Wie geschickt Anina Veigel die Verleger vernetzt

 

Optimismus für eine strahlende Print-Zukunft zu verbreiten, ist für Anina Veigel Tagesgeschäft. Im Köpfe-Interview outet sich die Geschäftsführerin des Verbands der Zeitschriftenverlage in Bayern - als leidenschaftlicher Bücherwurm.

kress.de: Frau Veigel, wer die Aufgeregtheiten einer Medienwelt rund um KI-Anwendungen, Roboterjournalismus und programmatischen Werbebuchungen verfolgt, könnte meinen, mit Engagement für Zeitschriften säße man auf dem falschen, einem ganz alten Dampfer. Wie schwer fällt es Ihnen gelegentlich, nicht in Selbstzweifel zu verfallen?

Anina Veigel: Zeitschriften zu verlegen ist nach wie vor höchst attraktiv. Sonst würden nicht so viele neue Zeitschriften am Markt entstehen. Es kommen nur weitere Medienkanäle hinzu. Ich habe meine berufliche Laufbahn im Hause Burda begonnen mit einem Verleger, der die Digitalisierung mit Begeisterung, Können und Mut aktiv vom ersten Tag an mitgestaltet hat. Diese Erfahrung prägt mich bis heute: Ja, es sind spannende und aufregende Zeiten, aber wir Verleger sind als Gestalter mittendrin – was kann uns Besseres passieren?

kress.de: Wie anspruchsvoll ist es, die Verbandsarbeit für Zeitschriften zeitgemäß zu halten und sich dabei trotzdem nicht von modischen Hypes blenden zu lassen?

Anina Veigel:  Unser Anspruch ist es, aus der Perspektive der Leser hinter die Buzzword-Fassade der Digitalisierung zu schauen: Was ändert sich tatsächlich und was sind die Konstanten? Und wenn sich etwas ändert: Was bedeutet das für unsere Leser und was bedeutet das für unsere Verlage? Unser Ziel ist es dabei, ein auf die tatsächlichen Bedürfnisse unserer Mitgliedsverlage zugeschnittenes, attraktives Programm anzubieten. Dieses beinhaltet vor allem die politische Interessenvertretung, Beratung und Services für die Verlage, professionelle Veranstaltungen, Networking und ein zeitgemäßes Fortbildungsangebot.
Und dabei sind wir sehr erfolgreich.

kress.de: Sie veranstalten mit dem Bayerischen Verband verschiedene exklusive Veranstaltungen, und die Riege der Referenten, die Sie verpflichten, liest sich hochkarätig. Wie diplomatisch muss man als gute Gastgeberin sein, um in der Verbandsarbeit möglichst viele Interessen geschickt auszutarieren?

Anina Veigel: Verbandsarbeit ist "People-Business". Mit Waltraut von Mengden haben wir eine VZB-Vorsitzende, die die Klaviatur der Verbandspolitik exzellent beherrscht: Interessen kennen, Menschen verbinden, Lösungen formulieren und umsetzen. Zudem vermitteln wir auf unseren Veranstaltungen überraschende Einblicke, neueste Trends, Inspiration und Impulse zu den unternehmerischen Herausforderungen: Was passiert da gerade in der Welt? Was bedeutet das für uns? Was müssen wir jetzt und hier anpacken? Unseren Teilnehmern – aus unseren Verlagen, wie auch Entscheidern aus Wirtschaft und Politik – präsentieren wir dafür exzellente Redner aus dem In- und Ausland.

"Verlegerische Inhalte, spannende News und kompetente Hintergrundinformationen sind gefragt wie nie zuvor."

kress.de: Wenn Sie in Ihre langfristige Planung schauen: Wann konkret wird denn dann doch einmal mit dem Abgesang auf Print zu rechnen sein?

Anina Veigel: Ich bin gelernte Marktforscherin und halte mich an die Fakten. Und diese Fakten sagen: Verlegerische Inhalte, spannende News und kompetente Hintergrundinformationen sind gefragt wie nie zuvor. Und auch Print als "Verpackung" dieser Inhalte ist stabil und einzigartig. Aus der Gehirnforschung wissen wir, dass auf Papier Gelesenes besser begriffen und erinnert wird.

kress.de: Was ist aus Ihrer Sicht für Ihre Gäste und Verbandsmitglieder wichtiger – starke intellektuelle Inspirationen in den Vorträgen oder doch lieber Netzwerken zwischen Stehtisch und Festtafel?

