Provinz und Pulverfabrik: Warum Agenturboss Mike Wutta die Underdog-Rolle gefällt

 

Out of Rottweil: Seit 20 Jahren setzt die Trendfactory Branchengrößen wie Daimler, SAP, Mobilcom Debitel und Zeiss in Szene. Agenturchef Mike Wutta erklärt im kressköpfe-Interview, warum er sich jenseits der Metropolen nie ab vom Schuss fühlt und wie elektrisierend die umgebaute alte Pulverfabrik auf die Agenturarbeit wirkt.

kress.de: Herr Wutta, unter Live-Kommunikation verstehen in der Medienbranche nicht Wenige Freigetränke, Häppchen, im Hintergrund eine dezente Jazz-Band und ansonsten wildes Netzwerk-Geplauder. Für einen großen Auftraggeber wie bei Ihnen unlängst SAP ist es damit aber ja wohl nicht getan, oder?

Mike Wutta: Bei der Premiere von SAP NOW, einer international ausgerichteten Eventreihe von SAP, ging es neben dem Content in erster Linie um das emotionale und unvergessliche Erlebnis für die Teilnehmer und Besucher vor Ort – das bleibt den Menschen in Erinnerung. Unser Anspruch ist es, ein möglichst hohes Maß an Attraktivität über die Bereiche Content, Format, Location und auch Entertainment zu schaffen – einzelne Bausteine wie das Eventdesign, die Inhalte, Formate und Panels, bis hin zum Catering, dem Branding, den Partnerpräsentationen und dem gesamten Rahmenprogramm passend zu orchestrieren und die Leute zu begeistern. Die Zeiten, in denen es um reines Entertainment geht, sind längst vorbei. Es braucht auch die richtigen und passenden Partner – ein Mix aus Kreativität, Erfahrung und neuen Impulsen. Wir versuchen mit unseren Partnern in einer immer komplexer werdenden Welt, Dinge einfach und verständlich darzustellen. So gehen wir jedes Projekt an - gepaart mit Esprit, Mut und Freude kommen dann auch die besten Ergebnisse zustande.

kress.de: Sie haben über 20 Jahre hinweg Ihr Haus zu einem wichtigen Anbieter für Events und ungewöhnliche Marken-Erlebnisse gemacht. Was waren die wichtigsten Lernschritte, um groß und erfolgreich zu werden?

Mike Wutta: Wir hören vor allem zu. Und wir interessieren uns für unsere Kunden und die Innovationen ihrer jeweiligen Branche, involvieren sie, sind lernbereit und immer neugierig. Und wir gehen lieber viele kleine Schritte – oft mit hohem Tempo - als einen oder zwei zu große.

"Der direkte Austausch zwischen Menschen ist durch nichts zu ersetzen."

kress.de: Was sind für Sie die aktuell wichtigsten Trends in der Live-Kommunikation – in Zeiten, in denen viele Unternehmen sogar große Bilanzpressekonferenzen am liebsten digital abhalten würden?

Mike Wutta: Meiner Meinung nach ist der direkte Austausch zwischen Menschen durch nichts zu ersetzen. Wir waren unlängst bei Google im Headquarter in Mountain View und auch dort – im Hub der Digitalisierung – finden die wichtigsten Meetings 1:1 und persönlich statt. Gerade im Zeitalter der Geschwindigkeit und Digitalisierung ist das persönliche Gespräch und das gemeinsame Miteinander wertvoll und wichtiger denn je – am Ende entscheiden Menschen. Die größten Tech Firmen im Silicon Valley bündeln sich auf wenigen Quadratkilometern. Das erleichtert kurze Wege und schnelle Entscheidungen - beim Mittagessen oder bei Events. Sicherlich werden jours fixes oder Projektmeetings heutzutage auch "wegdigitalisiert". Aber Konferenzen und Kundenevents, bei denen Wissen und Content persönlich vermittelt werden, gibt es immer mehr – erfreulicherweise Veranstaltungen und Themen, mit denen wir uns viel beschäftigen.

