Warum der Bloomberg-Chefredakteur ein Comeback des Bezahlens für Informationen sieht

10.04.2019
 

John Micklethwait, Chefredakteur von Bloomberg News, spricht in einem Interview über die Zukunft des Journalismus mit Algorithmen und Paid Content.

"Es gibt bereits ein Comeback des Bezahlens für Informationen. Ich bin zuversichtlich, denn insbesondere die junge Generation ist ja bereit, für digitale Abo-Modelle wie zum Beispiel Netflix zu bezahlen", sagt John Micklethwait, Chefredakteur von Bloomberg News, im Interview mit Christian Meier von der "Welt".

"Bloomberg hat sich seinen Journalismus von Firmenkunden ja immer bezahlen lassen, und das ist auch gut so, also gab es bereits damals Ausnahmen. Heute bieten wir ein Abonnement für normale Nutzer an, die uns im Internet lesen. Ehemalige Zeitungsmarken wie die New York Times, das Wall Street Journal und die Financial Times können ihre Abonnentenzahlen mit digitalen Angeboten steigern", so Micklethwait, der vor vier Jahren vom Wochenmagazin "Economist" kam.

Micklethwait verrät, dass ein Drittel der Bloomberg-Geschichten zumindest teilweise automatisiert erstellte Inhalten enthalten. Es braucht laut Micklethwait aber immer noch den Menschen, den Journalisten, der dieser Maschine sagen muss, nach was sie schauen soll. Den Journalisten, der sich ein Unternehmen genau anschaut und analysiert. Der entscheiden muss, ob eine Information stimmt oder nicht. Aber es sei eben heute auch möglich, Geschichten überhaupt erst über den Einsatz von Maschinen zu finden.

"Für uns zählt, ob unsere Kunden und Leser eine Information brauchen oder nicht", betont der Bloomberg-News-Chefredakteur in der "Welt". "Das sind alles Menschen, die mehr Geld als Zeit haben. Wir wollen ihnen nur Nachrichten liefern, die sie brauchen. Technologie wird zunehmend dafür sorgen, dass wir Informationen personalisieren können, also auf die Interessen der Leser zuschneiden."

Der Job des Journalisten werde auf interessante Weise anspruchsvoller: "Wenn ich Ihnen die Information liefere, dass die Deutsche Bank und die Commerzbank fusionieren werden, dann ist das weiterhin sehr viel Geld wert – wenn ich der Erste bin, der diese Information liefert. In dem Augenblick, in dem eine solche Nachricht draußen ist, hat sich ihr Preis aber drastisch verringert. Jetzt kommt es darauf an zu erklären, was diese Information bedeutet."

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