Exklusiv: Wie Funkes WAZ geschrumpft ist

 

Interne Zahlen zeigen, wie stark Funke mit seinen Tageszeitungen im Ruhrgebiet unter Druck ist. Eine Analyse von Steffen Grimberg im aktuellen "kress pro".

Die Funke-Gruppe druckt auch in ihrem Stammland Nordrhein-Westfalen bei immer mehr Regionalausgaben nur noch Auflagengrößen im vierstelligen Bereich. Während der Konzern bei der IVW seit Langem nur kumulierte Angaben zu allen Titeln im Verbreitungsgebiet macht, sprechen die aufgeschlüsselten internen Zahlen der Druckauflagen, die "kress pro" vorliegen, eine deutlich differenziertere Sprache. Der Stand:

Westdeutsche Allgemeine Zeitung (WAZ): 275.590

Neue Ruhr Zeitung (NRZ): 96.912

Westfalenpost (WP): 92.372

Westfälische Rundschau (WR): 58.070

Iserlohner Kreisanzeiger (IKZ): 17.420

Ein Blick in die Druckauflagen der Städte zeigt den Bedeutungsverlust. In Dortmund kommen "WAZ" und "Westfälische Rundschau" nur noch auf eine gemeinsame Druckauflage von unter 20.000 Exemplaren ("WAZ" 4.977, "WR" 14.730) und verlieren weiter gegen den Marktführer "Ruhr Nachrichten" von Lensing-Wolff, von dem beide Titel seit Jahren den Lokalteil beziehen. Das ist weniger, als "Westfalenpost" (13.155 Exemplare) und "WR" (8.120) im deutlich kleineren Hagen drucken. Die "WAZ" kommt selbst in ihrem lokalen Monopolmarkt Bochum nur noch auf 37.112 gedruckte Exemplare. In Siegen sind die beiden in Konkurrenz zur "Siegener Zeitung" stehenden "WR" und "WP" als Zweitzeitung unter die neuralgische 5.000er-Marke gerutscht ("WP" 1.623, "WR" 3.287). Die Ausgabe Warstein ist in der Liste schon nicht mehr enthalten, in Hohenlimburg sehen die Zahlen kaum besser aus ("WP" 1.694, "WR" 1.846). Am Konzernsitz in Essen werden die Druckzeiten für die "WAZ" (54.330) und die "NRZ" (15.233) auch immer kürzer. Besonders bitter ist die Lage für die "NRZ" in unmittelbarer Nachbarschaft - die Ausgabe Mülheim fällt auf unter 4.000 gedruckte Exemplare (3.937) - die "WAZ" kommt hier auf 19.216 Druckstücke. Ausgewählte "WAZ"-Zahlen im Überblick: Duisburg 32.123 - Oberhausen 17.775 - Gelsenkirchen 11.465 - Gelsenkirchen-Buer 15.032 (alle Angaben: Druckauflagen).

Die "NRZ" verlagert ihren Schwerpunkt weiter Richtung Rhein. Hier liegen die im Vergleich noch stärksten Lokalausgaben wie Dinslaken (15.711), Moers (12.869) oder Wesel (9.631), die Prestigeausgabe in der Landeshauptstadt Düsseldorf kommt nur noch auf 5.563 gedruckte Exemplare. Die "Westfälische Rundschau" kann derweil ihre alte Stärke im südlichen Ruhrgebiet und Sauerland auch kaum noch verteidigen - stärkste Ausgaben sind neben Hagen noch Ennepetal (8.177), Arnsberg (6.861), Wetter (3.931) und Meschede (3.211). Die Iserlohner "WR" läuft noch mit 2.065 Exemplaren über die Rotation - ganze fünf Minuten stehen dafür im Druckplan.

Bei der "Westfalenpost" hat sich nach eigenen Angaben die negative Auflagenentwicklung in einer Weise beschleunigt, die man so nicht vorhergesehen habe. Die Abo-Auflage liegt nur noch bei rund 80.000 Exemplaren, das sei ein Minus von 5,4 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum.

Die "WP" habe 2018 noch mit einem positiven Ergebnis abgeschlossen, hieß es auf einer Belegschaftsversammlung vor wenigen Wochen. Es habe aber um 800.000 Euro unter Plan gelegen. Funkes NRW-Verlagsgeschäftsführer Thomas Kloß ließ bei der Gelegenheit auch gleich die Katze aus dem Sack: Die konzerninternen "Forecasts" für die Jahre bis 2021 hätten für ganz NRW ergeben, dass "wir dann kein Geld mehr mit Tageszeitungen verdienen". Dies habe nichts mit Leistungen in den Redaktionen und der Produktqualität zu tun, sondern mit den "harten Bedingungen", die die Branche vorgebe.

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