Bauer-Food-Chefredakteurin Gabriele Mühlen: Es ist mein absoluter Traumjob

 

Sie ist Chefredakteurin im House of Food. Das ist das Food-Netzwerk der Bauer Media Group, das Marken und Zielgruppen an einen Tisch bringen will. Im "kressköpfe"-Interview spricht Gabriele Mühlen über das gemeinsame Arbeiten unter einem Dach, den neuen Titel "Gourmet Traveller" und übers Saxophon-Spielen.    

kress.de: Liebe Frau Mühlen, erst mal Gratulation zum schön gemachten neuen Titel "Gourmet Traveller". Wenn Sie auf die Vorgeschichte zum Deutschlandstart zurückblicken: Wie schwer war es, sich persönlich das von den australischen Kollegen entwickelte Konzept auch für den hiesigen Markt vorstellen zu können?

Gabriele Mühlen: Vielen Dank. Es freut mich sehr, dass Ihnen unser neuer Titel Gourmet Traveller gefällt. Mich hat das journalistische Konzept auf den ersten Blick gepackt. Das Magazin lebt von stimmungsvollen Themenwelten, einer hochwertigen Optik und einer exklusiven Ansprache. Im Hinblick auf unser Portfolio war es eine logische Konsequenz, auch das Premium-Segment im Bereich der Food-Magazine zu besetzen. Häufig liegt das Gute ja auch nah: in diesem Fall zwar in Australien, aber aus der Bauer Media Group. Im House of Food arbeiten wir schon lange mit den internationalen Bauer Media-Kollegen zusammen. Es gab also schon im Vorfeld viele Berührungspunkte.

Jedes neue Magazin auf einem üppig bestückten Regalbrett muss sich die Frage stellen lassen: Warum eigentlich noch eine Kochzeitschrift?

Die Frage stellt sich so für uns nicht; wir denken vielmehr in neuen Ideen und innovativen Konzepten. Und: Gourmet Traveller ist keine klassische Kochzeitschrift. Wir verstehen uns als Magazin für Genuss- und Reiseliebhaber - also für eine völlig andere Zielgruppe. Unsere Leser begleiten uns auf eine kulinarische Reise um die ganze Welt. Dabei machen vor allem hochwertige Reportagen und spannende Gastro-Tipps kombiniert mit außergewöhnlichen Rezepten unser Magazin so besonders. Das gab es auf dem deutschen Markt bislang noch nicht.

Gibt es für den Genuss sowie die Freude am Kochen und gemeinsamen Essen eigentlich so etwas wie eine zeitlose Sonderkonjunktur auf dem deutschen Markt?

Zeitlos sicherlich nicht. Auch wir müssen uns immer wieder neu erfinden, denn der Markt und auch die Bedürfnisse unserer Leser ändern sich. Heute geht es nicht mehr um reines Versorgungskochen, sondern um Genuss und Erlebnis. Essen ist zu einem Lebensgefühl geworden. Das sehen Sie schon allein an den vielen Food-Trends. Auch Individualisierung spielt eine wichtige Rolle: Essen ist eine bewusste, individuelle Entscheidung. Das Tolle daran: Heute stehen so viele abwechslungsreiche Alternativen zur Verfügung, die zum Beispiel bei Unverträglichkeiten das Leben deutlich erleichtern.

Mit dem Gourmet-Titel zielen Sie bewusst eher ins kosmopolitische Premium-Segment, was sich auch in Optik, aber etwa auch im Zuschnitt der ausgewählten Rezepte niederschlägt. Wie spitz ist diese Zielgruppe unter deutschen Lesern?

Es handelt sich in der Tat um eine sehr anspruchsvolle Zielgruppe: gebildet, kosmopolitisch und stilvoll; im Leben angekommen, gut situiert und unternehmungsfreudig. Zudem liebt sie natürlich gutes Essen, egal ob zu Hause selbstgekocht oder auswärts in Restaurants - eben echte Gourmet Traveller. Sie leistet sich gern das Beste. Das erwartet sie auch von unserem Magazin und den Inhalten. Deswegen bieten wir immer das Besondere: zum Beispiel bei unseren Rezepten eine außergewöhnliche Verbindung von speziellen Aromen oder die Verwendung exotischer Zutaten.