Anina Veigel:  Beides. "Food for Thought" sollte jeder mitnehmen können; Themen und Ideen, die auch in die tägliche Arbeit hineinwirken. Und auch die Gespräche mit Kollegen, mit der Politik und mit werbungtreibenden Unternehmen schaffen echten Mehrwert. Gemeinsam kommen wir auf die besten Ideen!

"Ein guter Marktforscher vermisst nicht nur die Welt, er kann Entwicklungen und Kundenverhalten auch anschaulich erklären und somit kluge Entscheidungen treffen."

kress.de: Sie waren lange selbst Verlagsmanagerin, vor allem bei Burda: Ab wann haben Sie das Bedürfnis in Ihnen entdeckt, Ihr Wissen über die Branche breitenwirksamer weiterzugeben?

Anina Veigel: Ein guter Marktforscher vermisst nicht nur die Welt, er kann Entwicklungen und Kundenverhalten auch anschaulich erklären und somit kluge Entscheidungen treffen. Ich glaube, diese Fähigkeit des Erklärens und Entscheidens hat mich schon immer mehr interessiert, als die reine Analyse.

kress.de: Wenn Sie auf die Stationen Ihrer Berufslaufbahn zurückblicken: Wo haben Sie Ihren Blick für die Branche am besten geschärft und wo lernt man die Sicherheit für das oft etwas glatte Parkett Medienpolitik?

Anina Veigel: Gelernt habe ich in jeder Funktion und in jedem Verlag, in dem ich arbeiten durfte. Medienpolitik lernt man aber nur in der Medienpolitik: Waltraut von Mengden und ich sind hier äußerst aktiv und stehen in engem Austausch mit den Ministerien, Politikern, dem Bundesverband und natürlich mit den eigenen Verlegern.

kress.de: Viele der VZB-Veranstaltungen dienen der Inspiration. Was bringt Sie denn privat auf die besten Ideen?

Anina Veigel: Mein Mann und ich, wir haben einen großen Freundeskreis in der Medien-, Buch- und Finanzbranche. Wenn wir uns treffen, gibt es echte Synergie-Effekte, wenn sich etwa ein Buchverleger mit einem Anlagespezialisten unterhält. Ich mag diese Vielfalt der Themen über die eigenen beruflichen Themen hinaus.

kress.de: Wo tanken Sie Ihre Kraftreserven auf?

Anina Veigel: Ich lese für mein Leben gerne: In unserem Briefkasten liegen jeden Tag Zeitschriften, die wir abonniert haben und natürlich auch die Tageszeitung. Beim Joggen höre ich Hörbücher und Podcasts, und ein Besuch auf Frankfurter Buchmesse ist für mich Erholung.

kress.de: Sie scheinen es zu lieben, Menschen und Marken zusammenzubringen. Wie dick muss man sich eigentlich Ihr Adressbuch vorstellen?

Anina Veigel: Mein Adressbuch ist tatsächlich ein handgeschriebenes Notizbuch mit vielen hundert Adressen. Und wenn ich alle paar Jahre ein neues Notizbuch benötige und die Adressen und Kontakte per Hand übertrage, dann bin ich schon ein Wochenende lang gut beschäftigt.

"Netzwerken ist kein Selbstzweck, sondern wesentlicher Teil meines Berufs, der mir auch persönlich und privat viel Freude bereitet."

kress.de: Sie führen ein "kressköpfe"-Profil. Wie wichtig ist das Netzwerken für Sie?

Anina Veigel: Wir sind in einer Kreativbranche. Kreativität entsteht im Kontakt mit und zwischen Menschen. Darum ist Netzwerken kein Selbstzweck, sondern wesentlicher Teil meines Berufs, der mir auch persönlich und privat viel Freude bereitet.

kress.de: Welche Neuigkeiten und beruflichen Inspirationen ziehen Sie aus Ihrer Lektüre von kress.de und "kress pro"?

Anina Veigel: kress ist ein "Wissens-Sensor", der für seine Leser Informationen und Trends wahrnimmt, verarbeitet und vermittelt. Diese Art der Sensorik ist für unsere Medienbranche hochrelevant und unverzichtbar.

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