Wie Flipboard sich jetzt Verlegern als Facebook-Alternative andient

08.05.2019
 

Das US-Unternehmen Flipboard bemüht sich derzeit stark um Publisher-Partnerschaften. Seit Kurzem verstehen die hauseigenen Algorithmen auch sehr gut Deutsch. Zum Case von "kress pro".

Den Gegenwind, der Facebook entgegenschlägt, möchte Flipboard aktuell in Rückenwind - für sich und für den deutschen Verlagsmarkt - ummünzen. Firmen-Mitgründer Mike McCue hat zuletzt stark in die neuen Angebote seiner sozialen Inhalteplattform für den deutschsprachigen Markt investiert, konkret eine neue algorithmische Klassifizierungsfunktion eingeführt, die jetzt auch automatisch deutsche Texte versteht, und möchte sich Verlegern als Facebook-Alternative andienen. "Sie kommen zu uns - und werden dort nicht deprimiert", sagt McCue über seine deutschen Nutzer und über die Publisher-Partner, mit denen er in Deutschland, Österreich und der Schweiz kooperiert. Darunter finden sich große Namen wie Spiegel Online, Focus Online, Süddeutsche Online, Zeit Online, der "Tagesspiegel", aber auch das Gruner-Flaggschiff "Brigitte".

"Inzwischen arbeiten wir im deutschsprachigen Raum mit mehr als 120 Medienpartnern zusammen, viele große Verlagshäuser sind mit mehreren Publikationen auf der Plattform vertreten", sagt Anne Samarin, die als Editorial & Partnerships Manager DACH von Berlin aus Flipboard im Berliner Büro vertritt. "Mehr als 1.800 Nachrichtenquellen - sowohl größere Publikationen als auch Blogs - sind auf Flipboard Deutschland zu finden." Aktuell intensiviert sie und ihr US-Boss McCue das Umwerben deutscher Medienpartner. Europa ist für Flipboard der wichtigste Wachstumsmarkt. Etwa ein Drittel der bestehenden Nutzer des US-Medienhauses mit rund 400 Millionen aktiven Flipboard-Anwendern stammt von dem Kontinent - aktuell zählt McCue rund 130 Millionen europäische User.

Von der deutschsprachigen Presselandschaft mit ihrem Fokus auf Qualitätsjournalismus ist McCue, der das Unternehmen 2010 gründete, besonders angetan. "Wir wollen uns mit den besten Publishern verbünden, mit ihnen Qualitätszielgruppen erreichen und so gemeinsam ein nachhaltiges Geschäftsmodell aufbauen", sagt er über die aktuelle Deutschland-Offensive seines Hauses. "Wir bauen eine großartige Plattform für großartigen Content zusammen mit unseren Publishern."

Konkret bietet Flipboard seinen Verlagspartnern, aber auch privaten Medienproduzenten, die etwa spezialisierte Blogs mit hochwertigem Inhalt betreiben, eine attraktive Möglichkeit, die Online-Reichweiten zu steigern und auch Publikum zu erschließen, das sonst nichts von derartigen Angeboten - mobil oder digital über mehr oder weniger stationäre Geräte - mitbekommen würde. Dabei versteht sich Flipboard als Verteiler und Kurator der Inhalte.

Alle Artikel, die dort aufgeführt werden, teilt ein Redaktionsteam in Berlin in entsprechende Themengebiete auf. Danach übernimmt ein KI-getriebener Algorithmus die bis in feinste Verästelungen aufgefächerte Indizierung der Inhalte, die dann möglichst exakt die voreingestellten Themeninteressen der deutschsprachigen Flipboard-Nutzer treffen. Vorstellen darf man sich das als einen hochkomplexen, intelligenten Bibliothekskatalog, der sicherstellt, dass auf den Endgeräten der Interessenten jeweils tagesaktuell Inhalte zusammengestellt werden, die dann auch tatsächlich auf Interesse stoßen.

Seit Frühsommer vergangenen Jahres spricht der Flipboard-Algorithmus nun auch Deutsch, um die deutschsprachigen Inhalte noch besser automatisiert zu filtern und somit individualisierte Personalisierungen zuzulassen. Vorbild für den Schritt war Frankreich, wo Flipboard eine entsprechende Französisch verstehende "Themen-Engine" bereits im November 2017 einführte - mit großem Erfolg: Schon in den ersten fünf Monaten steigerte sich dort die Gesamtzahl der Artikel, die Franzosen pro Tag auf Flipboard lesen, um rund 150 Prozent.

In Deutschland wuchs das Unternehmen, Angaben aus dem Berliner Hauptbüro zufolge, zuletzt bei der Leserschaft insgesamt um 16 Prozent. Wie viele Kundenbeziehungen Flipboard in Deutschland allerdings konkret unterhält, verrät das Unternehmen derzeit nicht.

Wer eine Zusammenarbeit mit Flipboard anstrebt, dem könnten sich anschließend drei Vorteile bieten, um das Geschäft anzukurbeln:

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"kress pro" - das Magazin für Führungskräfte in Medien - erscheint wie kress.de im Medienfachverlag Oberauer. Chefredakteur ist Markus Wiegand. Den Flipboard-Case hat kress-München-Korrespondent Rupert Sommer aufgeschrieben.

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