"Rottweil ist für uns ein Ort der Ruhe und ideal zum Krafttanken und Kreativsein."

kress.de: Ihre Kundenliste mit Schwergewichten wie Daimler, Deutsche Bahn oder Telefónica liest sich sehr großstädtisch-kosmopolitisch. Rottweil, wo Sie Ihren Firmensitz haben, gilt allerdings nicht gerade als Agentur-Brennpunkt. Wie sehr ist das ein Geschäftsnachteil?

Mike Wutta: Das hatten wir zwischenzeitlich auch mal gedacht – aber inzwischen sehen wir es sogar als Vorteil. Rottweil ist für uns ein Ort der Ruhe und ideal zum Krafttanken und Kreativsein. Man hat auch mal Zeit abzuschalten, nachzudenken und ist nicht immer von zig Optionen und Angeboten getrieben wie in einer Großstadt. Extra-Inspirationen holen wir uns unter der Woche – wir sind europaweit unterwegs und häufig in Berlin. In der Rolle des vermeintlichen Underdogs aus der Provinz fühlen wir uns pudelwohl.

kress.de: Einen Firmensitz in einer 100 Jahre alten, selbst restaurierten ehemaligen Pulverfabrik kann allerdings auch kaum ein Mitbewerber vorweisen. Wie gut lässt sich dieser Ort nicht nur fürs eigene Arbeiten, sondern auch für fremde Veranstaltungen nutzen?

Mike Wutta: Der Umbau des Kraftwerks zur Eventlocation war wie ein Turbo für unser Business. Rund 3.000 m² wurden für Kongresse, Hochzeiten, Konzerte und Firmenveranstaltungen wieder nutzbar gemacht. Dabei wollten wir unbedingt das besondere Kraftwerk Flair erhalten und erlebbar machen. Das Kraftwerk ist für uns selbst ein Ort der Inspiration, der unendlichen Möglichkeiten – auch vor Ort etwas Neues auszuprobieren – und natürlich auch ein Statement.

kress.de: Wer Veranstaltungen auf die Beine stellt und Menschen, Marken und Inszenierungen zusammenbringt, darf sicher nicht schüchtern sein. Welche Eigenschaften zeichnen Sie aus und worauf legen Sie größten Wert, wenn Sie selbst neue Mitarbeiter einstellen?

Mike Wutta: Wichtig für uns sind Neugierde, das Mindset, Lernbereitschaft und Flexibilität - gepaart mit schneller Auffassungsgabe und Social Skills. In der heutigen Zeit mit schnell wechselnden und wachsenden Anforderungen sind diese "Basiseigenschaften" wichtiger als Spezialwissen – das kann man sich notfalls aneignen oder über Partner "einkaufen".

kress.de: Wenn Sie auf Ihren Werdegang zurückblicken: An welchen Stationen haben Sie am meisten gelernt, welche Persönlichkeiten prägen Sie noch heute?

Mike Wutta: Da gibt es viele – sicher Thomas Wenger, mein Geschäftspartner, unser beider Mentor, der Architekt und Stadtplaner Alfons Bürk, meine Familie, aber auch zahlreiche Kunden und Geschäftspartner. Wir haben immer versucht, von allen zu lernen und zu verstehen.

kress.de: Work Life Balance sollte ja nicht nur ein Lippenbekenntnis sein: Wo und wie tanken Sie in der Freizeit wieder Kraft nach?

Mike Wutta: Bei meiner Familie, in Rottweil, beim Sport und mit Freunden.

kress.de: Sie führen ein "kressköpfe"-Profil. Wie wichtig ist für Sie das Netzwerken?

Mike Wutta: Immens wichtig – man muss nicht alles wissen oder können, aber wissen, wer was weiß oder wen man fragen kann. Bei Aufträgen profitieren wir mittlerweile fast ausschließlich von Empfehlungen aus unserem Netzwerk. 99% der Anfragen, die wir heute bekommen, kommen darüber. Akquise machen wir so gut wie gar nicht.

kress.de: Was inspiriert oder beschäftigt Sie, wenn sie Berichte auf kress.de oder "kress pro" lesen?

Mike Wutta: Ich bin noch nicht so lange ein kresskopf. Mittlerweile nutze ich kressköpfe, wenn ich mir ein Gesicht oder einen Namen anschauen möchte, von dem ich gelesen oder gehört habe – auch um mir kurz die Vita eines Geschäfts- oder Gesprächspartners anzuschauen.

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