakteur für das Erfurter Team des MDR-Medienportals Medien360G. Auf kress.de schreibt Grimberg nun regelmäßig eine Medien-Kolumne.

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