Traditionell wirken viele Kochmagazine hierzulande oft bodenständig und wenden sich an ein Publikum, das Inspiration liebt, aber sie auch tatsächlich problemlos nachkochen möchte. Inwieweit schert der "Gourmet Traveller" da aus?

Bei unseren Food-Magazinen ist für jeden Geschmack etwas dabei; für die junge Zielgruppe, für die Gesundheitsbewussten, für die Liebhaber von Food-Klassikern. Gourmet Traveller ist in diesem Kosmos das Premium-Magazin für alle, die - im wahrsten Sinne des Wortes - über den Tellerrand blicken möchten. Die Leser erfahren viel über gehobene Kulinarik und die neusten Food-Trends. Sicherlich sind die Zutaten zum Nachkochen unserer Rezepte nicht immer in jedem Supermarkt erhältlich, aber genau das macht den Reiz aus. Unsere Zielgruppe möchte sich auch in der Küche ausprobieren und ihre Fähigkeiten und Kenntnisse im Bereich besonderer Spezialitäten perfektionieren.

Dank ihres internationalen Netzwerks können Sie auf einen am anderen Ende der Welt eingeführten Titel zurückgreifen. Wie "deutsch" musste der australische Titel aber doch werden?

Hier stellt sich ja zunächst die Frage "Was ist deutsch?". Grundsätzlich blicken wir in die ganze Welt, um unseren Lesern die neusten Trends, die ausgefallensten Destinationen und exklusive Restaurants nah zu bringen. Diese entstehen bzw. liegen ja nicht unbedingt in Deutschland. Unsere Aufgabe ist es, Trends und Geschichten entsprechend für unsere Leser zu identifizieren und neu zu erzählen. Dabei achten wir natürlich auf eine gute Mischung. Und wenn es in Deutschland spannende Themen gibt, greifen wir diese natürlich auf.

Chefredakteurin des "House of Food": Ist das eigentlich wirklich genau der Traumjob in der Schokoladenfabrik, von dem Schlemmer träumen?

Schokoladenfabrik eher nicht. Wenn man mal eine besucht hat, isst man definitiv eine Weile keine Schokolade mehr. Aber es ist in der Tat mein absoluter Traumjob. Ich arbeite in einem tollen Bereich, in dem ich viel bewegen kann und der sich ständig weiterentwickelt. Schauen Sie sich nur einmal an, welche Rolle Food heute spielt. Noch nie waren das Interesse und das Bewusstsein für Essen und Ernährung so ausgeprägt wie heute und die Möglichkeiten so vielfältig. Kochen hat eine völlig neue Bedeutung gewonnen; ist Lifestyle, Entspannung, Geselligkeit und Meditation in einem. Außerdem habe ich ein großartiges Team, das jeden Tag mit viel Herzblut und Kreativität unsere Ideen und Projekte umsetzt.

Sie kamen von Burda, wo ebenfalls viele einschlägige Koch- und Genuss-Titel gebündelt werden. Was unterscheidet der Ansatz, den Bauer verfolgt?

Wir sind sehr erfolgreich in unserem Ansatz, alle unsere kompletten Food-Aktivitäten unter einem Dach zu bündeln, auch räumlich. Auf rund 2.000 Quadratmetern finden sich neben Redaktionsräumen, Versuchsküche, Fotostudios und Requisite auch unsere Showküchen und eine Eventfläche. Rund 80 Mitarbeiter - von Ökotrophologen, Food- und Deko-Stylisten bis zu Journalisten, Fotografen, Grafikern, Digital- und Marketingexperten - arbeiten hier Hand in Hand am perfekten Content. Wir nutzen unsere Synergien, um sowohl internen wie auch externen Kunden optimale 360 Grad-Lösungen anzubieten: von der Erstellung von crossmedialem Content für Print, Digital und Social Media über Video- und Fotoproduktionen bis hin zu Markeninszenierung durch Events und Influencer-Kampagnen.

