Julia Bönisch: "Wir müssen aushalten, dass es keine einfachen Antworten gibt"

 

Mit Fragen der zeitgemäßen Inhalte und der Führung von Redaktionen in Zeiten der Digitalisierung hat sich auf dem European Publishing Congress im Wiener Rathaus Julia Bönisch auseinandergesetzt. Was man von der Chefredakteurin von SZ.de, die auch Mitglied der "SZ"-Chefredaktion ist, lernen kann.

Mehr denn je gilt es für Julia Bönisch, in Zeiten der Umbrüche Haltung zu zeigen und den eigenen Mitarbeitern eine Vorbildfunktion zu erfüllen. Dies bedingt eine veränderte Chefredakteurinnen-Rolle – gerade in Zeiten allgemeiner Unsicherheit, wie den Herausforderungen für Medienmarken zu begegnen ist. "Es ist wichtig, dass wir viel mehr echte Führungskräfte als früher sind", sagte sie vor über 300 Chefredakteuren, Medienmanagern und Journalisten aus 35 Ländern.

"Inhalte, gute Inhalte, sind die Basis für alles. Das sage ich als Chefredakteurin eines Hauses, das die Panama Papers veröffentlicht hat, das Heimat des guten Leitartikels und der herausragenden Reportage ist", so Julia Bönisch. Die neuartigen Führungsanforderungen bringen dennoch notwendigerweise auch eine Beschäftigung mit der wirtschaftlichen Dimension redaktioneller Weichenstellungen mit sich. "Wir sind gezwungen, uns schneller zu verändern, weil uns Einnahmen und Leser nicht mehr sicher sind, weil wir Geschäftsmodelle haben, die wir mindestens anpassen müssen, damit sie heute und vor allem morgen noch funktionieren."

Gerade weil es weiterhin kaum echte, verbindliche Vorbilder für die Zusammenführung von Off- und Online-Redaktion in der Medienbranche, gelte es, den Wandel zu bejahen. "Wir müssen aushalten, dass es keine einfachen Antworten gibt."

Die Digitalisierung biete attraktive Möglichkeiten für mitreißenden, zukunftsträchtigen Journalismus – und Anlass zum Selbstbewusstsein. "Eigentlich war es noch nie so einfach, unsere Geschichten beeindruckend aufzubereiten und zu erzählen. Und noch nie gab es so viel technische Unterstützung dafür, sie zu verbreiten", lautet Julia Bönischs Fazit im Festsaal des Wiener Rathauses auf dem European Publishing Congress. "Lassen Sie uns diese Chance nutzen."

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