Was am Job des Chefredakteurs furchtbar nervt

 

Der Job als Chefredakteur eines Branchenmagazins wie "kress pro" ist eine große Freude. Drei Ausnahmen. 

Die beste Beschreibung des Jobs als Kress-Chefredakteur lieferte Gründer Günther Kress vor ziemlich genau 50 Jahren im "kress report": "Es ist eine Lust, Informationen aus dieser Branche zu sammeln und - in lesbare Sätze verarbeitet - an Sie weiterzugeben. Denn irgendwo regt sich immer etwas, auch wenn an den modischen Brennpunkten vorübergehend scheinbare Ruhe sich breitmacht."

Genauso ist es. Ich sehe mich natürlich in der Kress-Tradition als Dienstleister an den Leserinnen und Lesern. Aber gelegentlich, in meinen wenigen schwachen Momenten, wird die Lust, Informationen für Sie einzusammeln, etwas getrübt. Drei Beispiele aus den vergangenen Wochen.

1. Wir hatten die Information exklusiv, dass der Chefredakteur eines Regionalblattes sein Amt abgeben wird oder besser gesagt muss. Gegenrecherche beim Verlag: hartes Dementi. Die Gegenrecherche beim Chefredakteur erledigten wir persönlich per Telefon und gingen betont behutsam vor. Wir sagten, dass wir uns vorstellen können, dass das folgende Thema möglicherweise heikel sei, ob man informell reden könne: "Stimmt es, dass Sie Ihr Amt aufgeben?" Der Schriftleiter schnaubte sehr hörbar in die Leitung und sagte: "Das Geräusch, das Sie jetzt hören, werden Sie künftig immer hören, wenn Sie mich anrufen." Dann legte er auf. Ehrlicherweise hörten wir gar kein Geräusch dabei. (Folgerten aber messerscharf, dass genau das die Ansage war.) Wenige Wochen später kam die Meldung, dass der Chefredakteur das Blatt verlässt.

2. Wenn man mit den Kommunikatoren der Verlagsbranche ins Gespräch kommt, ist eine Forderung immer ganz wichtig: Sie sind natürlich frei in der Berichterstattung, aber in Gottes Namen fragen Sie doch vorher! Wir gingen kürzlich wieder einmal nach Plan vor. Wir hatten aus sicherer Quelle erfahren, dass eine bedeutende Führungskraft eines bedeutenden Hauses zum nächsten bedeutenden Haus weiterziehen würde. Wir fragten pflichtschuldig nach und bekamen einige Stunden lang keine Antwort. Dann wurde der Wechsel offiziell auf allen Kanälen verkündet und uns mitgeteilt, die Anfrage sei etwas zu kurzfristig erfolgt. (Aus Reststolz brachten wir die Nachricht etwas später als üblich auf kress.de und hoffen, dass Günther Kress dies nie erfahren wird.)

3. Eine bedeutende Führungskraft eines bedeutenden Hauses hatte vor einiger Zeit ihre Funktion abgegeben. Die Gründe dafür waren nebulös, um es mal vornehm auszudrücken. Ein informelles Telefongespräch wurde vehement ausgeschlagen. Eine Frage per Mail: "Warum war die Begeisterung über Ihre Arbeit zuletzt so gedämpft?" Die Antwort: "Man kann seiner Frau nicht oft genug sagen, dass alles im Vergleich zu ihr gedämpft ist. Wunderbarer Ausdruck. Ich hoffe nur, dass Ihr Artikel nicht auch noch gedämpft ist ..." Warum die Führungskraft inzwischen anderen dient, bleibt weiter im gedämpften Dunkel unserer Unwissenheit. Was wir persönlich nehmen und als Niederlage verbuchen.

Eine Einladung an Sie

Ehe wir allzu wehleidig klingen, möchten wir zurückkommen zu den Freuden des Jobs. Ende März durfte ich die Jurysitzung der European Publishing Awards (Magazin) in München leiten. Es war ein großes Vergnügen, die Leidenschaft der Top-Führungskräfte für ihre Produkte und vor allem die der anderen zu spüren. In unserem verdichteten Arbeitsalltag wird die Begegnung mit Menschen einfach immer wertvoller. Wenn Sie das auch so sehen, darf ich Sie vom 12. bis 14. Mai nach Wien zum European Publisher Congress einladen. Dort berichten mehr als 30 Top-Referenten von Magazinen, Zeitungen und digitalen Angeboten, wie sie die digitale Transformation des Geschäfts meistern wollen. Wenn Sie keine Zeit haben, nehmen Sie sich bitte welche. Wenn Sie mehr Informationen brauchen, gehen Sie ins Internet (www.newspaper-congress.eu) oder besser noch: Bitte rufen Sie mich an (+49 7742 9754-019). Wenn es Ihnen an Geld mangelt: Schließen Sie ein "kress pro"- Abo ab und Sie zahlen nur die Hälfte der Kongressgebühr. Mail an mich genügt. Ich kümmere mich um alles Weitere: markus.wiegand(at)kresspro.de.

kress.de-Tipp! Der Text von Markus Wiegand ist das Editorial zur aktuellen Ausgabe 3/2019 von "kress pro", die Sie in unserem frisch gestalteten Shop kaufen können. In unserem Magazin steht alles darüber, wer künftig bei der FAZ das Sagen hat, wie es wirtschaftlich aussieht, über welche Strategien die Führungskräfte nachdenken und warum Herausgeber Holger Steltzner gehen musste. Dazu gibt es ein Ranking der besten Redaktionssysteme und ein Dossier über die Digitalmesse SXSW.

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"kress pro" - das Magazin für Führungskräfte in Medien - erscheint wie kress.de im Medienfachverlag Oberauer. Chefredakteur ist Markus Wiegand.

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