Warum Gabor Steingart sich nicht mehr von Udo van Kampen vertreten lässt

15.05.2019
 

Der langjährige ZDF-Mann Udo van Kampen sollte Gabor Steingart regelmäßig in dessen Podcast als Moderator vertreten. Doch daraus wird nichts. Ein Exklusiv-Bericht des "PR Report".

Der frühere "Handelsblatt"-Chefredakteur und -Herausgeber Gabor Steingart rührt derzeit mächtig die Trommel für sein Start-up Media Pioneer. Herzstück der Firma sind der Newsletter "Morning Briefing" sowie der gleichnamige Podcast. Zuletzt gab es die Topnews, dass Axel Springer als Investor einsteigt.

Zuvor schon hatte Steingart ein weiteres bekanntes Medien-Gesicht als Ersatz-Moderator gewonnen: Udo van Kampen sollte ihn künftig regelmäßig vertreten. Der 70-Jährige arbeitete viele Jahre lang als Korrespondent für das ZDF, unter anderem als Leiter der Studios in Brüssel und New York.
 
Van Kampen sprang Ende April das erste Mal für Steingart ein. Eine Woche später, in der Folge vom 6. Mai, waren die beiden zusammen zu hören. Steingart stellte van Kampen als "Freund und Kollegen" vor und van Kampen tat seine Freude kund, Steingart "einmal die Woche vertreten zu dürfen".
 
Die Sache hat nur einen Haken: Van Kampen bietet seine Dienste auch als Kommunikationsberater und als Medientrainer an - zum einen bei der Agentur Kekst CNC und zum anderen bei der Firma Van Kampen & Resch. CNC zählt zu den führenden PR-Beratungen in Deutschland und hat viele große Konzerne als Kunden. Darunter sind oder waren Unternehmen, die potenziell auch für Steingarts Berichterstattung interessant sind, beispielsweise Volkswagen und Bayer.
 
Der "PR Report" fragte bei Steingart nach, wie die journalistische Tätigkeit van Kampens für den "Morning Briefing Podcast" mit dessen PR-Jobs zusammenpassen. Passt nicht, befand Steingart daraufhin.
 
Mark Schubert, Redaktionsleiter des Morning Briefing Podcasts, sagte: "Udo van Kampen ist eine hoch integre Persönlichkeit, und es hat in seiner bisherigen Tätigkeit für den 'Morning Briefing Podcast' keine Interessenkonflikte gegeben. Dennoch wird Herr van Kampen im Podcast künftig nicht mehr als Vertreter von Gabor Steingart eingesetzt, um jeden Anschein eines Interessenkonflikts zu vermeiden." Er werde aber weiter als Europa-Experte in Morning Briefing Podcast zu hören sein.
 
Van Kampen teilte mit: "Gabor Steingart, mit dem ich seit langem befreundet bin, hat mich gefragt, ob ich meine europapolitische Kompetenz in seinen Podcast einbringen könnte. Dem habe ich gerne zugestimmt. Thematisch ging es bei den Podcasts die ich moderiert habe, schwerpunktmäßig um das Thema Europawahl und die Konsequenzen für die politische Zukunft der Europäischen Union. Auch künftig stehe ich Gabor für Kommentare und als Interviewpartner auf Anfrage gerne zur Verfügung. Schließlich war ich 20 Jahre in Brüssel und habe noch Kontakt zu den Institutionen." 
 
In der Sendung vom 29. April, die van Kampen alleine moderierte, ging es indes gleich am Anfang zumindest kurz um die Bayer-Hauptversammlung, bei der CEO Werner Baumann von den Aktionären nicht entlastet worden war. Dabei waren O-Töne von der HV zu hören, durchaus nicht unkritisch kommentiert von van Kampen.
 
Kekst CNC hat für den Leverkusener Dax-Konzern rund um die Übernahme von Monsanto gearbeitet, ist nach Informationen des "PR Reports" derzeit aber nur auf kleiner Flamme für das Unternehmen tätig. Über die Kooperation von CNC und Bayer habe man keine Kenntnis gehabt, sagte Redaktionsleiter Schubert, und man werde die Berichterstattung so kritisch fortsetzen, "wie wir es in der Vergangenheit getan haben - insbesondere auch im Falle der Bayer AG".

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Der "PR Report" erscheint wie kress.de im Medienfachverlag Oberauer. Chefredakteur ist Daniel Neuen.

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