Warum Edda Fels ein Segen für Springer ist - und warum DuMont tiefer stapeln muss

 

Springers Kommunikationschefin Edda Fels tritt Ende 2019 ab, bleibt dem Konzern aber für übergeordnete Aufgaben erhalten. In Sachen DuMont-Verkauf brodelt weiter die Gerüchteküche. Sicher scheint nur: Ihre Preisvorstellungen können sich die Kölner abschminken. Die Iren kennen das Problem. Neue Medienkolumne von Steffen Grimberg.

Axel Springer ist auch über 30 Jahre nach seinem Tod bei der Axel Springer SE nicht wegzudenken. Dass es natürlich noch Friede Springer gibt, die jetzt in Wien beim European Newspaper Congress für ihre Lebenswerk geehrt wird, versteht sich von selbst. Der Rest - vom Vorstandsvorsitz bis zur Bild-Chefredaktion - ist austauschbar. Obwohl: Ob das für Edda Fels auch gilt, wird sich erst noch zeigen. Deswegen sind die warmen Worte, mit denen Springers Vorstandsvorsitzender Mathias Döpfner  - "Ihren Wunsch nach mehr Zeit für private Dinge respektiere ich nach fast drei Jahrzehnten Dauereinsatz für dieses Unternehmen. Ich bin froh, dass wir nicht ganz auf sie verzichten müssen" - seine Noch-Kommunikationschefin vom Haken lässt, mehr als freundliche Floskeln. Denn als Döpfner kam, zuerst als Welt-Chefredakteur, dann als Vorstandsmitglied und schließlich als Vorstandschef, war Edda Fels immer schon da.

Seit 1992 im Laden, seit 1996 an der Spitze der Unternehmenskommunikation. Damals regierten noch die grauen alten Herren und machten Friede Springer das Leben schwer; ein gewisser Leo Kirch übte jahrelang die Übernahme und erging sich - als die nicht gelang - im Aufsichtsrat in nahezu geschäftsschädigender Blockadepolitik. Doch so sehr die Intrigen auch wobten, die Gerüchte überkochten und so Manches ganz real an- und Geld verbrannte: Edda Fels war der Fels in der Brandung; blieb sachlich, souverän - und blickte voraus auf bessere Zeiten.

An ihrer Art hat sich dabei in fast 25 Jahren an Kommunikationsspitze eines über lange Zeit auch ideologisch noch immer unter Generalverdacht stehenden Hauses nichts geändert: Verbindlich ist Edda Fels, und  - um es mit einer ARD-Sendung zu umschreiben - "hart, aber fair". Wenn sie nichts sagen kann, will oder muss - sagt sie nichts. Das sagt sie dann aber auch und lässt niemanden mit leeren Versprechungen im Wind hängen. So schützt sie die Interessen wie das Image des Konzerns, wobei sie manchmal durchaus noch selbst Hand anlegte. Unvergessen der Anruf, mit dem sie in den Berliner Redaktionen höchstpersönlich darüber informierte, dass die gerade entstehende B.Z. die letzte eines gewissen Chefredakteurs namens Franz-Josef Wagner sei, der mit seinen eigenwilligen Vorstellungen über Redaktionsmanagement und vor allem Redaktionsschlüsse nicht nur die eigene Mannschaft an den Rand des Wahnsinns und diverse  Ausgaben an den Rand des Absturzes brachte. Natürlich nicht, um Wagner zu desavouieren. Sondern nur um sicher zu gehen, dass der seine Demission auch selbst wirklich mitkriegt, weil sie nun mal ja in der Zeitung steht.

Bis Ende des Jahres macht Edda Fels noch, dann folgt ihr Malte Wienker nach, aktuell Referent bei Döpfner. Fels selbst bleibt Springer nach Unternehmensangaben für "übergeordnete Kommunikationsaufgaben" erhalten. In ihrer Abteilung hat sie ohnehin über all die Jahre Talente aufgebaut, viele Pressestellen längst nicht nur im Medienbereich setzen auf Menschen "made by Edda Fels". Ihr selber ist das natürlich immer viel zu viel des Lobes, die große Bühne ist ihre Sache gar nicht. Weswegen jetzt hier auch Schluss ist - mit noch einem kleinen Hinweis: Der Vorname Edda ist von Edwina abgeleitet, was eine "ihr Gut schützende" Frau bezeichnet  - und bedeutet "Segen". Wer will da widersprechen?

Ganz so segensreich läuft es beim geplanten Verkauf der DuMont-Titel dagegen offenbar nicht: Zwar sollen hier vorläufige Interessensbekundungen von Madsack und Funke vorliegen. Wie ernst sie aber wirklich gemeint sind, vermag aktuell niemand zu sagen. Klar scheint immerhin zu sein, dass die Kölner ihre Erwartungen mit Blick aufs Gesamtpaket deutlich nach unten schrauben müssen: Von den mal in Rede gestandenen rund 300 Millionen Euro auf gut die Hälfte. Vielleicht tröstet den ein oder anderen da ein kleines bisschen der Blick nach Irland: Da geht gerade die Independent News&Media-Gruppe - ehemals unter dem Heinz-Ketchup-Erben Anthony O'Reilly über zwei Milliarden Euro an der Börse wert - gegen den Willen etlicher Aktionäre an die belgische Mediahuis-Gruppe (De Standaard, De Telegraaf). Während Insider hier auch einen Marktwert von gut 300 Millionen Euro vorrechneten, zahlt Mediahuis gerade mal 145 Millionen.

Zum Autor: Der ehemalige "taz"-Medienjournalist und frühere "Zapp"-Redakteur Steffen Grimberg, der bis Ende 2017 einer der beiden ARD-Sprecher war, arbeitet seit März 2018 als Redakteur für das Erfurter Team des MDR-Medienportals Medien360G. Auf kress.de schreibt Grimberg nun regelmäßig eine Medien-Kolumne.

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