Wenn Sie auf die bisherigen Stationen Ihrer Laufbahn zurückblicken: Welche Stationen haben Sie am stärksten geprägt?

Jede Station hat auf ganz besondere Art und Weise Eindrücke hinterlassen. Denn jede einzelne von ihnen brachte und bringt immer noch Herausforderungen mit sich. Man lernt nie aus und manchmal lernt man auch Dinge, die man nicht lernen wollte. Ebenso ist jede Karriere - wie ja auch Lebensphase von unterschiedlichen Einflüssen geprägt. Das macht ihre Besonderheit aus. Aktuell beschäftige ich mich intensiv mit den spannenden Zukunftsfragen hinsichtlich neuer Möglichkeiten im Rahmen der Digitalisierung und zukünftiger Geschäftsfelder. Das treibt mich an. Stillstand ist ein Fremdwort für mich.

Wie muss man sich den Alltag in einer großen Kochredaktion eigentlich vorstellen. Endet eigentlich jeder Feierabend in einer gemeinsamen Spontanparty in der Testküche?

Oft, aber nicht oft genug. Aber diese fröhliche und kreative Atmosphäre nehmen wir mit in den Arbeitsalltag. Wir starten die Woche mit einem gemeinsamen Kick-off-Meeting, bei dem alle rund 80 Mitarbeiter zusammenkommen. Hier besprechen wir übergreifende Themen. Danach arbeiten die Teams eng und miteinander verzahnt an ihren Projekten. So entsteht im Team etwa zunächst die Idee zu einem bestimmten Thema, dann werden die Food-Redakteure entsprechend gebrieft und entwickeln gemeinsam mit den Food-Stylisten die Rezepte und die Welt, in der diese Rezepte inszeniert werden sollen. So haben wir z.B. für das Chef's Recipe in Ausgabe 1 von Gourmet Traveller Papas nativas, die Trendkartoffel aus Peru, mit Entenhack völlig neu in Szene gesetzt. In den Redaktionen wird der Content dann für die entsprechenden Zeitschriften und Marken grafisch und textlich gestaltet. So arbeiten alle Hand in Hand, um ein perfektes kulinarisches Ergebnis zu kreieren.

New York soll ja nie, Hamburg auch nur wenig schlafen. Wie tanken Sie Ihre Batterien wieder auf?

New York und Hamburg eint tatsächlich das, was mich neben Familie und Freunden am besten auftanken lässt: viel Wasser und die Nähe zum Meer. Hier lasse ich mich vom Wind durchpusten und kann ganz neue Gedanken entwickeln. Als Ausgleich brauche ich aber auch ab und an die Berge: Sich in Höhen zu begeben, zeigt mir wieder neue Perspektiven auf und rückt alles in die richtige Relation. Und natürlich mit Musik. Saxophon spielen bringt mich sofort auf andere Gedanken.

Sie führen ein "kressköpfe"-Profil. Wie wichtig ist das Netzwerken für Sie?

Netzwerken gehört für mich selbstverständlich zum Leben und zum Beruf. Ich tausche mich auch gern mit Menschen aus anderen Branchen aus. Dadurch entstehen ja die spannendsten Geschichten und Projekte. Ich hätte allerdings gern mehr Zeit zum Netzwerken.

Was inspiriert oder beschäftigt Sie, wenn Sie Berichte auf kress.de oder "kress pro" lesen?

Ich finde vor allem die Erörterung von strategischen Fragen interessant. Die wesentlichen Fragen, die uns doch alle beschäftigen sind "Wie gehen wir in die Zukunft?", "Was sind neue, nachhaltige Perspektiven und Formate?". Und natürlich alles, was andere Menschen treibt und inspiriert. Ich finde es wahnsinnig spannend zu lesen, was der Motor hinter den Geschichten ist.

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