Warum Dennis Ballwieser nicht für Leser, sondern für Betroffene schreibt

 

Monatlich rund 10 Mio Unique User versorgt Dennis Ballwieser, Geschäftfsführer des Wort & Bild Verlags, mit apotheken-umschau.de. Auf dem European Publishing Congress gewährte er Medienschaffenden aus 35 Ländern exklusive Einblicke in seine Erfolgsrezepte.

"Zeigen Sie, was Sie können", empfiehlt Ballwieser, Co-Geschäftsführer an der Seite von CEO Andreas Arntzen, den versammelten Medienkollegen in Wien in seinem inspirierenden Referat, das hinter die Kulissen der Digitalaktiväten im "Apotheken Umschau"-Verlag blickte. Dabei scheute er auch nicht vor milder Form von Selbstironie zurück, immerhin galt das Haus lange nicht als digitaler Vorreiter. "Wir haben uns zwei Jahrzehnte Zeit gelassen, ein Digitalangebot zu entwickeln", sagte Ballwieser.

Wie auch beim Massen-Print-Titel "Apotheken Umschau" legt die Online-Redaktion hohe wissenschaftliche Maßstäbe an die Inhalte an - inklusive eines nicht ganz alltäglichen Leser-Verständnisses. "Wir haben keine Kunden oder Verbraucher", so Dennis Ballwieser. "Wir haben Betroffene." Wer sich über Gesundheitsthemen informiert, will auch mit dem apotheken-umschau.de oft ein Patientengespräch mit Arzt oder Apotheker vorbereiten.

Diesen Prozess sollen die Angebote begleiten, grundsätzlich kritisch gegenüber dem inhaltlichen Gegenstand. "Wir müssen Journalisten sein", so Ballwieser. "Wir glauben unseren Gegenübern erst einmal gar nichts", so das Credo der Redaktionen. Und es gilt, in einer allgemeinverständlichen Sprache zu schreiben. "Jeder, der einen Hauptschulabschluss hinter sich gebracht hat, sollte in der Lage sein, unsere Inhalte zu verstehen."

Von seinen Redakteuren erwartet der Wort und Bild-Geschäftsführer, dass sie "ihre Rolle als Nebendarsteller" akzeptieren - und sich ständig hinterfragen. Um online erfolgreich zu sein, rät Ballwieser, so viel wie möglich im Internet zu lesen, selbstverständlich auch Angebote anderer Medienhäuser. "Besuchen Sie Websites in einer fremden Sprache, die Sie nicht verstehen", empfahl er den Verlegern in Wien.

Strikte journalistische Unabhängigkeit im riesigen Pharma-Markt ist dabei die Grundvoraussetzung für redaktionellen Erfolg. "Respektieren Sie die Mauer zwischen Anzeigenabteilung und Redaktion", sagte er auf dem European Publishing Congress 2019. "Und wenn sie eingerissen ist, bauen Sie sie wieder auf."

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